Selbolder Senior mit dem Fahrrad über die Alpen

Der 84-jährige Dr. Hugo Eysel bewältigt in acht Tagen 500 Kilometer

Am Ziel: Im italienischen Grado endete für Dr. Hugo Eysel und seinen Enkel Philipp die Alpenüberquerung.
+
Am Ziel: Im italienischen Grado endete für Dr. Hugo Eysel und seinen Enkel Philipp die Alpenüberquerung.

Wenn Opa und Enkel auf dem Fahrrad die Alpen überqueren, dann haben beide sehr, sehr viel Spaß. Das kann zumindest der Selbolder Dr. Hugo Eysel von seiner Tour berichten.

Langenselbold – „Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, haben in den Pausen und abends zusammengesessen. Ich habe sehr viel von den Gedankengängen der 18-Jährigen erfahren. Wir haben über Gott und die Welt geredet und sehr viel gelacht“, erzählt Hugo Eysel. Für den 84-Jährigen waren die Gespräche mit seinem Enkel Philipp mindestens ebenso wertvoll und spannend wie die sportliche Herausforderung: Den Alpe-Adria-Radweg Salzburg-Grado innerhalb einer Woche zu bewältigen.

2020 fuhr er mit dem älteren Enkel mit dem Motorrad zum Nordkap

Zur Vorgeschichte der Alpenüberquerung mit dem Fahrrad gehört, dass Eysel im Sommer 2020 mit seinem älteren Enkel eine Motorradtour zum Nordkap gefahren ist (wir berichteten). Danach meldete sich der jüngere Enkel: „’Ich will auch ein Abenteuer erleben.’ Wir haben lange überlegt, bis ich schließlich bei meiner Internetsuche auf den Alpe-Adria-Radweg gestoßen bin. Für diese Tour konnten wir uns beide begeistern“, so Eysel.

Eine Reihe von schweren Anstiegen lag auf der Strecke, die von dem Duo bewältigt werden musste.

Der länderübergreifende Alpe Adria Trail oder auch Ciclovia Alpe Adria führt in acht Tagesetappen von Salzburg nach Grado. Der Radweg verbindet Abschnitte bestehender Radwege und verläuft teilweise auf stillgelegten Bahnstrecken.

Nur einige Teilstrecken wurden neu gebaut, um eine Alpenüberquerung mit dem Rad zu ermöglichen. So radelt man durch eindrucksvolle Landschaften zum Beispiel auf dem Salzach-Radweg, dem Glockner-Radweg oder dem Tauernradweg. Ausgeschildert sind die Wege zusätzlich mit dem grün-blauen Logo des Alpe Adria Trails.

Start in Salzburg

Die Route verläuft von Salzburg aus durch das Salzach- und Gasteinertal über Bischofshofen nach Bad Gastein. Sie quert den Nationalpark Hohe Tauern nach Spittal an der Drau und führt weiter nach Villach. Entlang der Julischen Alpen im Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien erreicht man am fünften Abend das italienische Tarvisio. Dann sind es noch drei Tage bis zum Ziel: Nach Übernachtungen in Venzone und Udine radelt man nach achten Tagen im Sattel in Grado ein.

Natürlich blieb bei der Tour genügend Zeit, um am Wegesrand die Schönheit der Natur genießen zu können.

Ungefähr 500 Kilometer haben Hugo Eysel und sein Enkel Philipp vom 9. bis 16. September zurückgelegt. Vor der Tour haben die beiden einen Tag lang mit den Rädern Salzburg besichtigt, sehr viel schneller und intensiver als mit jedem anderen Verkehrsmittel, so Eysel. Richtig ernst wurde es dann am zweiten Tag auf dem Anstieg nach Bad Gastein. „Selbst mein durchtrainierter Enkel war hier kurz vorm Absteigen. Aber dann hat er die Zähne zusammengebissen.“

Viele landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten

Philipp fuhr ein Mountainbike ohne E-Antrieb, Hugo Eysel verzichtete auf diese Unterstützung nicht. Zum Ausgleich hatte er etwas mehr Gepäck aufgeladen. Auch durch die Tauern galt es, einige schwere Anstiege zu bewältigen. „Wir haben uns nie übernommen, wir haben Pausen gemacht und immer genügend getrunken. Wenn die Zeit gereicht hat, sind wir von der Route abgewichen.“ Entlang des Trails gibt es jede Menge landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, die in der Neuauflage des Alpe-Adria-Radweg Führers gut beschrieben sind: Wasserfälle und Schluchten, Kirchen, Museen und vieles mehr.

Einen Regentag mussten die beiden auf ihrer Tour überstehen. Während Hugo Eysel unter seinen Regensachen ins Schwitzen kam, klapperte Philipp am Ende des Tages mit den Zähnen. „Die Unvernunft der Jugend“, meint Eysel. „Ich glaube, er wird es nicht wieder machen.“ Die heiße Dusche tat an diesem Abend besonders gut.

Zum Teil durch unbeleuchtete Tunnels

„Die letzte Etappe auf den stillgelegten Eisenbahntrassen war zum Teil recht gefährlich“, erinnert sich der Langenselbolder. „Die Tunnel waren oft lang, unbeleuchtet und eisekalt. Wenn wir aus dem hellen Licht dort hineingefahren sind, waren wir praktisch blind. Selbst mit Licht hatten wir keine Zielorientierung. Und ab und zu kamen uns Mountainbiker ohne Licht entgegen.“

Mit Ausnahme eines Regentags hatten Hugo Eysel und sein Enkel gutes Wetter auf dem Alpe-Adria-Radweg.

Bis zum Abend haben die Tourenfahrer immer ihre Unterkunft erreicht. „Die Zimmer waren alle vorgebucht, die ganze Tour durchgeplant“, so Eysel. Schon alleine aufgrund der Corona-Auflagen war das gar nicht anders möglich. „Interessant war, wie unterschiedlich die Länder mit der Situation umgehen. In Österreich gelten die 3G-Regeln. Man muss in jedem Hotel oder Restaurant ein Zertifikat vorzeigen. Dafür kann man sich dann ohne Maske bewegen. In Italien hingegen wird nicht nachgefragt. Stattdessen gilt überall Maskenpflicht. Am Frühstücksbüfett kann man sich nicht selbst bedienen, sondern muss von Ferne zeigen, was man gerne essen möchte.“ Hugo Eysel hat die Regelung in Österreich als angenehmer empfunden.

Insgesamt war es eine überaus bereichernde Alpenüberquerung. Zurück nach Salzburg ging es nicht per Rad, sondern mit einem organisierten Shuttle.

„Alles ist gut gegangen: keine Panne, kein Sturz. Und ich habe an Gewicht verloren, obwohl wir jeden Abend gut gegessen haben.“ Keine Frage, dass der Langenselbolder nach dieser überaus positiven Erfahrung schon wieder über eine neue Fahrradtour nachdenkt.

Infos zur Route

Nähere Informationen zu der Alpenüberquerung mit dem Fahrrad finden sich auf der Internetseite www.alpe-adria-radweg.at/de/

Von Ulrike Pongratz

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare