Langenselbold

Langenselbold: Landwirte protestieren bei SPD-Neujahrsempfang

Die Landwirte blockierten mit ihren Traktoren die Parkplätze vor dem Schloss. Sie nutzten die Gelegenheit, mit den SPD-Politikern zu diskutieren. â€… Fotos: Anja Goldstein

Langenselbold. Rund 20 Landwirte aus der Region haben den Neujahrsempfang der SPD Langenselbold genutzt, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen und ihre Forderungen nach einem konstruktiven Gespräch mit der Regierung Nachdruck zu verleihen.

Von Anja Goldstein

Die beiden Ehrengäste des im Schloss stattfindenden Neujahrsempfangs, die Vorsitzende der SPD Hessen Nancy Faeser und Mitglied des Landtags Christoph Degen, wurden auf ihrem Weg zur Veranstaltung von den Landwirten abgefangen und zu einem Gespräch eingeladen. Auch der Vorsitzende des Ortsverbandes der SPD, Bernd Kaltschnee, gesellte sich zu den Demonstranten, anstatt seine Gäste im Schloss in Empfang nehmen zu können.

Politiker zeigen Verständnis

Dabei rannten die demonstrierenden Landwirte bei Faeser „offene Türen ein“, wie die Politikerin betonte. Ihr seien die Probleme der Bauern bewusst. Sie versprach, sich für eine Gesprächsrunde in der Landesregierung stark zu machen und entsprach damit der Bitte der Demonstranten. Der Empfang der SPD fand mit kurzer Verspätung ohne weitere Störungen statt. Die Organisatoren der Demonstration betonten bereits im Vorfeld, dass sie die Veranstaltung nicht stören, jedoch die Gelegenheit nutzen wollten.

„Landwirte haben keine Machtinstrumente“, erklärte Ortslandwirt Horst Betz, „Arbeitnehmer streiken, Arbeitgeber drohen mit Entlassungen. Aber wir haben einfach keine andere Wahl als mit Demonstrationen auf uns aufmerksam zu machen. Wir können unsere Arbeit nicht einfach so niederlegen.“ Den Landwirten ging es vor allem darum, sich Gehör zu verschaffen: Mit immer neuen und strengeren Reglementierungen und Auflagen bei Naturschutz und Tierhaltung sei „Landwirtschaft einfach nicht mehr machbar.“

Lokale Bauern sehen keine Zukunft für Betriebe

Betz erklärte, dass in den letzten 40 Jahren etwa 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe geschlossen worden seien. In Langenselbold gibt es noch 15 Bauern, davon nur etwa die Hälfte im Vollerwerb. Damit sei Langenselbold „eigentlich noch eine Hochburg“. Allerdings sehen auch die ortsansässigen Bauern kaum eine Zukunft für ihre Betriebe: „Eine schuldenfreie Weitergabe an die nächste Generation ist praktisch unmöglich. Man könne niemanden mehr empfehlen, seine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft zu suchen.“

Die Landwirte, die sich in der „Land Schafft Verbindung“ (LSV) zusammengeschlossen haben, möchten seit geraumer Zeit auf die ihrer Ansicht nach ungerechten Zustände aufmerksam machen: Während deutsche Landwirte mit Gesetzen zu kämpfen haben, die für ihre Betriebe den Ruin bedeuten, wird zeitgleich Rindfleisch aus Ländern ohne jede Naturschutzauflage subventioniert. Grüne Kreuze auf den Feldern und „Danke, Julia“-Plakate mahnen diesen Missstand seit längerem weithin sichtbar an.

Bauern werben für mehr Verständnis

„Bestehende und geplante Gesetze zum Naturschutz und der Tierhaltung sind völlig realitätsfern und von Theoretikern verfasst,“ mahnte Betz an, „wir fordern konstruktive Gespräche mit der Regierung, damit unsere Betriebe weiter existieren können.“ „Den Verbrauchen fehlt vielerorts das Verständnis, woher ihre Nahrung kommt“, klagten die Anwesenden, „es gibt ja kaum noch Bäcker oder Metzger in der Stadt, die regionale Produkte verarbeiten.“

Betz betonte gegenüber Faeser, dass bestehende „Subventionen nur Augenwischerei“ seien: Nur ein Prozent des Bundeshaushaltes dienen der Agrarförderung- und den größten Anteil daran verbrauche die Verwaltung und Kontrolle. Bei den Landwirten selbst käme kaum etwas an. Der Administrator der LSV, Henrick Winkler, kündigte an, auch beim Neujahrsempfang der CDU am Sonntag wieder vor Ort zu sein, um auch deren Ehrengäste wie Ministerpräsident Volker Bouffier zu sprechen.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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