Hochwasser in der Region

Schnell und gewaltig kamen die Wassermassen: Langenselbolderin berichtet von ihren Hochwasser-Erlebnissen

Unpassierbar: Das Wasser in der Uferstraße stieg so schnell, dass kein Durchkommen mehr möglich war. Die Steinmauer von Familie Grenzer (links) konnte das Wasser nur kurzzeitig zurückhalten.
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Unpassierbar: Das Wasser in der Uferstraße stieg so schnell, dass kein Durchkommen mehr möglich war. Die Steinmauer von Familie Grenzer (links) konnte das Wasser nur kurzzeitig zurückhalten.

„Ich bin so übermüdet, ich verwechsle mittlerweile schon die Tage“, beginnt Franziska Grenzer von ihren Erlebnissen am Wochenende zu erzählen. Sie wohnt mit ihrer Familie in Langenselbold an der Uferstraße. Dort, wo auch die Gründau entlang fließt. Der Schrecken über das größte Hochwasserereignis seit 2003 scheint ihr noch in den Gliedern zu stecken.

Langenselbold – Dabei begann für Franziska Grenzer alles eher entspannt. „Am Freitag, relativ früh, habe ich per WhatsApp von Freunden und Nachbarn erfahren, dass Hochwasser in Langenselbold kommen soll. Aber ich habe mich nicht so betroffen gefühlt, obwohl ich am Ufer wohne“, erinnert sie sich. Dann häuften sich aber die Nachrichten und Informationen, dass das Wasser steigen würde. Grenzer ging zunächst einkaufen. Auf dem Rückweg sah sie dann bereits die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk auf dem Marktplatz stehen. „Aber ich dachte, die haben das schon im Griff.“

Während die Feuerwehr an anderen Stellen bereits im Einsatz war, blieb die Uferstraße zunächst verschont. „Doch dann kam das Wasser relativ schnell“, kann es Grenzer bis heute nicht fassen. „Die ganze Straße ist vollgelaufen. Das Wasser stieg und stieg.“

An Schlaf war für die Familie nicht zu denken

An Schlaf war für die Familie in der Nacht von Freitag auf Samstag nicht zu denken. „Bei unseren Nachbarn gegenüber ist das Haus komplett vollgelaufen. Das Wasser kam sogar aus der Toilette. Ein großes Einsatzfahrzeug der Feuerwehr hat in der Nacht dann das Haus ausgepumpt.“ Das ausgepumpte Wasser sei dann wiederum auf die Straße geflossen. Zunächst konnte die Gartenmauer der Familie Grenzer das Wasser abhalten. Doch dann sei es durch den Garten gelaufen, die Gartentreppe hoch. „Es war wie, wenn man einen Hahn aufdreht“, beschreibt Grenzer das herbeiströmende Wasser auf ihr Grundstück.

Notunterkunft für die Langohren: Da die große Voliere im Garten für die Hasen nicht mehr bewohnbar ist, wurde kurzerhand das Spielhaus zum neuen Stall.

Drei Sauger waren bei der Familie gleichzeitig in Betrieb. „Stellenweise waren es acht Leute, die bei uns gearbeitet haben. Pumpen, ausleeren, saugen. Es war das reinste Chaos“, fasst sie zusammen. Im vollgelaufenen Keller hält sich der Schaden in Grenzen. „Zum Glück war da nichts Wertvolles drin“, zeigte sich die Hausbesitzerin erleichtert.

Hasen mussten umquartiert werden

Am schlimmsten habe es jedoch die Hasen getroffen, die in einer großen Voliere im Garten wohnen. „Die Hasen sind auf die großen Kisten gesprungen, die in der Voliere stehen. Wir haben sie auch beobachtet, aber zunächst nichts dabei gedacht, da auf den Kisten auch das Heu lag.“ Doch als die fünf Kilo schweren Langohren auch nach Stunden am Samstag nicht von den Kisten herunterkamen, schaute die Familie nach. Alles schwamm in dem großzügigen, fünfmal drei Meter großen Käfig herum. „Sie konnten gar nicht von den Kisten herunter kommen, so hoch stand das Wasser.“

Kurzum wurden die kuscheligen Vierbeiner im Spielehaus der Kinder untergebracht, das genug Platz als Notunterkunft bietet. Wie unvorbereitet es die Familie traf, zeigt auch ihre entsprechende Ausstattung: „Wir hatten nicht mal Gummistiefel. Zum Glück durften die Baumärkte wieder öffnen. Da haben wir uns am Samstag gleich welche besorgt.“

„Wir sind ein bisschen ratlos, gerade warum und wieso das Wasser so schnell und gewaltig kam. Eigentlich hieß es ja, dass es mit dem Becken nicht mehr passieren sollte“, fügt Grenzer nachdenklich ihrem Erlebnisbericht hinzu. „Seit 2008 leben wir hier, doch so etwas haben wir noch nicht erlebt.“ (Von Patricia Reich)

Im Dauereinsatz: Franziska Grenzer hat am Wochenende kaum geschlafen. Bis Sonntagabend hat die Familie das Wasser aus ihrem Keller gepumpt.

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