SPD ist in Selbold klar vorne

Vorläufiges amtliches Endergebnis in Gründaustadt lässt noch auf sich warten

Bei der Ausgabe der Wahlunterlagen wurden auch in den Wahllokalen in der Käthe-Kollwitz-Schule die Hygiene- und Abstandsregeln selbstverständlich genau eingehalten.
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Bei der Ausgabe der Wahlunterlagen wurden auch in den Wahllokalen in der Käthe-Kollwitz-Schule die Hygiene- und Abstandsregeln selbstverständlich genau eingehalten.

Montagvormittag war Ordnungsamts- und Wahlleiter Michael Juracka noch optimistisch, dass das vorläufige amtliche Endergebnis am Abend vorliegen könnte. Doch insbesondere die Auszählung der knapp 3000 Stimmzettel, die per Briefwahl abgegeben wurden, stellte eine große Herausforderung dar.

Langenselbold – „Irgendwann mussten wir dann feststellen, dass unsere Mitarbeiter nach so vielen Stunden des Auszählens keine Zahlen mehr sehen konnten. Da hat es keinen Sinn mehr gemacht, das Auszählen fortzusetzen. Wir machen am Dienstagmorgen gleich weiter und dann dürfte das Ergebnis der Wahl zum Stadtparlament bald vorliegen“, informierte Juracka auf LZ-Nachfrage gestern Abend um kurz nach 20 Uhr über den aktuellen Stand.

Noch nicht komplett ausgezählt waren gestern Abend drei der vier Briefwahlbezirke. Außerdem gab es ein technisches Problem bei der Übermittlung der Ergebnisse aus dem Wahlbezirk, der in der früheren Mädchenschule untergebracht ist.

Nach Auszählung von 13 der 17 Wahlbezirke ist jedoch bereits klar, dass die SPD nach 20 Jahren wieder stärkste Fraktion im Selbolder Parlament wird. Der Trend vom Sonntagabend verfestigte sich auch während der Auszählung jener Stimmzettel, auf denen fleißig kumuliert und panaschiert wurde. Die SPD liegt demnach aktuell bei 37,20 Prozent und damit nur knapp unter dem Resultat von 2016 (38,3).

Im Rathaus wurde am Dienstag fleißig weitergezählt, Wahlleiter Michael Juracka (Zweiter von links) und Erster Stadtrat Benjamin Schaaf übermittelten dann die Ergebnisse.

Die CDU hingegen geht einem Debakel entgegen, kann derzeit lediglich 26,69 Prozent auf sich vereinigen. Vor fünf Jahren gab es zwar auch größere Verluste, doch behauptete sie damals mit 41,5 Prozent noch Platz eins. Dieser ist nun – sicherlich auch aufgrund der internen Dauerquerelen des vergangenen Jahres – an die Sozialdemokraten verloren gegangen. Dies wird auch bei der aktuellen Sitzverteilung deutlich, die nach 13 von 17 Wahlbezirken für die SPD weiterhin 14 Mandate vorsieht, während die Christdemokraten nur noch auf zehn statt bisher 15 Sitze kommen würden.

Grüne knapp vor den Freien Wählern

Für die CDU bleibt lediglich die Hoffnung, dass die Niederlage durch die drei noch ausstehenden Briefwahlbezirke etwas erträglicher ausfallen könnte. An der Reihenfolge wird sich jedoch nichts mehr ändern.

Über den sich abzeichnenden Trend hatte sich am späten Wahlsonntag auch Bürgermeister Timo Greuel (SPD) bereits im LZ-Gespräch geäußert. „Das sieht sehr gut für die SPD aus. Darauf mussten wir nun 20 Jahre warten, um wieder die Nummer eins in Langenselbold werden zu können“, war dem Stadtoberhaupt die Freude über den sich anbahnenden Wahlsieg seiner Genossen deutlich anzuhören.

Alle Plätze in einem der vier Wahllokale in der Käthe-Kollwitz-Schule sind am Sonntag besetzt, dennoch ist auch in der Gründaustadt die Zahl der Briewähler so groß wie noch nie.

Während die Reihenfolge der Plätze eins und zwei klar ist, ist der Ausgang des Rennens um Rang drei noch völlig offen. Grüne und Freie Wähler liegen aktuell nahezu gleich auf und deutlich über ihren Ergebnissen von vor fünf Jahren. Die Ökopartei hat mit 14,64 Prozent (2016: 6,38) hauchdünn die Nase vorn, während die Freien Wähler bei 14,59 Prozent (9,55) liegen. Beide würden damit je fünf Sitze ergattern.

Das ist wiederum für die SPD von großem Interesse, die nach jetzigem Stand sowohl mit den Grünen als auch mit den Freien Wählern auf jeweils insgesamt 19 Mandate kommen würde, was bei 37 Sitzen im Selbolder Stadtparlament für die absolute Mehrheit reichen würde.

FDP legt zu, bleibt aber Fünfter

Bereits klar ist, dass die FDP als fünftstärkste Fraktion in die neue Stadtverordnetenversammlung einziehen wird. Sie steht nach 13 ausgezählten Wahlbezirken bei 6,88 Prozent und würde wie Grüne und Freie Wähler gegenüber 2016 zulegen. Damals kamen die Liberalen auf 4,28 Prozent und erhielten dafür zwei Mandate. Aktuell würden sie noch einen dritten Sitz hinzugewinnen.

Wenig Freude bereitet den Selbolder Parteien und auch Bürgermeister Greuel die Wahlbeteiligung. Sie sank nämlich auf 48,35 Prozent, nachdem sie 2016 noch genau 55 Prozent betragen hatte. Allerdings war die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl zur Bürgermeisterwahl am 2. Februar 2020 mit 46,73 Prozent noch niedriger gewesen. Höher lag sie hingegen bei der ersten Runde der Bürgermeisterwahl 2020 mit 52,24 Prozent.

Von Lars-Erik Gerth

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