CDU in Selbold die große Verliererin

SPD ist nach 20 Jahren wieder stärkste Kraft in der Gründaustadt

Nach der durch Timo Greuel (links) gewonnenen Bürgermeisterwahl im Vorjahr hat die SPD nun auch Platz eins in Selbold zurückerobert. Tobias Dillmann (CDU) kann sich zumindest über ein gutes persönliches Ergebnis freuen.
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Nach der durch Timo Greuel (links) gewonnenen Bürgermeisterwahl im Vorjahr hat die SPD nun auch Platz eins in Selbold zurückerobert. Tobias Dillmann (CDU) kann sich zumindest über ein gutes persönliches Ergebnis freuen.

Genau um 15.14 Uhr waren am Dienstagnachmittag die letzten Stimmzettel für die Wahl zur Selbolder Stadtverordnetenversammlung ausgezählt. Dann stand unumstößlich fest, dass die SPD nach 20 Jahren wieder die Nummer eins in der Gründaustadt ist.

Langenselbold – Mit 37,9 Prozent lagen die Sozialdemokraten deutlich vor der CDU, die mit 28,1 Prozent eine heftige Niederlage einstecken musste. „Das ist ein tolles Ergebnis, über das ich mich sehr freue. Wir sind jetzt klar die stärkste politische Kraft in Langenselbold“, kommentierte Parteichef und Spitzenkandidat Jürgen Schonlau das SPD-Ergebnis. Über mögliche Koalitionspartner wollte er gestern noch nicht spekulieren. Gespräche werde seine Partei aber grundsätzlich mit allen anderen Fraktionen führen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis würde sich sowohl mit CDU, Grünen als auch Freien Wählern eine Mehrheit im neuen Stadtparlament ausgehen. Allerdings dürfte die Neigung der SPD zu einer erneuten Großen Koalition nach den Erfahrungen der letzten Legislaturperiode nicht sehr ausgeprägt sein, auch wenn der neuen CDU-Fraktion weder Patrick Heck noch Steffi Gerk angehören.

Monika Duderstadt beschönigt krachende Niederlage nicht

Dass der Verlust von 13,4 Prozent eine krachende Niederlage für ihre Partei darstellt, wollte CDU-Spitzenkandidatin Monika Duderstadt in keiner Form beschönigen. „Das ist für die Selbolder CDU ein sehr unerfreuliches Ergebnis. Aber nach den internen Querelen der vergangenen Jahre überraschen mich diese Verluste nicht. Es war auch aufgrund der Corona-Situation kaum möglich, den Bürgern in der Kürze der Zeit zu verdeutlichen, dass wir in der CDU im Dezember einen Neuanfang gestartet haben“, verwies Duderstadt auf die Mitgliederversammlung kurz vor Weihnachten. Bei dieser hatte sich die Parteispitze neu formiert und wurde die Liste für die Kommunalwahl mit einer Reihe auch junger Kandidaten aufgestellt.

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in Langenselbold am 14.3.2021:

SPD 37,9 % - 14 Sitze
CDU 28,1 % - 10 Sitze
Grüne 14,8 % - 6 Sitze
Freie Wähler 13,1 % - 5 Sitze
FDP 6,2 % - 2 Sitze

Wahlbeteiligung 48,0 %

In den kommenden fünf Jahren will die CDU, so die Spitzenkandidatin, mit ihrer Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Laut Duderstadt wollen auch die beiden von den Selboldern weit nach vorne gewählten Altbürgermeister Jörg Muth und Heiko Kasseckert ihre Mandate in der neuen Stadtverordnetenversammlung annehmen.

Freude bei Cornelia Hofacker über sechs Mandate

Die großen Gewinner der Wahl sind diesmal eindeutig die Grünen, die vor fünf Jahren noch ihre schlimmste Niederlage einstecken mussten. Die Koalition mit der CDU war der Ökopartei 2016 gar nicht gut bekommen und sie sackte auf indiskutable 6,4 Prozent ab. Am Sonntag konnte sie ihr prozentuales Ergebnis auf 14,8 fast verdreifachen. Genau verdreifacht haben die Grünen ihre Anzahl an Sitzen. „Dass es am Ende noch sechs Mandate geworden sind, ist einfach toll“, war Spitzenkandidatin Cornelia Hofacker die Begeisterung über den enormen Zuwachs deutlich anzuhören.

„Wir sind mit einem sehr kompetenten Team angetreten, für das wir auch eine Reihe von jungen Leuten gewinnen konnten. Wir wollen uns in den nächsten fünf Jahren weiterhin für unsere Kernthemen Ökologie und Klimaschutz einsetzen. Denn mit dem Schutz unserer Umwelt und des Klimas müssen wir hier vor Ort anfangen“, so Hofacker. Und diese Inhalte stünden auch bei Gesprächen mit den anderen Parteien über mögliche Koalitionen im Vordergrund. Die negativen Erfahrungen aus der schwarz-grünen Koalition wolle man auf keinen Fall noch einmal erleben, betonte die Spitzenkandidatin zudem mit besonderem Nachdruck.

Auch Freie Wähler sind Gewinner der Wahl

Auch wenn es knapp nicht zum dritten Platz gereicht hat, der während der Auszählung länger möglich schien, zeigte sich Christiane Kapp mit dem Ergebnis der Freien Wähler (FW) sehr zufrieden. „Unsere gute Arbeit in den letzten fünf Jahren ist von den Wählerinnen und Wählern honoriert worden“, so die FW-Spitzenkandidatin. Ihre Wählergemeinschaft habe sich bei ihren drei Kandidaturen in Selbold seit 2011 kontinuierlich gesteigert: von 3,6 auf 9,6 und jetzt 13,1 Prozent. „Das ist eine tolle Entwicklung“, stellte Kapp fest, die sich an Spekulationen über mögliche Koalitionen ebenfalls nicht beteiligen wollte. Klar sei aber, dass die Freien Wähler bereit zu Gesprächen mit allen anderen Fraktionen sind.

Das gilt auch für die FDP, wie ihr Spitzenkandidat Christof Sack gestern bestätigte. Er freute sich über den Zugewinn von 1,9 Prozent, bedauerte es jedoch, dass das schon sicher geglaubte dritte Mandat für die Liberalen am Ende durch die Auszählung im letzten Briefwahlbezirk doch noch verloren gegangen ist. „Das ist sehr schade, wir wären gerne mit drei Stadtverordneten ins neue Parlament eingezogen“, so Sack. Die 6,2 Prozent sind dessen ungeachtet das beste Resultat der Selbolder FDP seit 1993.

Von Lars-Erik Gerth

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