Prozess

Kokain im Tresor gebunkert und an Kirche gedealt: Haftstrafen für zwei Dealer

Ein junger Mann konsumiert Kokain. Symbolfoto: dpa
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Zwei Drogendealer aus dem Main-Kinzig-Kreis wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Schöneck/Nidderau/Hanau – Wegen umfangreichen Drogengeschäften mit Kokain, Marihuana und Haschisch sind zwei Dealer vom Landgericht Hanau zu Freiheitsstrafen von dreieinhalb und zweieinhalb Jahren verurteilt worden.

„Die Freiheitsstrafen hätten durchaus noch höher ausfallen können“, betont der Vorsitzende Richter Dr. Peter Graßmück in der Urteilsbegründung und verweist besonders auf die Gefährlichkeit des Kokains mit hohem Wirkstoffgehalt, das die Männer im Alter von 28 und 29 Jahren in ihrem „Geschäftsgebiet“ in Schöneck und Nidderau verkauft haben.

Polizei stellt bei Razzia Kokain und Bargeld sicher

Bei einer Razzia der Polizei waren in einem Möbeltresor in Kilianstädten 160 Gramm nahezu reines Kokain in einem Schwarzmarktwert von über 10 000 Euro sichergestellt worden. „Wir reden hier über viel Geld, Sie haben schon gewisse Rädchen in ihren Ortsbereichen gedreht“, so Graßmück, der die abgeurteilten Taten als „Spitze des Eisbergs“ bezeichnet. Das Duo soll über Monate an der Kilianstädter Kirche gedealt haben. Die illegalen Geschäfte sind jedoch unter kuriosen Umständen ans Licht gekommen: Einer der „Kunden“, der von dem Dealerduo regelmäßig mit Cannabis beliefert wurde, hat ausgepackt.

Weil er „klamm“ war, soll ihm der Kaufpreis zunächst gestundet worden sein. Danach soll einer der Angeklagten jedoch einen wesentlich höheren Betrag verlangt haben, verbunden mit der Drohung, man werde ihn „umbringen“, wenn er die Drogenschulden nicht begleicht.

Drogendealer gestehen vor Gericht

Bei einer weiteren Gelegenheit soll der Kiffer zur Begleichung ausstehender Geldforderungen geschlagen worden sein und musste sein Handy „abgeben“. Daraufhin erstattete der „Kunde“ Anzeige bei der Polizei und brachte die Ermittlungen ins Rollen. Doch dieses „kundenunfreundliche Verhalten“ fällt vor der 7. Großen Strafkammer nicht weiter ins Gewicht. Mehr jedoch, dass beide Dealer dem Rat ihrer beiden Strafverteidiger Ulrich Endres und Jonas Wohlfahrt befolgen.

Denn kurz nachdem Staatsanwalt Tobias Wolff die Anklageschrift verlesen hat, gestehen beide ihr Straftaten und machen sofort „reinen Tisch“. „Die relativ milden Strafen haben Sie ihren Strafverteidigern zu verdanken“, betont der Vorsitzende Richter.

Hauptangeklagter ist drogenabhängig

Allerdings hätten beide bereits einen „Warnschuss vor den Bug bekommen“ und diesen ignoriert. Bewährungsstrafen seien daher ausgeschlossen. „Irgendwann ist Schicht im Schacht“, betont Graßmück. Nur weil die beiden Angeklagten noch relativ jung seien, müsse ihnen neben einer spürbaren Strafe auch eine „gewisse Perspektive erhalten“ bleiben.

Vor allem deswegen, weil der selbst drogenabhängige Hauptangeklagte einen „wesentlich besseren Eindruck“ mache als im vergangenen November. Damals war er wegen eines anderen Drogenverfahrens vom Landgericht zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.

Auch Ex-Freundi9n des Drogendealers steht vor Gericht

So verhängt die Kammer neben der Gesamtfreiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren noch die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt. Außerdem dauert die Haft noch länger, weil ihm eine sechsmonatige Bewährungsstrafe widerrufen worden ist. Diese sitzt er seit August bereits ab.

Mit auf der Anklagebank sitzt am Anfang noch eine 24-jährige Frau, die ebenfalls in die Drogengeschäfte verwickelt war. Sie ist eine Ex-Freundin. Und in ihrer Wohnung steht der Möbeltresor, in dem die Drogen „gebunkert“ wurden. Sie darf den Saal früher verlassen. Mit klaren Auflagen: Die Frau muss 1200 Euro Geldbuße zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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