Langenselbold

30 Jahre Hausmeister: KKS ist sicher wie Fort Knox

Der Langenselbolder Kurt Wagner hat seinen Beruf fest im Griff. Der Hausmeister der Käthe-Kollwitz-Schule ist nach über 30-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand gegangen. (Foto: Kleine-Rüschkamp)

Langenselbold. Kurt Wagner war Hausmeister der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold. In seinen Dienstjahren hat er einiges erlebt, unter anderem hat er zahlreiche Lehrer „befreit“. Nach über drei Jahrzehnten ist er nun in den Ruhestand gegangen.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

„33 Jahre will keiner Fotos von mir haben. Jetzt kommen sie alle an.“ Kurt Wagner wundert sich schon ein bisschen. Ein Hausmeister ist schließlich kein Promi. Über drei Jahrzehnte war er aber die gute Seele der Langenselbolder Käthe-Kollwitz-Schule. Zum Jahresanfang ist er in den Ruhestand gegangen. Und weil ein Hausmeister einer großen Schule so einiges erlebt, ist es natürlich sehr interessant, ihm zuzuhören.

Kurt Wagner ist zum Beispiel der Mann, der unzählige Lehrer aus einer misslichen Situation befreite. So mancher Pädagoge hatte sich nämlich schlauerweise gedacht, dass man vielleicht nach Schulschluss, am Wochenende oder an Feiertagen noch schnell etwas erledigen kann. Rein sind sie schon in die Schule gekommen. Raus ging es aber nicht mehr, weil die Schule über eine zentrale Schließanlage verfügt. Dringt nämlich jemand außerhalb der offiziellen Zeiten in das Schulgebäude ein, werden die Schlösser automatisch von innen verriegelt. Und man sitzt in der Falle.

Fast so sicher wie Fort Knox

Diesem Einbrecherschutz beziehungsweise Einbrecherfang sind so diverse Lehrer zum Opfer gefallen. „Die haben dann sonntags bei mir angerufen und um ihre Freilassung gebettelt“, schmunzelt Wagner.

Für den Schlüsseldienst ist natürlich ein Hausmeister nicht in erster Linie zuständig. Aber auf diesem Gebiet ist er ein Fachmann. Sein Arbeitgeber, der Main-Kinzig-Kreis, hat den gelernten Elektromechaniker nämlich auch als Sicherheitsbeauftragten auserkoren. Und weil sich der Spezialist eben mit Alarmanlagen auskennt, ist die „Käthe“ fast so sicher wie Fort Knox, jenem Lager für die riesigen Goldreserven der Vereinigten Staaten in Kentucky.

Schließanlage bleibt scharf

Wagners freundliche Art und sein Humor wird nun an der KKS vermisst. Der Nachfolger hat bereits seinen Dienst aufgenommen. Auch wenn der Neue von einem anderen Handwerksberuf kommt und weniger einer Spezialist für Sicherheitstechnik ist, sollte sich aber niemand vom Kollegium zu früh freuen, dass man rund um die Uhr in der Schule arbeiten kann. Die Schließanlage bleibt scharf, auch wenn der gebürtige Langenselbolder in den Ruhestand gegangen ist.

Auch wenn der 63-Jährige seiner Tätigkeit nachtrauert, freut er sich darauf, dass er nicht mehr für den Winterdienst auf dem riesigen Schulareal verantwortlich ist. Um fünf Uhr hieß es dann stets bei tüchtigem Schneefall für Wagner, der noch einen anderen Hausmeister-Kollegen an der Schule hat, das Schulgelände, die vielen Wege und den Busbahnhof frei zu räumen. Dass nun zu nachtschlafender Zeit ein Gelände von mehreren tausend Quadratmetern in schweißtreibender Arbeit sturzsicher gemacht werden muss, das bleibt nun Wagner künftig erspart. Und auch das Rasenmähen erledigt sich nicht von allein: Von dem Grün gibt es ja rund um die „Käthe“ reichlich. Nicht alles kann mit Maschinen erledigt werden. Es hat alles auch etwas Gutes, Verantwortung abzugeben. Der Katzenliebhaber und Fußball- und Handballfreund, der beispielsweise zuletzt bei den Alten Herren der Spielvereinigung 1910 Langenselbold gespielt hat, bevor dann „die Knie“ nicht mehr so mitmachten, hat zahlreiche Pläne für den Unruhestand, in dem ihm bestimmt nicht langweilig werden wird.

Arbeitsfeld ändert sich

Ein Hausmeister hat heute deutlich mehr Arbeitsfelder zu betreuen als früher. Weil mehr Zeit für administrative Tätigkeit und die wesentlich aufwendigere Technik drauf geht, bleibt natürlich für andere Gebiete weniger Zeit. So bedauert Wagner, dass heute viel weniger Zeit ist, mit den Schülern in Kontakt zu sein.

„Früher haben wir noch die Schulmilch selbst ausgeben“, erinnert er sich. Wenn ein Junge nicht bezahlen konnte, hat man ihm vertraut, dass er das Geld selbstverständlich unaufgefordert nachreichte.

War dies nicht der Fall, hat sich der Hausmeister das natürlich gemerkt und ist dann „pädagogisch“ tätig geworden. Dass man Schulden bezahlen muss, hat er den blutjungen Schuldnern dann schon mal klar gemacht.

Gute Kontakte sind wichtig

So hat Wagner auch dazu beigetragen, Kindern die Grundtugenden des Zusammenlebens beizubringen. „Der merkt das schon nicht“, mochte so mancher Junge gedacht haben. Doch Wagner hat ein exzellentes Gedächtnis.

Sein Arbeitszimmer, das er mit einem Kollegen geteilt hat, ist an einer Wand mit Dutzenden von Visitenkarten geschmückt. Das sind Karten von Handwerkbetrieben.

Da ein Hausmeister einer großen Schule für das Funktionieren der gesamten Gebäudetechnik verantwortlich ist, braucht man gute Kontakte zu Handwerkern, die flugs kommen, wenn man sie braucht. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man in einer Notsituation hängen gelassen wird.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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