Main-Kinzig-Kreis

Kommentar: Die bürokratischste und sinnloseste Seite der EU

HA-Redakteur Thorsten Becker. Foto: HA

Ich mag das friedliche, vereinte und freie Europa. Doch mit Blick auf den anrollenden Führerschein-Zwangsumtausch in den kommenden Jahren stellt sich mir die ernsthafte Frage nach dem Sinn einer überbordenden Bürokratie.

Von Thorsten Becker

Haben wir wirklich keine anderen Probleme? Bislang sind wir alle mit den „Lappen“ gut gefahren. Selbst im tiefsten US-Bundesstaat Louisiana hat ein Sheriff meine 1988 ausgestellte EU-Fahrlizenz klaglos anerkannt, zumal diese bereits das Wort Führerschein in neun Sprachen beinhaltet.

Nur, weil die EU das so will, sollen alleine im Main-Kinzig-Kreis 240 000 alte Dokumente umgetauscht werden. Noch dazu sollen sie ihre unbefristete Gültigkeit verlieren, müssen also alle 15 Jahre erneuert werden. Wenigstens bleiben die erworbenen Fahrzeugklassen erhalten – sonst hätte es wohl längst einen Aufstand gegeben.

Oder etwa nicht? Es scheint, als ob der Deutsche Michel wirklich alles hinnimmt, zu den gegebenen Fristen aufs Amt dappt, um sich ein neues Plastikkärtchen ausstellen zu lassen.

Kosten sind die Krönung

Die Krönung ist, dass jeder von uns dafür auch noch 24 Euro plus Kosten für das Passbild aus dem eigenen Portemonnaie berappen soll. Das macht, nur bei den rund 240 000 Führerscheinen, die im Main-Kinzig-Kreis umgetauscht werden sollen, eine Summe von etwa 5,7 Millionen Euro – was könnte von diesem Batzen Geld im Bereich Schulen. Kindergärten, Krankenhäuser, Polizei und Feuerwehr alles verbessert werden?

Und das alles, weil die neuen EU-Führerscheine dann angeblich fälschungssicherer sein sollen. Wer's glaubt. . .

Wer soll das eigentlich kontrollieren? Die Polizei etwa, weil sie sonst nichts zu tun hat und der ab und an immer wieder Menschen ins Netz gehen, die seit Jahrzehnten überhaupt keinen Führerschein besitzen?

Noch dazu werden die seit einigen Jahren bereits ausgegebenen Plastikführerscheine ebenfalls wieder umgetauscht. Und was passiert mit den alten? Hatten wir nicht jüngst das Thema Plastikmüll auf der Agenda?

Nein, es wird Zeit, dass der deutsche Michel, der im Besitz eines unbefristet gültigen Dokuments ist, aufwacht und eben nicht alles mitmacht, was „von oben angeordnet“ wird. Vor allem wenn es so sinnlos ist wie in diesem Fall.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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