Ab „Ins Dippsche“

Nach Hanau und Gelnhausen bekommt auch Langenselbold bald einen Unverpackt-Laden

Der perfekte Standort: An der Ringstraße haben die Inhaberinnen die richtigen Räumlichkeiten für ihren Unverpackt-Laden „Ins Dippsche“ gefunden.
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Der perfekte Standort: An der Ringstraße haben die Inhaberinnen die richtigen Räumlichkeiten für ihren Unverpackt-Laden „Ins Dippsche“ gefunden.

Sie heißen „Die Auffüllerei“, „mittendrinn“ „natürlichfrei“ oder „gramm.genau“. Unverpackt-Fans wissen gleich, dass es sich um ebendiese Läden handelt, die vereinzelt in unserer Region zu finden sind. Direkt im Main-Kinzig-Kreis haben bisher zwei Läden in Gelnhausen und Hanau geöffnet. Demnächst kommt in Langenselbold ein Dritter hinzu.

Langenselbold – Beatrice Matz und Kerstin Friedemann sind die Inhaberinnen und haben ihrem Laden einen griffigen und regional authentischen Namen gegeben: „Ins Dippsche-Unverpackt GmbH“. Kurz: „Ins Dippsche“. Der Name ist naheliegend, denn die Produkte werden in Töpfe, Gläser und Schalen gefüllt, die in Hessen bekanntlich „Dippsche“ genannt werden.

Matz und Friedemann kennen sich bereits viele Jahre, haben beide langjährige Erfahrung im Einzelhandel gesammelt und waren eine Zeit lang sogar Kolleginnen. Die Arbeit im Einzelhandel war es auch, die sie auf die Idee eines Unverpackt-Ladens brachte. „Die Verpackungen im Einzelhandel sind eine ganze Menge“, erzählt Matz. „Da gibt es nicht nur die Verpackungen, die die Kunden im Laden sehen, sondern es fällt auch viel Müll bei der Anlieferung an.“

Beatrice Matz hatte die Idee schon länger

Matz war es auch, die sich schon lange Gedanken über Alternativen zum großen Supermarkt machte. „Ich wohne in Neuenhaßlau und habe darüber nachgedacht, wie schön es wäre, einen kleinen Dorfladen zu haben, so wie früher, in dem es Milch, Brot und Dinge des alltäglichen Bedarfs gibt, die vorzugsweise aus der Region kommen.“

Ihre Idee wurde konkreter, als eine Bekannte ihren Friseursalon zur Vermietung inserierte. „Da begann ich, mich genauer zu informieren, wie teuer die Miete wäre und was alles bei einem eigenen Laden beachtet werden muss“, erinnert sich die 37-jährige Mutter zweier Kinder und fügt hinzu: „So kam der Stein ins Rollen.“

Sie begann, sich mit Freunden auszutauschen und Ideen zu sammeln, welches Konzept sinnvoll wäre. Vor eineinhalb Jahren stand es dann fest: Es soll ein Unverpackt-Laden werden.

Ehemalige Kollegin Kerstin Friedemann angesprochen

Sie sprach ihre ehemalige Kollegin Friedemann an, ob diese sich vorstellen könne, mit ihr gemeinsam den Laden zu betreiben. Da die 53-jährige Mutter von vier erwachsenen Kindern insgeheim auch schon länger von einem eigenen Laden geträumt hat, war sie sogleich mit im Boot.

„Es hat generell ein Umdenken im Bezug auf Ernährung, regionale Produkte und Nachhaltigkeit stattgefunden“, sagt Friedemann. „Beim ersten Lockdown war die Sorge vieler Leute groß, bestimmte Lebensmittel und Hygieneartikel nicht mehr zu bekommen. So hat nicht zuletzt die Pandemie gezeigt, dass es wichtig ist, einen regionalen Händler in der Nähe zu haben.“

Die Inhaberinnen sehen generell einen dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Müllvermeidung. Hier seien alle Beteiligten gefragt: Hersteller, Händler und Verbraucher.

Stück für Stück nimmt der Laden von Beatrice Matz und Kerstin Friedemann (links) Gestalt an.

