Neue Sponsoren gesucht

Übernahme Nutzungsentgelt: Verträge zwischen Thermo Fisher und drei Vereinen ausgelaufen

Die Sportanlage an der Niedergründauer Straße wurde im Jahr 2009 eröffnet und trägt seit vielen Jahren den Namen Thermo-Fisher-Stadion.
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Die Sportanlage an der Niedergründauer Straße wurde im Jahr 2009 eröffnet und trägt seit vielen Jahren den Namen Thermo-Fisher-Stadion.

Das im Jahr 2009 eröffnete Sportzentrum an der Niedergründauer Straße trägt seit einigen Jahren den Namen Thermo-Fisher-Stadion. Dies bedeutet nicht, dass das US-amerikanische Unternehmen Thermo Fisher das Stadion bisher teilweise gesponsort hat, wie die CDU-Fraktion in einer Anfrage an Bürgermeister Timo Greuel (SPD) anführt. Dies stellte das Stadtoberhaupt in seiner Antwort klar.

Langenselbold – Thermo Fisher, so der Bürgermeister, habe bislang dem SV 1930, der Spielvereinigung 1910 und dem TVL das von der Stadt „aufgerufene Nutzungsentgelt für die Sportanlage einmal jährlich bis zum 30. November eines jeden Jahres erstattet“. Als Gegenleistung hätten sich die Vereine verpflichteten, dafür Sorge zu tragen, dass auf allen von ihnen herausgegebenen Veranstaltungsplakaten, in Jahresschriften und Ähnlichem „auf die freundliche Unterstützung durch die Firma Thermo Fisher hingewiesen wird“. Zudem, so Greuels weitere Ausführungen, habe Thermo Fisher auf sein besonderes Engagement für die Vereine öffentlichkeitswirksam hinweisen dürfen.

Es handele sich somit um eine „privatrechtliche Vereinbarung zwischen den Vereinen und Thermo Fisher“. Die Stadt Langenselbold sei nicht Vertragspartner und demnach, so Greuel, träfe die von der CDU-Fraktion gewählte Formulierung, dass „Thermo Fisher das Sportstadion, das im Eigentum der Stadt steht, teilweise gesponsert hat, nicht zu“.

Greuel hat bereits erste Gespräche geführt

Der Bürgermeister berichtete in seiner Antwort auf die CDU-Anfrage außerdem, dass diese Vereinbarungen zwischen dem Unternehmen und den drei Vereinen zum 31. Dezember 2020 ausgelaufen sind. Obwohl die Stadt nicht Vertragspartner sei, habe er, so Greuel, „bereits informelle, persönliche Gespräche geführt. Hierbei wurde Stillschweigen vereinbart, sowohl was die Gesprächspartner selbst als auch die Gesprächsinhalte betrifft“, erklärte Greuel weiter. Da er sich an „die bestehende Verabredungslage“ gebunden fühle, könne er dazu keine weiteren Auskünfte geben.

In seinen weiteren Ausführungen zum Thema „Sponsoring“ strich der Bürgermeister heraus, dass ein ihm wichtiger Aspekt dabei bisher zu kurz gekommen sei: „Die langfristige Planungssicherheit für die Vereine“. In diesem Zusammenhang erinnerte Greuel daran, dass „vor zehn Jahren oder mehr seitens eines meiner Amtsvorgänger das Verfahren initiiert wurde, dass die Stadt einen oder mehrere Sponsoren sucht, der oder die für die anfallenden Nutzungsentgelte der Vereine aufkommen“. Aus seiner Sicht, so der Bürgermeister weiter, werde das dem Anspruch, den finanziellen Möglichkeiten der Vereine dauerhaft Rechnung zu tragen, nicht gerecht. Vor diesem Hintergrund stelle sich deshalb die Frage, wie es besser laufen könne.

Der Namenszug „Thermo-Fisher-Stadion“ prangt weiterhin über der Haupttribüne der Selbolder Sportanlage.

Die heimischen Vereine zu fördern und ihnen die Ausübung ihrer Aktivitäten durch die Schaffung und Bereitstellung geeigneter Örtlichkeiten zu ermöglichen, sei eine kommunale Aufgabe. „Denn letztlich sind die Vereine das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Lebens und des Zusammenhalts vor Ort“, betonte der Bürgermeister.

Allerdings gab er in seinen Ausführungen zur Anfrage der CDU-Fraktion auch zu bedenken, dass es „nicht originäre kommunale Aufgabe“ sei, Sponsoren für Dritte zu suchen. „Im Ergebnis wurde aus meiner Sicht in der Vergangenheit sprichwörtlich das Pferd von hinten aufgezäumt“, so Greuel.

Bürgermeister sieht Notwendigkeit eines politischen Diskurses

Er regte deshalb die Notwendigkeit eines politischen Diskurses an, „ob und wenn ja, inwieweit Mieten und Nutzungsgebühren für Vereine, die städtische Liegenschaften nutzen, überhaupt noch zeitgemäß sind“. Oder ob es mit Blick auf die herausgehobene Bedeutung der Vereine für das Gemeinwohl nicht eher sinnvoller wäre, „diese bereits von städtischer Seite aus – also ohne einen zwischengeschalteten Sponsor, der einen Sponsoringvertrag lediglich auf Zeit abschließen wird – finanziell zu entlasten“.

Unabhängig davon, ob dies entsprechend zukünftig anders gehandhabt würde, spräche dann dennoch nichts dagegen, die Namensrechte an der Selbolder Sportanlage „an ein interessiertes Unternehmen“ zu vergeben. Derzeit prangt übrigens noch der Schriftzug „Thermo-Fisher-Stadion“ über der Haupttribüne der Anlage an der Niedergründauer Straße.

Von Lars-Erik Gerth

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