Vermisst

Jährlich rund 250 Fälle im Kreis: So geht die Polizei bei vermissten Personen vor

Polizist steht auf einem Waldweg
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Im Jahr 2019 wurden im Main-Kinzig-Kreis fast 250 Personen als vermisst gemeldet. Die Polizei geht bei der Suche je nach Fall unterschiedlich vor. Erfolgreich ist die Suche im Großteil der Fälle.

Jährlich werden im Main-Kinzig-Kreis ungefähr 250 Personen als vermisst gemeldet. Wir haben bei der Polizei nachgefragt, wie sie bei der Suche nach vermissten Personen vorgeht.

  • Rund 250 Personen werden jährlich im Main-Kinzig-Kreis vermisst.
  • Nicht immer fahndet die Polizei öffentlich.
  • So gehen die Beamten bei der Suche nach vermissten Personen vor.

Main-Kinzig-Kreis – Wenn Menschen plötzlich verschwinden, ist das ein Schock für Verwandte und Freunde. Und auch in der Bevölkerung ist die Aufmerksamkeit und Anteilnahme oft sehr hoch. Im Main-Kinzig-Kreis schienen sich zuletzt die Vermisstenfälle zu häufen, zahlreiche Personen wurden mithilfe der Öffentlichkeit gesucht. Grund zur Sorge besteht aber nicht, zeigt ein Blick in die Zahlen.

Im Main-Kinzig-Kreis wurden im vergangenen Jahr 249 Personen als vermisst gemeldet, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte. Im Fünf-Jahres-Vergleich liegen die Zahlen zwischen 230 und 300 Personen, einzig 2016 gab es mit 346 als vermisst Gemeldeten einen Ausschlag nach oben.

Rund 70 Prozent der vermissten Personen sind laut Polizei Jugendliche

In diese Statistik fallen jedoch auch Personen, die im Jahr mehrfach als vermisst gemeldet werden. Oft sind es Ausreißer, die gleich mehrmals im Jahr von Zuhause oder aus Jugendeinrichtungen abhauen und im Regelfall schnell wieder gefunden werden. Bei rund 70 Prozent der Vermissten handelt es sich laut Polizei um Jugendliche, viele verschwinden öfter und sind der Polizei deshalb bereits bekannt. Entsprechend hoch ist auch die Aufklärungsquote. Die Hälfte aller Vermisstenmeldungen im Kreis klären sich innerhalb der ersten Woche, nach einem Monat sind es bereits über 80 Prozent. Die Zahlen des Kreises lassen sich auch auf ganz Hessen übertragen. Im Bundesland wurden 2019 übrigens 7326 Personen als vermisst gemeldet.

Nur zirka drei Prozent der als vermisst gemeldeten Personen werden über ein Jahr lang vermisst. Zu den Akten gelegt werden solche Fälle natürlich nicht: Sollte ein Fall nicht aufgeklärt werden können, bleibt die Fahndung bei Langzeitvermissten über 30 Jahre lang bestehen. Einen Zeitpunkt, ab dem die Polizei davon ausgeht, dass eine Person nicht mehr lebend gefunden wird, gibt es nicht. „Je länger eine Person verschwunden ist, desto unwahrscheinlicher wird es, die Person wieder lebend anzutreffen“, heißt es allerdings von der Polizei.

Polizei: Nur ein minimaler Teil der vermissten Personen sind in eine Straftat verwickelt

Nur ein minimaler Anteil der Vermisstenfälle im Main-Kinzig-Kreis steht im Zusammenhang mit Straftaten oder Verbrechen. Lediglich ein bis zwei sind es im Jahr. Bei durchschnittlich 283 Vermissten im Jahr liegt der Anteil also gerade einmal bei 0,3 bis 0,7 Prozent.

