Langenselbold

Langenselbold: Geplantes Gesundheitszentrum erhitzt die Gemüter

So sieht das Modell des Investors Vital AG für das Gesundheitszentrum aus, das am Feuerwehrkreisel im Westen der Gründaustadt an der Ravolzhäuser Straße entstehen soll. Die dafür notwendigen Grundstücke wird die Stadt nun ankaufen und an den Investor weiterveräußern. Grafik: PM

Langenselbold. Die Ärzteversorgung ist ein in der Gründaustadt viel diskutiertes Thema. Insbesondere, nachdem die gemeinsame Hausarztpraxis von Dr. Willi Heinrich und Dr. Volker Janssen im Frühsommer ihre Pforten schloss und nun auch bekannt wurde, dass ihr Kollege Dr. Herbert Sommer Ende des Jahres aufhören wird.

Von Lars-Erik Gerth

Außerdem fehlt weiterhin ein Kinderarzt und auch bei den Fachärzten sind nicht alle Bereiche abgedeckt. All dies führte Bürgermeister Jörg Muth (CDU) am Montag im Stadtparlament an, um die Wichtigkeit des vom Investor Vital AG geplanten Gesundheitszentrums herauszustellen. Muth warb nämlich bei den Stadtverordneten um deren Zustimmung für die Vorlage des Magistrats, die am Feuerwehrkreisel im Westen der Stadt liegenden Grundstücke zu kaufen und sie an die Vital AG weiterzuveräußern.

Für den Kauf der rund 14 000 Quadratmeter sind etwas mehr als 665 000 Euro veranschlagt, die laut Muth vom Baukonto Nesselbusch/Am Diebacher Weg bezahlt werden sollen. Für den Weiterverkauf der dann erschlossenen derzeitigen Ackerfläche sieht die Beschlussvorlage einen Preis von 1,4 Millionen Euro vor. Das Geld soll dann dem erwähnten Baukonto wieder zufließen.

Projekt kostet 16 Millionen

Das Projekt mit einem Volumen von etwa 16 Millionen Euro hatten Muth und Wolfgang Herdt (Vital AG) im Juli der Öffentlichkeit präsentiert. Der Bürgermeister hob nun in seiner Begründung hervor, dass es die Vital AG gewesen sei, die mit dem Vorhaben an die Stadt herangetreten sei. „Diese Intention resultiert aus zwei Jahren Gesprächen mit verschiedenen Interessenten, Behörden und der Stadt Langenselbold“, so das Stadtoberhaupt wörtlich.

In der vorangegangenen Parlamentssitzung hatten die Freien Wähler eine Anfrage eingebracht, in der sie unter anderem wissen wollten, ob die Stadt auch mit anderen Investoren über den Bau eines Gesundheitszentrums gesprochen habe. Damals hatte Muth schon darauf verwiesen, dass es sich um kein Projekt der Stadt, sondern der Vital AG handele, diese Frage damit obsolet sei.

Kritik an Kooperation mit Investor

Auch am Montag kam die Hauptkritik an dem Projekt und daran, dass sich die Stadt – ohne Mitspracherecht bei der Frage der Ansiedelung der Ärzte – als Grundstückskäufer vor den Karren eines Investors spannen lasse, der in erster Linie einen neuen Discounter nach Selbold hole, von den Freien Wähler. Tatsächlich ist der Bau des Gesundheitszentrums mit der Ansiedlung eines Aldi-Markts verbunden.

Und dies wohl untrennbar, wie Muth auf die Kritik von FW, aber auch der Grünen reagierte, dass Selbold nun wirklich keinen weiteren Discounter benötige. „Ein solches Gesundheitszentrum ist ohne einen finanzstarken Ankermieter einfach nicht realisierbar“, betonte das Stadtoberhaupt gleich mehrfach.

Bürgermeister Muth von Konzept überzeugt

Muth zeigte sich überzeugt davon, dass ein solches Zentrum mit „hellen und großzügigen Räumen“ die derzeit fehlenden Ärzte nach Selbold bringen werde. Solche zeitgemäßen und barrierefreien Praxisräume fehlten nämlich in der Gründaustadt. „Deshalb haben bisher alle jungen Ärzte, die wir angesprochen haben, abgelehnt, nach Selbold zu kommen. Mit diesem neuen, modernen Angebot an Praxen wird sich dies aber ändern. Hinzu kommt die zentrale Lage des Standorts an der A 45, die auch Patienten aus den umliegenden Kommunen anziehen wird“, argumentierte der Bürgermeister.

Die Freien Wähler gaben sich hingegen skeptisch, nachdem ihr Stadtverordneter Jürgen Heim sich schon bei der Haushaltsdebatte einen vokalen Schlagabtausch mit Muth geliefert hatte. Dabei ging es um die Dependance für den Seniorenwohnpark Kinzigaue, bei der die Stadt laut Heim auf viel Geld verzichte. Diesbezüglich sprach er sogar von einer Politik wie in einer „Bananenrepublik“, was Muth so in Rage brachte, dass er dem Freien Wähler bei einer Wiederholung einer solchen „Diffamierung der Selbolder Politik“ mit einer Anzeige wegen Verleumdung drohte.

Vorwurf: Stadt verzichtet auf Mitspracherecht

Jürgen Heim warf dem Bürgermeister dessen ungeachtet beim Thema „Gesundheitszentrum“ vor, einen befreundeten Investor (Herdt war früher Bauamtsleiter im Selbolder Rathaus) zu begünstigen und dabei gleichzeitig auf ein Mitspracherecht der Stadt bei der Ärzteansiedlung zu verzichten. Dies wies Muth wiederum vehement zurück und betonte nochmals die Bedeutung des Projekts für die zukünftige Ärzteversorgung.

Auch FDP-Fraktionschef Christof Sack zeigte sich von der Vorgehensweise von Bürgermeister und Großer Koalition wenig begeistert. „Das Projekt wurde im Sommer öffentlich vorgestellt. Ich hätte dann erwartet, dass wir uns in den Ausschüssen ausführlich damit beschäftigen, ehe es zur Entscheidung kommt. Es wäre genügend Zeit gewesen, die Beschlussvorlage dort einzubringen. Darauf wurde verzichtet und nun wird es hier mit dem Argument des Zeitdrucks, dass wir das Zentrum für die Ansiedlung neuer Ärzte so schnell wie möglich brauchen, durchs Parlament gejagt“, kritisierte der Liberale.

Doch der Versuch, den Antrag in den Planungs-, Bau- und Sicherheitsausschuss (PBSA) zu verweisen, scheiterte an der Mehrheit von CDU und SPD, aus deren Reihen nur PBSA-Vorsitzender Bernd Gutschank dafür stimmte.

FDP enthält sich

Gutschank war ebenfalls der einzige Stadtverordnete von SPD und CDU, der gegen An- und Verkauf der Grundstücke stimmte. Ansonsten votierten Christ- und Sozialdemokraten geschlossen dafür, Grüne und Freie Wähler dagegen, während sich die FDP enthielt.

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare