Erster Stadtrat

Langenselbold: SPD-Fraktion stimmt einstimmig gegen CDU-Bewerber Patrick Heck

Patrick Heck von der CDU in Langenselbold
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Patrick Heck (CDU) will in Langenselbold für den Posten des Ersten Stadtrats kandidieren. Es gibt jedoch eine Menge Gegenwind.

Dass die Entscheidung der CDU-Fraktion, Patrick Heck für die Wahl des Ersten Stadtrats am 28. September vorzuschlagen, beim Koalitionspartner SPD auf wenig Begeisterung stoßen würde, dürfte in der Gründaustadt kaum jemanden überrascht haben.

Langenselbold – Denn Heck hat während der gesamten bisherigen Großen Koalition keineswegs mit Kritik an den Sozialdemokraten gespart und nicht nur bezüglich der Zukunft des Kinzigsees ganz andere Positionen als die SPD vertreten. Insbesondere sparte der 31-jährige Student nicht mit Angriffen auf den vormaligen Ersten Stadtrat und jetzigen Bürgermeister Timo Greuel (SPD). Da stellt sich durchaus die Frage, auf welcher Grundlage Heck und das neue Stadtoberhaupt überhaupt zusammenarbeiten können.

Die SPD-Stadtverordneten haben die Frage in ihrer letzten Fraktionssitzung unmissverständlich beantwortet, wie ihr Vorsitzender Peter Volk gestern auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. „In einer Probeabstimmung haben alle Mitglieder unserer Fraktion gegen eine Wahl Patrick Hecks votiert. Es gab dabei auch keine Enthaltung“, informierte der SPD-Fraktionschef über die einmütige Ablehnung von Patrick Hecks Kandidatur.

SPD-Fraktion moniert mangelnde Erfahrung von CDU-Kandidat

„Wir hatten den Kollegen von der CDU auch schon vor geraumer Zeit mitgeteilt, dass wir eine Bewerbung Patrick Hecks für das Amt des Ersten Stadtrats nicht mittragen werden. Und zwar allein schon aus fachlichen Gründen“, machte Volk klar, dass das Votum der SPD-Fraktion alles andere als eine Überraschung darstellt.

Heck, der sein Studium bisher noch nicht abgeschlossen hat, verfügt entsprechend auch über keinerlei Verwaltungserfahrung und saß bisher beispielsweise auch noch nie als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat. Somit kann er also auch in diesem wichtigen Gremium keinerlei Erfahrung vorweisen.

SPD ist verwundert über Nominierung

Groß ist in der SPD vor allem auch die Verwunderung darüber, dass sich Patrick Heck überhaupt noch dem Votum seiner Fraktion gestellt hat. Denn die CDU-Mitgliederversammlung hatte zuvor mit 15:13 seine Bewerbung für das Amt des Ersten Stadtrats abgelehnt. Allerdings entscheidet über die Nominierung die Fraktion, die nicht an das Votum der Mitgliederversammlung gebunden ist, das als eine Art Empfehlung oder in diesem Fall Nicht-Empfehlung zu verstehen ist.

Dennoch ist das Unverständnis in den Reihen der SPD nicht zu überhören, dass sich Heck über dieses Votum einfach hinweggesetzt und seine Bewerbung aufrechterhalten und sich dem Votum der CDU-Fraktion gestellt hat. Peter Volk bestätigte gestern auch die Gerüchte, dass sich bereits einige CDU-Mitglieder mit der Bitte an die SPD gewandt hätten, die Wahl Hecks zu verhindern.

Langenselbold: CDU ist zerissen

Wie zerrissen die Selbolder CDU ist, die in der Gründaustadt bis Ende Mai 24 Jahre lang den Bürgermeister gestellt hatte, zeigt auch der Leserbrief des stellvertretenden CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Christoph Obladen, der am 7. August in dieser Zeitung erschienen ist.

In diesem heißt es unter anderem: „Mit dieser Entscheidung präsentiert die Fraktion einen Kandidaten, der in der Mitgliederversammlung der CDU, also dem höchsten Organ des Stadtverbandes, eindeutig keine Mehrheit gefunden hat. Dadurch zeigt sich auch öffentlich die Zerrissenheit in der Union. Diese Entscheidung wird zur Folge haben, dass die Union beim Bürger weiter Vertrauen verlieren und ihr Einfluss sinken wird. Das schwächt die bürgerliche Mitte.“

CDU-Vize kritisiert fehlende Qualifikation von Kandidat Heck

Und auch zur fehlenden Qualifikation Hecks findet der Selbolder CDU-Vize klare Worte: „Wer die Überlegungen und Argumente der Heck-Befürworter verfolgt, muss den Eindruck gewinnen, hier solle jemand für eine Parteiaufgabe gewählt werden. Darum geht es aber gerade nicht. Das Amt des Ersten Stadtrats ist eine herausgehobene kommunale Fach- und Führungsaufgabe. Sie entspricht in ihrer Ausstattung zum Beispiel einem Regierungs- oder Studiendirektor. Diese Anforderungen werden nicht erfüllt, schon deshalb nicht, weil der Bewerber keinen Abschluss vorzuweisen hat. Diese Besetzung wird das Wohl der Stadt kaum fördern!“

Dem kann die SPD-Fraktion nur zustimmen, wie Peter Volk betont. Umso rätselhafter sei es den Genossen, warum der Koalitionspartner nun dennoch „ausgerechnet Patrick Heck“ nominieren konnte. Volk hofft noch darauf, dass die CDU die Situation intern klären kann. Doch dürfte das kaum ohne Gesichtsverlust geschehen. Zu alledem schweigt bisher auch Selbolds CDU-Parteichef Tobias Dillmann.

Grüne und Freie Wähler wollen auf Ersten Stadtrat verzichten

Klar geäußert hatten sich hingegen in der vergangenen Woche bereits Grüne und Freie Wähler, die ihren Standpunkt bekräftigten, in Zukunft auf die Position des Ersten Stadtrats verzichten zu wollen. Ihrer Meinung nach reiche für die Größe Langenselbolds ein hauptamtliches Magistratsmitglied, sprich der Bürgermeister, um die Arbeit in der Verwaltung zu bewältigen. Beide Fraktionen treten deshalb zunächst für eine Verschiebung der Stadtratswahl auf die Zeit nach der Kommunalwahl am 14. März 2021 ein.

Die Ansicht, dass die Selbolder Verwaltung mit nur einem Hauptamtlichen auskommen könnte, wird Bürgermeister Timo Greuel nicht teilen, der sich gestern auf unsere Anfrage hin übrigens nicht zu den Vorgängen in der CDU und zur Kandidatur von Patrick Heck äußern wollte.

SPD-Fraktion hat keinen Redebedarf

Dass Greuel aufgrund der heftigen Kritik Hecks an seiner Amtsführung als Erster Stadtrat in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu einem Freund des CDU-Stadtverordneten geworden ist, dürfte allerdings kaum anzunehmen sein. Heck war übrigens Gast der besagten SPD-Fraktionssitzung, stellte sich dort als Kandidat vor. Redebedarf hatten die Genossen jedoch keinen: Laut Volk habe niemand eine Frage für ihn parat gehabt.

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