Corona-Krise

Notbetreuung mit wenigen Kindern: Erzieher haben nun Zeit für andere Dinge

+
Tatkräftige Unterstützung: die zehnjährige Nova aus dem Hort wird zurzeit in der Kita „Pusteblume“ nicht nur betreut, sondern hilft Marion Juraschek auch beim Kochen.

Nicht nur die Schulen, sondern auch die Kindertagesstätten und Tagespflegeeinrichtungen sind seit diesem Montag wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Bisher sind es jedoch Eltern aus nur wenigen Berufsgruppen, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen können.

Diese Berufe werden im Technokraten-Deutsch als „systemrelevant“ bezeichnet. Dazu zählen Polizisten und Ärzte sowie weitere Berufe im medizinischen Bereich sowie Personen, die im Pflegebereich, im Justizvollzug oder bei hauptamtlichen Rettungsdiensten tätig sind. 

Derzeit bestehen beim Main-Kinzig-Kreis aber Überlegungen, den Personenkreis zu erweitern. Bisher jedoch sind es nur wenige Kinder, die in die Notbetreuung aufgenommen wurden. In der Kita „Pusteblume“ in Langenselbold ist es mit der zehnjährigen Nova sogar nur ein Kind, das normalerweise den Hort der Einrichtung besucht. 

Doch was machen die Erzieherinnen in den Kitas, wenn es bis dato noch so wenige Kinder gibt, die sie betreuen können? „In den vergangenen Monaten ist vieles liegen geblieben“, berichtet Bärbel Kaltschnee. „Wir müssen aus der Situation jetzt einfach das Beste machen“, so die Leiterin der Kita „Pusteblume“ bei unserem Besuch in der Betreuungseinrichtung. Wie auch in den anderen Kitas der Stadt Langenselbold hat sie sich am Montagmorgen mit ihren Kolleginnen zusammengesetzt und für diese Woche eine „To do“-Liste erstellt. Keller aufräumen, Rasen einsäen, Portfolio-Arbeit und die Bücherei sortieren: all das steht auf dieser Liste, genauso wie die Grundreinigung und das umfangreiche Aufräumen in den einzelnen Gruppenräumen sowie im Hort-Bereich. 

Wann der normale Alltag auch in die Kita „Pusteblume“ zurückkehren wird, ist derzeit noch völlig ungewiss.

Auch im Garten kann nun so einiges wieder auf Vordermann gebracht werden, wozu im normalen Kita-Alltag keine Zeit ist – da dort, wie auch in anderen Kitas, ein permanenter Personalmangel vorherrscht. Im ganzen Haus verteilt, sind die Erzieherinnen damit beschäftigt, Spielzeug und Bücher aufzuräumen und zu sortieren. Damit verbunden ist auch gleich eine Bestandsaufnahme. So hat Anja Stadelmann bei der Durchsicht des Buchbestandes ein Kinderbuch gefunden, das in sage und schreibe sechsfacher Ausführung vorhanden ist. Und bei den Sandspielzeugen findet sich die eine oder an

Nutzen die Zeit der Notbetreuung, um angefallene Arbeiten im Außenbereich der Kita „Pusteblume“ zu erledigen: Erzieherin Magareta Kozlowski (links) und Kita-Leiterin Bärbel Kaltschnee.

dere Kinderschubkarre, an der bereits so manche Ecke abgebrochen ist. Da die Küchenfrau zurzeit wegen einer normalen Erkältung nicht arbeiten kann, wird selbst gekocht. Die zehnjährige Nova, die normalerweise den Hort besucht und nun die Notbetreuung nutzen darf, hilft gerne mit, wenn Erzieherin Marion Juraschek das Mittagessen für die Kolleginnen zubereitet. 

Wann der normale Alltag auch in die Kita „Pusteblume“ zurückkehren wird, ist derzeit noch völlig ungewiss. „Wir haben jetzt mindestens noch zwei Wochen lang mit dem Aufräumen sowie kleineren Reparaturen zu tun. Jedoch fehlen uns die Mädchen und Jungen im Kindergarten schon sehr“, kann sich Bärbel Kaltschnee so gar nicht an die gerade erst begonnene Ausnahmesituation gewöhnen. Aber das geht derzeit keineswegs nur der Leiterin der Selbolder Kita so.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare