Main-Kinzig-Kreis weit entfernt von der Infektions-Obergrenze

Landrat Stolz warnt vor leichtsinnigem Verhalten bei Corona-Lockerungen

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Abstand halten bleibt das oberste Gebot in der Corona-Krise. Daran ändern auch die ersten Lockerungen nichts.

„Wir alle haben es selbst in der Hand, mit dem nächsten Schritt der Lockerungen im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben verantwortungsvoll umzugehen und damit mittelfristig weitere Schritte folgen zu lassen“, erklärt der Kreis in einer Mitteilung.

Die angekündigten Lockerungen des Bundes und der hessischen Landesregierung, etwa für das Gastgewerbe oder den Bereich der Schulen, hat der Main-Kinzig-Kreis in dieser Woche schon zum Anlass genommen, seinerseits die nächsten Schritte vorzubereiten.

Gleichwohl fordert die Kreisspitze die Bürger weiter zur Vorsicht auf. Landrat Thorsten Stolz bringt es auf den Punkt: „Die Aufhebung von weiteren Beschränkungen darf nicht zu leichtsinnigem Verhalten führen. Weiter Abstand halten, die noch bestehenden Kontaktbeschränkungen beachten und gegenseitige Rücksichtnahme im Alltag müssen weiter das Gebot der Stunde sein.“

Lockerungen könnten wieder zurückgenommen werden

Der Landrat macht deutlich, was die zwischen Bund und Ländern vereinbarte sogenannte „Notbremse“ für den Main-Kinzig-Kreis bedeuten würde. Das Tempo der Lockerungen könne regional wieder gedrosselt werden, sollten die Infektionszahlen an bestimmten Orten in die Höhe steigen. Der Wert liegt bei 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in den zurückliegenden sieben Tagen.

„Die neue Regelung auf die 420 000 Einwohner unseres Kreises übertragen bedeutet konkret, dass ab einer Zahl von 210 Neuinfektionen in einer Woche eine Reihe von bisherigen Lockerungen zurückgefahren und erneut Beschränkungen umgesetzt werden müssen“, erklärt Stolz.

Kreis bisher weit entfernt von der Infektions-Obergrenze

Diese Grenze liege schon relativ hoch, wenn man sich vergegenwärtige, dass sie selbst in der Zeit mit den höchsten Neuinfektionen im Main-Kinzig-Kreis nicht annähernd erreicht worden sei. „In der ersten Aprilhälfte hatten wir mal einen Wert von 110 Infizierten pro 100 000 Einwohnern. Es muss unser aller Ziel sein, gerade mit Rücksicht auf unser Gesundheitssystem weit unterhalb der Marke von 210, besser noch von 110 zu bleiben“, so Stolz. 

Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler spricht angesichts der zurückgehenden Zahlen an Neuinfektionen zwar von einer „Verschnaufpause“, will den Inzidenz-Wert von 50 Fällen je 100 000 Einwohner in einer Woche aber nicht als Startpunkt für ein Gegensteuern verstanden wissen. „Wir sehen, dass die erste Phase der Corona-Pandemie hinter uns liegt. Aber das Virus hat sich nicht verändert. Es kann sich rasant in Einrichtungen ausbreiten, es kann sich bei Menschenansammlungen stark verbreiten und es bleibt insbesondere für die ältere Generation und Vorerkrankte genauso gefährlich wie am Anfang der Pandemie“, erklärt die Erste Kreisbeigeordnete.

Ansteckungswege müssen frühzeitig nachvollzogen werden

Entscheidend, so Simmler, bleibe ein frühzeitiges Eindämmen, wo immer ein Ansteckungsweg für das Virus anzunehmen ist. Das sei im Main-Kinzig-Kreis weitgehend gelungen. „Die Strukturen auf kommunaler Ebene waren robust und so flexibel wie notwendig. Wir haben durch die enge Zusammenarbeit aller auch teilweise neue Strukturen aufbauen und dieser Pandemie bisher gut trotzen können.“

Wichtig ist nach Ansicht der Ersten Kreisbeigeordneten, dass man sich immer das Geschehen vor Ort individuell anschaue, gerade in Kliniken und in Pflegeheimen. „Wir werden uns an den Gedanken der Ungleichzeitigkeit gewöhnen müssen, sowohl was das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer angeht als auch die Situation, dass das Gesundheitsamt eine stationäre Einrichtung unter Quarantäne setzen muss, während sich wenige Meter entfernt wieder Menschen in Restaurants, Geschäften und Schulen begegnen“, so Simmler.

Die Bürger müssten noch lange mit dieser Situation leben und alles dafür tun, sich und andere zu schützen, „aber wir sind eben auch gut aufgestellt, sollten sich die Fallzahlen wieder verändern und wir situationsgerecht handeln müssen“.

Täglicher Austausch mit den Schulen im Main-Kinzig-Kreis

Schuldezernent Winfried Ottmann hat die Hinweise zum Bereich Schulen, wonach weitere Jahrgänge bis hinunter zu den vierten Klassen wieder den Unterricht aufnehmen sollen, in seine Gespräche einfließen lassen, die er auch am Donnerstag mit Akteuren rund um das Schulwesen geführt hat.

„Wir sind täglich im Austausch mit dem Staatlichen Schulamt, Schulleitern und der KreisverkehrsGesellschaft, um offene Fragen zu klären und uns auf das weitere Hochfahren des Unterrichtsbetriebs einzustellen. Aber wir können nicht alles zum jetzigen Zeitpunkt klären, so lange die genauen Vorstellungen und Auflagen des Landes nicht bekannt sind“, sagt Ottmann.

Einheitliches Konzept bei Schulöffnungen sinnvoll

Der Kreis sei beispielsweise offen für eine Art Schul-Schichtbetrieb in verschiedenen denkbaren Formen. Auch die KVG hatte hier Flexibilität signalisiert. Schwierig werde es aber, so Ottmann, wenn jeder einzelne Schulstandort ein höchst individuelles Konzept aufsetze und als unverrückbar vorlege. In der kommenden Woche werde es ein weiteres Gespräch mit Schulleitern aus dem Main-Kinzig-Kreis geben, in denen notwendige weitere Schritte und Vorschläge miteinander abgestimmt werden, so Ottmann.

Die Kreisspitze erwartet nun einen zeitnahen und aussagekräftigen Fahrplan in Hessen und die konkrete inhaltliche Ausgestaltung der vereinbarten Themen und Handlungsfelder. „Meine Erwartungshaltung ist die, dass das Land Hessen die Zeit seit der letzten Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin genutzt hat, um sich in grundlegenden Fragen und Themen zu positionieren, damit wir vor Ort und ebenso die Rathäuser, Ordnungsämter, Kitas und Schulen verbindliche Aussagen treffen können, was geht oder was eben auch nicht geht. Das erwarten die Bürger von uns.“ jow

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