Verstoß gegen Corona-Verordnung auf Selbolder Bolzplatz

Fußballspiel mit teuren Folgen: Acht Jugendliche müssen Bußgeld zahlen

Auf diesem Bolzplatz hatten die acht 14- und 15-jährigen Jungs am 4. Februar Fußball gespielt, ehe die von einem Anwohner alarmierte Polizei erschien.
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Auf diesem Bolzplatz hatten die acht 14- und 15-jährigen Jungs am 4. Februar Fußball gespielt, ehe die von einem Anwohner alarmierte Polizei erschien.

Die Corona-Zahlen sinken seit Wochen kontinuierlich und damit einher gehen die Lockerungen der Einschränkungen. Dies sah im Februar ganz anders aus, als es aufgrund der zu dieser Zeit gültigen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung nur erlaubt war, sich „im öffentlichen Raum alleine, mit den Angehörigen des eigenen oder eines weiteren Hausstandes bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Personen“ aufzuhalten.

Langenselbold – Entsprechend verstießen acht Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren aus sechs Haushalten, die am 4. Februar auf dem Bolzplatz des Thermo-Fisher-Stadions Fußball spielten, gegen die damals gültige Rechtsverordnung, wie der Main-Kinzig-Kreis auf Anfrage erläuterte. Dieser hatte nach der Anzeige durch die Polizeistation Hanau II ein Bußgeld von je 200 Euro gegen die acht Jungs verhängt.

Eltern eines der beteiligten Jungs halten Bußgeld für unverhältnismäßig

Dies hält das Selbolder Ehepaar Ruth und Dirk Hohage nicht für verhältnismäßig. Sie sind die Eltern eines 15-Jährigen, der bei diesem Fußballspiel dabei gewesen ist, und haben sich nach Eingang des Bußgeldbescheids an uns gewandt. Sie berichten wie folgt über den Vorfall: „Nach vielen Wochen schlechten Wetters und überstandener häuslicher Quarantäne hat sich unser 15-jähriger Sohn am 4. Februar mit einem gleichaltrigen Freund zum Fußballspielen auf dem geöffneten und zugänglichen Sportplatz in Langenselbold verabredet. In Anbetracht der frühlingshaften Witterung waren die beiden mit der Idee nicht allein, sodass sie auf dem Sportplatz noch weiteren sechs 14- und 15-jährigen befreundeten Jungs begegnet sind und diese dann gemeinsam eine Hälfte des Sportplatzes bespielt haben. Auf der anderen Hälfte befanden sich noch weitere, uns nicht bekannte Erwachsene.“

Weiter berichtet das Ehepaar, dass dann „offensichtlich ein aufmerksamer Anrainer“ die Polizei verständigt habe. Die Eltern des 15-Jährigen räumen ein, dass es unstreitig sei, dass „das Fußballspielen der Jungs als zum damaligen Zeitpunkt untersagte Personenansammlung im öffentlichen Raum im Sinne der Corona-Beschränkungen angesehen werden konnte“. Das sei den Jungs von der Polizei auch verdeutlicht worden. Ihre Personalien seien von den Beamten dann aufgenommen worden, jene der von den Eltern erwähnten erwachsenen Personen auf dem Gelände hingegen nicht.

Nur wenige Wochen, nachdem die Jugendlichen auf dem Bolzplatz des Thermo-Fisher-Stadions – Corona-bedingt – verbotenerweise Fußball gespielt hatten, platzierten Unbekannte dort dieses Banner, mit dem sie wohl auch für die Wiederaufnahme des Fußball-Trainingsbetriebs demonstrieren wollten.

Nun sind Ruth und Dirk Hohage der Meinung, dass der Kontakt mit der Polizei und deren Ermahnung „auf dahingehend unbedarfte Halbwüchsige naturgemäß mächtig Eindruck gemacht und ihre Wirkung erkennbar nicht verfehlt“ haben. Die Einstufung des Geschehens als mit einer Geldbuße zu ahndende Ordnungswidrigkeit halten sie jedoch für unverhältnismäßig.

Ihre Ansicht belegen sie mit einem Zitat aus den Anwendungshinweisen für den Vollzug der Ge- und Verbote aus den Corona-Verordnungen des hessischen Innenministers. Dort heißt es: „Wo Unsicherheiten oder Nachlässigkeiten bestehen, sollen die Behörden in erster Linie zur Einhaltung und Befolgung der getroffenen Schutzmaßnahmen anhalten und diese sicherstellen.“

Jungs wollten nach wochenlanger Isolation endlich Sport im Freien treiben

Die Hohages sind davon überzeugt, dass es sich bei dem Fußballspiel „maximal um eine Nachlässigkeit von Heranwachsenden“ handele, die „nach wochenlanger Isolation im Freien Sport getrieben haben“. Die ausgesprochene Ermahnung durch die Polizei alleine habe ihren erzieherischen Zweck erreicht und hätte der zitierten Sollvorgabe des Verordnungsgebers Rechnung getragen.

Das Ehepaar hält das Vorgehen der Polizei in diesem Fall auch deshalb für unverhältnismäßig, weil „die vorsätzliche Missachtung von Corona-Bestimmungen durch Teilnehmer an Massenveranstaltungen – wie zum Beispiel bei der ‘Querdenker’-Demonstration im März in Kassel – oft folgenlos“ bleibe.

Main-Kinzig-Kreis hält 200 Euro Bußgeld für berechtigt

Diese Einschätzung teilt der Main-Kinzig-Kreis nicht, wie dessen Pressesprecherin Sabine Schuchardt erläutert: „Alle von der Polizei gemeldeten Verstöße gegen die Corona-Regeln werden bearbeitet – dazu gehören selbstverständlich auch jene Verstöße, die während verschiedener Corona-Demonstrationen im Main-Kinzig-Kreis festgestellt und zur Anzeige gebracht worden sind. Es ist daher nicht richtig, dass die dort festgestellten Verstöße ohne Konsequenzen geblieben wären.“

Beim Selbolder Fall räumt der Kreis zwar ein, dass es im Ermessen der Beamten vor Ort liege, „die Situation einzuschätzen und eine Entscheidung zu treffen, ob sie es in einem solchen Fall beim präventiven Ansatz der persönlichen Ansprache und mündlichen Verwarnung belassen, oder ob die Situation ein offizielles Ordnungswidrigkeitsverfahren erfordert“. Die Situation vor Ort habe nach Einschätzung der Polizei aber ergeben, dass „eine Verwarnung allein nicht ausgereicht hätte“. Mit ihrer Stellungnahme hätten die Eltern den von der Polizei geschilderten Sachverhalt auch nicht entkräften können.

Von Lars-Erik Gerth

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