Bürgermeisterwahl

Karten im Rathaus werden neu gemischt: Neun Bewerber für Bürgermeisterwahl in Steinau

Stichwahl wahrscheinlich: Insgesamt sieben Bewerber gibt es, die den Chefsessel im Rathaus am Steinauer Kumpen besetzen wollen.
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Stichwahl wahrscheinlich: Insgesamt sieben Bewerber gibt es, die den Chefsessel im Rathaus am Steinauer Kumpen besetzen wollen.

Steinau – Am 1. November werden die kommunalpolitischen Karten in der zweitkleinsten Stadt des Kreises neu gemischt: Der neue Bürgermeister wird gewählt.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich einer der neun Bewerber im ersten Wahlgang durchsetzen wird. Der Stichwahltermin ist für den 15. November anberaumt.

Die Direktwahl war bereits für den 26. April vorgesehen, wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben. Das erwies sich für drei Kandidaten als Glücksfall: Malte Jörg Uffeln (unabhängig), der seit August 2014 die Geschicke der Büder-Grimm-Stadt in Händen hatte, kündigte im vergangenen Jahr zunächst an, sich beruflich verändern zu wollen (wir berichteten).

In einer Pressemitteilung ließ er verlauten: „Ich habe meine Ziele erreicht! Ich werde 2020 nicht wieder kandidieren! Mein Wählerauftrag ist vorzeitig erfüllt!“

Im Februar erfolgte die Rolle rückwärts: Uffeln ließ verlauten, doch noch einmal kandidieren zu wollen. In einer weiteren Pressemitteilung schrieb Uffeln: „Mir ist bewusst, dass meine Aussagen in der Vergangenheit in Bezug auf eine Wiederkandidatur sehr sprunghaft und widersprüchlich waren. Die aktuellen Ereignisse haben mich aber dazu bewogen, den Bürgerinnen und Bürger weiter dienen zu wollen.“

Eine Entscheidung, die jedoch nicht lange Bestand hatte: Mitte Mai zog Uffeln seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit wieder zurück. Privat und beruflich hätten sich seine Pläne geändert, zudem sei er „emotional nie in Steinau angekommen.“

Das liegt vor allem an dem Zerwürfnis zwischen dem Bürgermeister und der Stadtverordnetenversammlung. So hätte Uffeln nach der Hessischen Gemeindeordnung eigentlich „gezwungen“ werden können, die Amtsgeschäfte nach dem 31. Juli für drei Monate weiterzuführen. Doch das Parlament hat das abgelehnt. Bis zur Neuwahl führt daher Erster Stadtrat Arnold Lifka (BGM) das Rathaus am Kumpen.

Allzu schlechte Karten dürfte Uffeln für eine Wiederwahl jedoch nicht gehabt haben: Im September 2017 scheiterte ein Abwahlverfahren gegen den Parteilosen, das die Stadtverordnetenversammlung initiiert hatte.

Noch nicht alle Plätze besetzt: In Steinau nimmt der Wahlkampf für die Bürgermeisterdirektwahl am 1. November langsam Fahrt auf.

Die Parlamentarier wurden von den Bürgern allerdings abgewatscht. Beim Bürgerentscheid stimmten 66,6 Prozent gegen Uffelns Abwahl. Dieser hatte zuvor eine Widmung in eine Biografie über Martin Bormann, Hitlers Privatsekretär geschrieben, die er mit der Abkürzung „mF“ versah. Was auch als „Mein Führer“ gelesen werden könnte.

Zudem wurde der Adressat als „Paladin“ bezeichnet – Hitler benutzte diesen Begriff für seinen Stellvertreter Herrmann Göring. Datiert war das Ganze mit 20. April, Hitlers Geburtstag also. Über die Grenzen der Stadt hatte das für Wirbel gesorgt.

Doch die Personalie Uffeln ist nicht die einzige, die aufgrund der Verschiebung des Wahltermins in den Fokus rückt: Ursprünglich waren acht Kandidaten für die Direktwahl angekündigt, nun sind es neun. Ohne Uffeln, dafür mit Christian Zimmermann (50), Agrarmanager, parteiunabhängig. Dieser hat kurz vor Bewerbungsschluss die erforderlichen Unterstützerunterschriften eingereicht. Die Bewerbung wird, wie alle anderen auch, dem Wahlausschuss vorgelegt, der am Freitag, 4. September tagt, und darüber befindet, ob die Bewerber zur Wahl zugelassen werden.

Auch neu in der Riege der Bewerber ist Diplom-Finanzwirt Sebastian Schneider (30, parteiunabhängig). Mitbewerber, die sich bereits bis Anfang des Jahres für ihre Kandidatur entschieden, sind: Timo Jacob-da Rosa, 30, Sachgebietsleiter in der Verwaltung (SPD). Marco Thoma, 46, freiberuflicher Journalist (parteiunabhängig). Diplom-Betriebswirt Jens Knobeloch, 48, parteiunabhängig. Ralph Braun, Polizeibeamter, 47 und parteiunabhängig. Ein weiterer Polizeibeamter ist Fred-Markus Heiliger (51), ebenfalls parteiunabhängig.

Universitätsprofessor Michael Groblewski (70) tritt ebenfalls parteilos an. Anders Marcus Pauli (39): Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker wurde von der FDP vorgeschlagen, wird aber auch von der BGM und der CDU unterstützt. Die Christdemokraten stellen keinen eigenen Kandidaten.

Ob die Wahl im gewohnten Format wird stattfinden können, ist aktuell noch nicht absehbar. „Hinsichtlich der Corona-Auswirkungen liegen mir derzeit keine Informationen für Verschieben oder Ausführung als reine Briefwahl vor. Hierzu sind die Entscheidungen des Landes abzuwarten und sodann entsprechend umzusetzen“, teilt der Gemeindewahlleiter Jürgen Drechsler auf Nachfrage mit.

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