Unsere stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold äußert sich

Kommentar zu Kaminskys Kreis-Schelte: Jetzt ist nicht die Zeit für Anfeindungen

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Claus Kaminsky hat den Main-Kinzig-Kreis kritisiert.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat den Main-Kinzig-Kreis wegen dessen Informationspolitik innerhalb der Corona-Krise kritisiert. Nun bezieht unsere stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold Stellung zu dem 

Die Kreisfreiheit lässt grüßen – wieder einmal. Anstatt sich um die Sache zu kümmern, holt Hanaus Oberbürger- meister den verbalen Hammer aus der Tasche. „Das hat mit Krisenmanagement und professioneller Krisenkommunikation nichts zu tun“, lässt Claus Kaminsky am Montag via Pressemitteilung verkünden. Er bemängelt den „Informationsfluss“ zum Infektionsgeschehen in einem Frankfurter Bethaus, bei dem sich 100 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert haben, mindestens 17 davon sollen in Hanau wohnen.

Den Schuldigen für die Intransparenz hat der Oberbürgermeister längst ausgemacht: Es ist das „für Hanau zuständige Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises“. Im Unterton schwingt mit: Hätte Hanau ein eigens Gesundheitsamt, wäre alles besser. Hat es aber nicht, weil die Stadt noch nicht kreisfrei ist.

OB könne keine Daten erzwingen, da er nicht zuständig ist

Die Mitarbeiter in Gelnhausen jetzt derart vorzuführen, ist alles andere als die feine, englische Art. Die zuständige Behörde und ihre Mitarbeiter tun das, was getan werden muss: Sie machen Kontaktpersonen ausfindig und überwachen die Einhaltung von Quarantäne-Auflagen, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen und die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. In den zurückliegenden zwölf Wochen lief das sehr gut und in enger Abstimmung mit den 29 Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis.

Unsere stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold

Der OB kann, auch wenn er das gern hätte, keine Daten vom Kreisgesundheitsamt erzwingen, denn er ist nicht zuständig. Dass er Gelnhausen, Frankfurt und dem zuständigen Ministerium in Wiesbaden jetzt öffentlich „Versäumnisse“ verwirft, ist mehr als frech.

Schweigen ist Gold

Politiker haben in Zeiten wie diesen auch die Aufgabe, ruhig und besonnen zu handeln, statt zum Angriff zu blasen. Als im Klinikum vor wenigen Wochen nach einem Todesfall in Folge von COVID 19 mehr als 70 Mitarbeiter (intern werden deutlich höhere Zahlen gehandelt) in Quarantäne mussten, war der Kreis mit „seinem“ Gesundheitsamt gut genug als Helfer und um Ärzte und Personal zu schicken. Die Verantwortlichen in Gelnhausen haben sich nicht in die Öffentlichkeit und die sozialen Medien begeben und mit dem Finger auf Hanaus OB und die Mitarbeiter im Klinikum gezeigt. Warum? Weil sich das nicht gehört. Und weil es die Verunsicherung in der Bevölkerung nicht kleiner, sondern größer macht. Reden ist manchmal eben doch nur Silber – und Schweigen Gold.

Den Bericht finden Sie hier.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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