Luftfilter für Selbolder Kitas

Magistrat soll Bedarf und Kosten ermitteln

Geht es nach den Freien Wählern und der CDU, dann erhält auch die Kita „Zum Rödelberg“ bald Luftfilter.
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Geht es nach den Freien Wählern und der CDU, dann erhält auch die Kita „Zum Rödelberg“ bald Luftfilter.

Die öffentliche Diskussion darüber, ob Luftfilteranlagen in Schulen oder Kindergärten das Lüften ersetzen können, ist auch in der Gründaustadt nicht neu. Bereits im vergangenen November wollten Eltern der Gründauschule Luftreiniger für die Klassenzimmer anschaffen, scheiterten jedoch am Main-Kinzig-Kreis als Schulträger.

Langenselbold – Der Kreis hält nämlich mobile Luftreinigungsgeräte für ungeeignet, „verbrauchte Raumluft abzuführen beziehungsweise Frischluft von außen heranzuführen“, wie die Kreis-Pressestelle auf Anfrage ausführte. Sie beruft sich dabei auf das Umweltbundesamt, das empfiehlt, keine Luftreiniger einzusetzen (siehe LZ vom 13. November 2020).

Atmosphärenforscher der Frankfurter Goethe-Universität sehen dies jedoch beispielsweise ganz anders. Sie haben laut eines Berichts auf der Uni-Homepage herausgefunden, dass „Luftreiniger der Filterklasse HEPA (H 13) die Aerosolkonzentration in einem Klassenzimmer in einer halben Stunde um 90 Prozent“ senken könnten.

Antrag der Freien Wähler abgelehnt, CDU-Änderungsantrag angenommen

Nun hatten die Freien Wähler einen Antrag zur vergangenen Stadtverordnetenversammlung gestellt, in dem sie den Magistrat beauftragen wollten, Luftfilteranlagen für alle Selbolder Kindertagesstätten zu beschaffen. Diese Beschlussvorlage fand allerdings keine Mehrheit im Stadtparlament, wurde von CDU und SPD abgelehnt.

Eine Mehrheit – gegen die Stimmen der Sozialdemokraten – fand jedoch ein Änderungsantrag der CDU zur Vorlage der Freien Wähler. Demnach wurde der Magistrat beauftragt, den Bedarf und die Kosten an Luftfilteranlagen zu ermitteln. Diese Bedarfserhebung soll sich auf alle städtischen Kitas und jene der freien Träger, auf den Hort Uferstraße, die Kinderkrippe „Löwenzahn“, die „Honigbienchen“ sowie die Unterbringung im Waldkindergarten beziehen. Berücksichtigt werden sollen bei der Erhebung der Kosten neben der Anschaffung und dem Einbau auch die notwendigen baulichen Maßnahmen, um den Einbau überhaupt ermöglichen zu können.

Planungsausschuss berät am 9. Februar

Die weitere Vorgehensweise soll nach dem Bericht der Ergebnisse im Planungsausschuss (PBSA) mit einer Empfehlung an das Stadtparlament besprochen werden, heißt es in dem verabschiedeten Antrag der Christdemokraten. Die PBSA-Sitzung ist nun bereits für Dienstag, 9. Februar, geplant (siehe neben stehende Meldung).

CDU-Fraktionschef Gerhard Mohn führt in der Begründung des Änderungsantrags aus, dass die Christdemokraten das Ansinnen der Freien Wähler mittragen. Sie wollen allerdings alle Gebäude mit Kinderbetreuung „unter der Regie der Stadt Langenselbold und der freien Träger“ miteinbeziehen. Außerdem würden einige unterschiedliche Systeme an Luftfiltern angeboten, über die sich die Verwaltung nun kurzfristig bezüglich deren „Geeignetheit und Effizienz informieren sollte, damit eine zügige Umsetzung erfolgen kann“. Kosten und Folgekosten müssten schließlich in entsprechender Höhe im Haushalt 2021 eingearbeitet und durch das Stadtparlament beschlossen werden.

Parlament soll dann am 22. Februar entscheiden

Die Freien Wähler hoffen nun, dass der PBSA dem Stadtparlament den Kauf der Luftfilteranlagen empfehle, damit dieser dann durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 22. Februar vorgenommen werden kann. Denn laut FW-Fraktionschefin Christiane Kapp laufe „Langenselbold im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit davon. Schließlich geht es bei der Entscheidung um die Gesundheit der Kinder und des Personals in Zeiten der Corona-Pandemie. Und da zählt jeder Tag“.

In Richtung der ablehnenden Skepsis der Selbolder Sozialdemokraten, die die Ansicht des Kreises teilen und sich ebenfalls auf das Umweltbundesamt beziehen, verweist Kapp auf das SPD-geführte Hanau. Dort seien bereits in drei Schulen UV-C-Luftfilter eingebaut oder bestehende Umluftgeräte nachgerüstet worden. Es handele sich dabei um Luftfilter der Firma Heraeus Noblelight, die mithilfe von ultraviolettem Licht Coronaviren direkt abtöten sollen. Nach der Erprobungsphase wolle die Stadt Hanau nun entscheiden, ob und wo weitere UV-C-Luftreiniger nötig seien.

So rät die FW-Fraktionsvorsitzende den Selbolder Genossen, sich mit ihren Hanauer Parteifreunden in Verbindung zu setzen. „Vielleicht kommen wir dann im Ausschuss zu einer einmütigen Entscheidung und Empfehlung“, hofft Christiane Kapp abschließend.

Von Lars-Erik Gerth

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