Das Langenselbolder Steakhaus ist bald Geschichte

Elisabeth und Werner Allmeritter schließen nach 40 Jahren

Das Ehepaar Elisabeth und Werner Allmeritter möchten seinen Ruhestand zunächst mit einer ausgiebigen Reise durch Deutschland einläuten.
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Das Ehepaar Elisabeth und Werner Allmeritter möchten seinen Ruhestand zunächst mit einer ausgiebigen Reise durch Deutschland einläuten.

Aus und vorbei. Am 31, Oktober ist Schluss. Dann ist das ‚Steakhaus’ in der Bahnstraße in Langenselbold Geschichte. Nach über 40 Jahren geben Elisabeth und Werner Allmeritter ihr traditionelles Speiserestaurant auf. Sie gehörten zu den wenigen, die noch klassische „bürgerliche deutsche Küche“ bieten: Schnitzel, Cordon bleu und natürlich Steaks.

Langenselbold – Steaks sind die Leidenschaft von Inhaber und Küchenchef Werner Allmeritter. „Ich esse sie selbst sehr gerne“, sagt er. Kochen sei seine Leidenschaft, sein Interesse. „Das meiste habe ich mir im Lauf der Zeit selber angeeignet. Habe viel probiert. Kochen ist für mich keine richtige Arbeit“, sagt der 69-Jährige. Seine Ehefrau Elisabeth Allmeritter nickt zustimmend und lobt die Gerichte: immer mit sehr gutem Geschmack zusammengestellt.

Anteilnahme der Stammgäste ist groß

Wir sitzen an einem Ruhetag im großen Gastraum des „Steakhaus“. Die Möbel sind aus Holz, ebenso die Trennwände, warmes Licht und unaufdringliche Deko vermitteln eine behagliche und wohlige Atmosphäre: Hier darf man sich wie zu Hause fühlen. 120 Personen könnten hier essen, die Sitzplätze auf der Terrasse nicht mitgezählt. Elisabeth und Werner Allmeritter sitzen mit einigen Unterlagen und mit Telefon an einem kleinen Tisch. Eben noch diskutierte der Wirt mit der Gema. Er beendet mit einem Kopfschütteln das Gespräch. Das Radio ist längst abgemeldet, sagt er noch. In der Stille des Raumes hört man es knacken. „Der Anrufbeantworter. Es ist wie kurz vor Weihnachten. Wir sind ausreserviert.“ Die Anteilnahme der Stammgäste ist groß, nicht nur, weil sie ihre Gutscheine einlösen wollen.

Fehlendes Personal nicht kompensierbar

Elisabeth und Werner Allmeritter müssen schließen, weil sie nicht genügend Personal finden – und aus gesundheitlichen Gründen. Wenn zu wenig Personal in der Küche und im Service arbeitet, dann können die beiden das nicht mehr auffangen. Elisabeth Allmeritter sagt: „Ich habe immer gerne bedient, das hat mir Spaß gemacht.“ Seit sie 16 Jahre alt ist, arbeitet Allmeritter in der Gastronomie im Service, hat zwischendrin ein eigenes Lokal geführt. Seit 26 Jahren ist die geborene Steinauerin im Steakhaus an Bord.

Am 31. Oktober wird das letzte Steak zubereitet. Gutscheine können bis dahin noch eingelöst werden.

Werner Allmeritter hat die Gastwirtschaft am 1. Mai 1981 eröffnet. Damals gab es noch vier Kegelbahnen. Das „Keglerheim“ wurde zu geschäftlichen und privaten Anlässen gerne gebucht. „Da war Stimmung bei den Firmenfeiern. Die Leute saßen nicht bloß am Tisch, hier haben sie Wettkämpfe ausgetragen.“ Etwa drei Monate lang arbeitete Allmeritter parallel tagsüber bei der Bahn als Maschinenschlosser, abends ab 17 Uhr in seinem Lokal. Dann hat er sich für das „Steakhaus“ entschieden, wie sein eigenes Restaurant dann ab 1987 hieß. Geöffnet sieben Tage die Woche, warme Küche bis 24 Uhr, viele, viele Feierlichkeiten, ab Oktober immer volles Haus. „Es ging nur aufwärts.

Bei den Amerikanern sehr beliebt

Besonders beliebt war das ‘Steakhaus’ bei den Amerikanern.“ Sie kamen aus dem ganzen Kreis. Die Spezialität von Werner Allmeritter waren „Steaks vom heißen Stein“. Schon mittags um drei Uhr wurde der große Ofen angeheizt, denn der Lava-Stein musste auf 400 Grad erhitzt werden. „Ohne Fett und ohne Öl wurden die Steaks einfach auf den Stein gelegt. Dazu gab es Ofenkartoffel und vier verschiedene Soßen. Den Weggang der Amerikaner haben wir schwer gemerkt, da ist nicht nur bei uns viel eingebrochen.“ Ein Mittagstisch wurde zu wenig angenommen. Doch das Ehepaar öffnete weiterhin bis 2020 zuverlässig jeden Tag ab 17 Uhr. Das Steakhaus gewann viele treue Stammkunden hinzu. Selbst von der Corona-Pandemie ließ sich das Ehepaar nicht demoralisieren. Außer-Haus-Verkauf hatten sie immer schon angeboten und jetzt wurde der Betrieb entsprechend angepasst. Nur Lieferdienst gab es nicht. Mehrere tausend Euro haben Allmeritters in Trennwände aus Plexiglas und Desinfektionsmittelspender investiert. Jetzt herrscht Personalmange, nicht nur in der Gastronomie. Seit dem hat das Ehepaar zwei Ruhetage eingeführt. Ein sanfter Übergang in den Ruhestand?

Reise durch Deutschland

„Mir ist es sehr schwer gefallen“, gibt die 70-jährige Elisabeth Allmeritter zu. Sie wird das Restaurant und die Menschen, mit denen sie über viele Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet hat, wohl vermissen. „Ich hab mit allem abgeschlossen“, sagt dagegen ihr Ehemann. Das Haus ist verkauft, am 31. Oktober geht das letzte Steak raus. Im November wird das eine oder andere noch zu regeln sein. Und dann? „Dann schauen wir uns zuerst Deutschland an. Wir wollen viel unterwegs sein.“ Ein ganz neues Leben werden die beiden nicht anfangen. „Wir hatten ja schon immer tagsüber Zeit“, sagen sie. Jetzt bleibt mehr Raum für vieles, die Enkelkinder, für Freunde, für einen „Dämmerschoppen“ und für „Kaffeeklatsch“ und für das Reisen. (Von Ulrike Pongratz)

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