Nur im engsten Familienkreis

Trauerfeiern finden eingeschränkt statt: Wie Kirchengemeinden in der Region mit der Corona-Krise umgehen

Coronavirus - Beerdigungen
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Der Tod nimmt auf die Corona-Krise keine Rücksicht: Trauernde haben es ohne den physischen Beistand von Großfamilie, Freunden und der Gemeinde umso schwerer.

Mit der Verordnung des hessischen Innenministeriums zur Beschränkung sozialer Kontakte vom 14. März wurden vielerorts auch Trauerfeiern nicht mehr zugelassen. Mit einer Änderung vom 22. März sind auch in Zeiten der Pandemie würdevolle Trauerfeiern und Bestattungen eingeschränkt zu ermöglichen.

Dies hängt von den örtlichen Gegebenheiten des Friedhofs ab. Nach dem Erlass des Landes ist es also möglich, Trauerfeiern mit mehreren Personen abzuhalten, wenn hierbei der nötige Abstand zwischen den Teilnehmern eingehalten werden kann. Die zuständigen Behörden der Städte und Gemeinden haben nun im Einzelfall festzulegen, in welchem Umfang Trauerfeiern möglich sind.

Trauerfeier nur im engsten Familienkreis

Hierzu hat der Main-Kinzig-Kreis einige Empfehlungen zur Durchführung von Trauerfeiern und Bestattungen gegeben, die für die gesamte Dauer einer Trauerfeier gelten. Diese sollen laut Kreis im engsten Familien- beziehungsweise Freundeskreis stattfinden. Die absolute, nicht überschreitbare Obergrenze liegt im Kreis bei maximal 20 Personen, einschließlich Pfarrer, Sargträger und Personen des Beerdigungsinstituts.

Die Stadt Hanau hat die Personenzahl auf zehn begrenzt. Im Kreis dürfen Trauerfeiern nicht in geschlossenen Räumen stattfinden. Personen müssen einen Abstand von 1,5 Metern zueinander einhalten, es sei denn, sie leben in einem Haushalt. Nach Angaben des Kreises haben die Verantwortlichen (Pfarrer, Bestatter) auf die Einhaltung der Hinweise gemäß vorstehend Ziffer 1 bis Ziffer 4 zu achten.

Teilnehmer werden auf Anwesenheitsliste erfasst

Sie haben außerdem alle Teilnehmer in einer Anwesenheitsliste mit folgenden Angaben zu erfassen: Vor- und Zuname, vollständige Adresse (Wohnort, Straße, Hausnummer), Telefonnummer der gewöhnlichen Erreichbarkeit. Die Anwesenheitsliste ist für die Dauer von vier Wochen aufzubewahren und dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises auf Nachfrage sofort und vollständig auszuhändigen.

Laut Landesverordnung ist für Urnenbestattungen eine Fristverlängerung möglich; von der Bestattungspflicht von Urnen innerhalb von neun Wochen nach Paragraf 16 Abs. 1 Satz 5 FBG kann abgewichen werden. Trauerfeiern und Bestattungen für Urnen könnten generell zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Taufen und Hochzeiten werden verschoben

Während sich Taufen und kirchliche Hochzeiten meist einvernehmlich mit allen Teilnehmern verschieben lassen, fällt den Pfarrern nun bei Trauerfeiern zusätzlich die Aufgabe zu, sich mit den zuständigen Behörden abzustimmen. „Hier ist vor Ort viel abzusprechen, die Gegebenheiten sind sehr unterschiedlich. Der neue Erlass ermöglicht es, Trauerfeiern und Bestattungen anzubieten“, so Dekan Dr. Martin Lückhoff vom Kirchenkreis Hanau der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

„Oft ist es jedoch nicht allen Familienangehörigen möglich, daran teilzunehmen, sei es, weil sie lange Reisen antreten müssen oder der Risikogruppe angehören, oder weil die Beschränkungen der Personenzahl dies nicht ermöglichen.“ Die evangelische Kirche denke deshalb über ein Angebot für Trauernde nach dem Ende der Pandemie nach. 

Pfarrer sind in der Corona-Krise vermehrt als Seelsorger gefragt

Gottesdienste wie „Licht und Segen“ beispielsweise böten die Möglichkeit, auch in einem zeitlichen Abstand die eigene Trauer aufzuarbeiten. Gemeindepfarrer sind gerade jetzt und im besonderen Maße in der Seelsorge ansprechbar, halten vor allem telefonisch und per E-Mail Kontakt zur Gemeinde. Dies ist gerade für ältere Menschen wichtig, die jetzt weniger Besuche bekommen.

„Rückmeldungen zeigen, dass die überwiegende Mehrzahl der Gemeindemitglieder es mit Selbstverständlichkeit akzeptiert, dass Gottesdienste, Konzerte oder Jugendarbeit ausfallen. Pfarrern begegnet sehr viel Verständnis, auch zur Absage der Konfirmanden-Gottesdienste.“

Kirchengemeinden öffnen sich für die digitale Welt

In manchen Gemeinden sind die Kirchen zum persönlichen Gebet geöffnet, die genauen Zeiten sind jeweils ‧unterschiedlich. Gleichzeitig hält in vielen Kirchengemeinden die digitale Welt Einzug, wird als Möglichkeit bewusster wahrgenommen. „In zahlreichen Gemeinden des Kirchenkreises haben Ehrenamtliche, Pfarrerinnen und Pfarrer in den letzten Tagen intensiv daran gearbeitet, weiterhin mit ihren Gemeindegliedern in Kontakt bleiben und zusammen Gottesdienst feiern zu können. Denn gerade jetzt sind Ermutigung und Stärkung des Glaubens nötig“, so Pfarrer Martin Abraham.

So hat die Kirchengemeinde Issigheim einen eigenen Youtube-Kanal gestartet; die Kirchengemeinde Bruchköbel bietet einen Livestream des Gottesdienstes aus der Jakobuskirche an. Die Kirchengemeinde Heldenbergen produziert Andachtsvideos aus der Brückenkirche und die Pfarrer Stefan Axmann, Wolfgang Bromme und Simone Heider-Geiß sind mit „Wohnzimmer-Andachten“ online. „Diese Bezüge sind für uns neu, sie können unsere Strukturen ergänzen“, sagt Dekan Lückhoff. Das Gespräch face-to-face werde man damit aber nicht ersetzen, die Erfahrung sozialer Kontakte stelle eine unverzichtbare Grundlage dar. „Youtube ersetzt nicht die persönliche Begegnung.“

Osterfest eine besondere Herausforderung

Bis Ostern sind alle offiziellen Gottesdienste abgesagt. Das ist die Herausforderung, die man annehmen müsse, so Lückhoff. „Die Passionszeit, in der wir uns ja gerade im Kirchenjahr befinden, ist die Erfahrung, dass es ein leidfreies Leben nicht gibt. Ostern sagt uns, dass Leiden und Einschränkung nicht das letzte Wort haben, sondern eben vom Feiern, vom Osterfest abgelöst werden.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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