Vermisstenmeldungen in den Medien

Immer wieder wenden sich Angehörige von vermissten Personen an unsere Redaktion mit der Bitte, die Suche öffentlich zu machen. Wie die Polizei auch, handeln wir jedoch nach klaren Regeln. Die Suche nach vermissten Personen wird von uns erst dann veröffentlicht, wenn auch die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet hat. Im Pressekodex steht dazu: „Namen und Fotos Vermisster dürfen veröffentlicht werden, jedoch nur in Absprache mit den zuständigen Behörden.“ Suchmeldungen und entsprechende Anfragen von Privatpersonen werden von uns daher generell nicht veröffentlicht. Unerheblich ist dabei, in welchem Verhältnis die vermisste Person und die Suchenden stehen. bel

Besonders hoch ist die Aufklärungsquote bei vermissten Kindern. Laut Bundeskriminalamt werden weit über 90 Prozent der Fälle in Deutschland aufgeklärt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Polizei bei vermisst gemeldeten Kindern deutlich schneller reagiert. „Das kommt immer auf den individuellen Fall an. Wird eine Dreijährige seit drei Stunden auf dem Spielplatz vermisst, wird sofort gefahndet. Das ist etwas anderes, als wenn der 40-jährige Bruder mal einen Tag lang nicht erreichbar ist“, erklärt Kriminaloberkommissar Alexander Schlüter von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Polizei entscheidet je nach Dringlichkeit über das Suchverfahren nach den vermissten Personen

Entsprechend der Dringlichkeit variiert auch das Suchverfahren der Polizei. Wie das BKA auf seiner Website mitteilt, könne es bei unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben der Person, etwa bei Suizidandrohung, oder bei vermissten Kindern sofort nach der Meldung zu groß angelegten Suchmaßnahmen kommen. An solchen Suchen sind neben der verantwortlichen örtlichen Polizeidienststelle auch Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und die lokalen Rettungsdienste beteiligt, die meist über die beste Ortskenntnis verfügen. Auch der Einsatz von Suchhunden, Hubschraubern und Wärmebildkameras kann in Frage kommen.

Gänzlich anders ist das Vorgehen bei Erwachsenen, die im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sind. Diese haben das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen. Die Polizei führt in solchen Fällen keine Suche durch. Oft haben sich die Gesuchten bewusst aus ihrem Umfeld entfernt, ohne Kontaktdaten für Freunde oder Familie zu hinterlassen. In solchen Fällen wird zunächst der Aufenthalt ermittelt, die betroffene Person kann dann entscheiden, ob der Familie dieser Ort mitgeteilt werden soll. „Sofern die Person wohlauf ist, sie nicht Opfer einer strafbaren Handlung wurde und sie keine strafbaren Handlungen begangen hat, hat sich der Fall für die Polizei mit der Ermittlung des Aufenthaltsortes erledigt“, teilt das BKA mit. Wie die Polizei erklärte, seien nur wenige Personen in der Lage, dauerhaft unterzutauchen und somit nicht mehr auffindbar zu sein.

Polizei leitet nur bei Gefahr eine Fahndung nach vermissten Personen ein

Die Polizei leitet nur eine Vermisstenfahndung ein, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Oft gilt das bei Personen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu orientieren oder die dringend auf Medikamente angewiesen sind. In solchen Fällen wenden sich Ermittler dann auch an die Bevölkerung.

In den vergangenen Monaten kam es im Kreis häufiger zu öffentlichen Fahndungen nach vermissten Personen. Innerhalb der Bevölkerung entstand so der Eindruck, dass derzeit besonders viele Personen vermisst werden. „Dem ist aber nicht so“, teilte die Polizei mit. Im Bereich Main-Kinzig gebe es derzeit keine Häufung, auch gebe es keine besonders auffälligen Zeiträume. „Eine Häufung von Vermisstenfällen in der aktuellen Corona-Zeit ist nicht festzustellen“, so die Polizei in ihrer Antwort. Generell gebe es keine Zeiträume, in denen besonders häufig Personen verschwinden. „Für Jugendliche sind lange Wochenenden oder auch Ferienzeiten immer wieder einmal ein Anlass zu verschwinden, um dann allerdings von sich aus wieder zurückzukehren“, teilte die Polizei mit.

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