Main-Kinzig-Kreis

Kommentar Kreistag und Kreisfreiheit: Beschlossen - oder nicht?

Stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold. Foto: HA

Die Kreistagsmitglieder haben gestern ein neues Kapitel des Buchs Kreisfreiheit Hanau aufgeschlagen. Es wird Verhandlungen geben. Ausgang offen.

Von Yvonne Backhaus-ArnoldWer allerdings die nüchtern-sachliche Rede von Landrat Thorsten Stolz verfolgt hat, kann das auch anders hören. Ausgang eigentlich schon beschlossen. Die Kreisfreiheit kommt, weil Hanau das so möchte – politisch getragen, fraktions- und parteiübergreifend – und der Kreis der Brüder-Grimm-Stadt keine Steine in den Weg legen will. Wie harmonisch . . . Der Landrat beschwört die Stärke des Main-Kinzig-Kreises, die man jetzt auch an den Verhandlungstisch bringen will und muss.

Auch Michael Reul und seine CDU haben eine 180-Grad-Wende vollzogen, wollen jetzt sogar auf die Tube drücken, um Hanaus Wunschtermin 1. April 2021 einhalten zu können – immerhin muss das Land hierzu noch ein Gesetz verabschieden.

CDU und SPD im Kreistag wissen, dass die Zeit gegen Hanau läuft. Werden die Fristen nicht eingehalten, müsste die Brüder-Grimm-Stadt fünf weitere Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl warten. Dann wäre zwar viel Geld ausgegeben und Zeit investiert worden – allerdings ohne Ergebnis.

Am Ende bleibt eine ganz simple Frage: Was bringt die Kreisfreiheit? Für Hanau? Für die übrigen 28 Städte und Gemeinden? Für den Kommunalen Finanzausgleich und damit für ganz Hessen? Wo liegen die Vorteile? Vor allem die letzte Frage kann bisher niemand beantworten, und sie blieb auch im Kreistag unbeantwortet – vielleicht, weil es keine Vorteile gibt. Gestern wäre die Chance gewesen, sich genau das einzugestehen und den Ball (erst mal) ans Land zu geben, wo am Ende ohnehin die Entscheidung getroffen wird.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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