Umso mehr freut es die beiden, dass sie im Verband der Unverpackt-Läden gut aufgenommen worden sind. „Wir haben zunächst einen Online-Kurs im Original Unverpackt-Laden in Berlin besucht. Dann sind wir durch ganz Deutschland gefahren und haben uns die Konzepte verschiedener Unverpackt-Läden angeschaut“, berichtet Merz und Friedemann fügt hinzu: „Der Verein gibt bei Neugründungen viel Starthilfe. Generell arbeitet der ganze Verband sehr kollegial und freundschaftlich. Es besteht kein Konkurrenzkampf.“

Positive Reaktion von regionalen Produzenten

Auch die Landwirte und regionalen Produzenten hätten durchweg positiv auf die Anfragen reagiert, ob das Interesse bestünde, die Produkte im Sortiment von „Ins Dippsche“ aufzunehmen. „Eier und Nudeln kommen beispielsweise vom Hofgut Marjoß und der Honig aus Erlensee“, berichtet Matz.

Doch die Produktpalette ist viel größer. Getreide, Nüsse, Müsli und vieles mehr werden in sogenannten Bins angeboten, aus denen sich die Kunden individuelle Mengen in die eigenen Gefäße abfüllen können. Wer kein Gefäß dabei hat, kann im Laden eines kaufen.

Auch Flüssigkeiten wie Seifen, Zahnpasta, Waschmittel und Öl wird es genauso wie Kaffee unverpackt geben. Im Sortiment sind auch plastikfreie Hygieneartikel wie Zahnbürsten und Rasierer sowie Haushaltsartikel zu finden.

„Damit wir keinen Verpackungsmüll bei der Anlieferung haben, können wir über den Verband direkt auf die Hersteller zugehen. Die Produkte werden in Mehrweg-Verpackungen geliefert, die wir dann spülen und bei der nächsten Lieferung zurückgeben können“, erklärt Matz das Konzept. Genug Platz für den Verkaufsraum, Spülküche mit Lagerraum, Büro, einer Kaffee-Ecke sowie ausreichend Parkplätze bietet der seit mehreren Jahren leer stehende, 170 Quadratmeter große Laden an der Ringstraße 28.

Mitte März soll es losgehen

„Im März vergangenen Jahres haben wir mit den Renovierungen begonnen“, berichtet Matz. Auch bei der Ausstattung haben die Ladeninhaberinnen die Prinzipien der Nachhaltigkeit einbezogen und auf natürliche Materialien wie Holz gesetzt. Für die Renovierungen und die Ausstattung wurden nur Handwerker aus der Region beauftragt, wie beide ausdrücklich betonen.

Auch das Hygienekonzept steht bereits fest. „Wie in allen anderen Läden auch werden die Hände desinfiziert und es müssen entsprechende Masken getragen werden“, erklärt Friedemann. „Die Lebensmittel sind in Gefäßen, sodass die Kunden keinen Kontakt mit den Produkten haben. Generell haben wir als Unverpackt-Laden ein selbstauferlegtes strengeres Hygienekonzept als ein normaler Supermarkt. So kommen Lebensmittel, die berührt wurden und dann doch nicht gekauft werden, nicht mehr in den Verkauf.“

Der genaue Eröffnungstermin steht noch nicht fest, da es coronabedingt zu einigen Verzögerungen kam. Geplant ist aktuell die Eröffnung Mitte März.

Einige Selbolder können es kaum erwarten

Einige Langenselbolder scheinen sich schon sehr auf den Laden, der „eine alte, aber hochmoderne Form des Einzelhandels ist“, zu freuen, erzählt Merz. „Wir haben vor Kurzem das Ladenschild angebracht und jemand hat es gleich in der Langenselbolder Facebook-Gruppe gepostet. Wenig später hatten wir über 300 Likes und Follower auf unserer Facebookseite und ein durchweg positives Feedback.“

Dass Beatrice Matz aus Neuenhaßlau und Kerstin Friedemann aus Meerholz sich in ihrem Langenselbolder Laden wohlfühlen werden, scheint außer Frage zu stehen.

» ins-dippsche.de

Von Patricia Reich

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