Langenselbold

IG Metall-Mitglieder stimmen für Kompromiss mit Thermo Fischer

Mit mehreren Warnstreiks und einer Demonstration, die im vergangenen Oktober durch die Selbolder Innenstadt führte, hatten IG Metall, Betriebsrat und Mitarbeiter rund 21 Monate gegen den Abbau von zunächst 100 Arbeitsplätzen am Standort Langenselbold gekämpft. Archivfoto: Lars-Erik Gerth

Langenselbold. Am vergangenen Freitag haben die IG Metall-Mitglieder bei Thermo Fisher in Langenselbold im Rahmen einer Mitgliederversammlung über den zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber ausgehandelten Kompromiss beraten und darüber abgestimmt.

Zuvor hatte die betriebliche Tarifkommission die Annahme des Verhandlungsergebnisses empfohlen.

Im Rahmen der Versammlung erläuterte der Betriebsratsvorsitzende Walter Heidenfelder den abgeschlossenen Kompromiss im Detail. In der anschließenden kontroversen Diskussion wurde deutlich, dass der ausgehandelte Interessenausgleich und Sozialplan bei den Gewerkschaftsmitgliedern nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt.

Positive Punkte überwiegen

Trotzdem hätten bei der Bewertung die positiven und gemeinsam durchgesetzten Punkte des Kompromisses überwogen. Neben hohen Abfindungsregelungen sei es gelungen, 20 Arbeitsplätze am Standort zu sichern und den Arbeitsplatzabbau über 21 Monate hinauszuzögern. Ohne den gewerkschaftlichen Widerstand und dem konsequenten Handeln von Betriebsrat und Belegschaft hätte der Konzern innerhalb weniger Wochen die geplanten Verlagerungen umsetzen können, so die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung.

Im Rahmen der Abstimmung votierten die IG Metall-Mitglieder mehrheitlich dafür, die Sozialtarifforderungen, mit dem zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber abgeschlossenen Interessenausgleich und Sozialplan, als erledigt anzusehen. Mit diesem Votum seien die aufgestellten Sozialtarifforderungen offiziell zurückgezogen.

Hierzu erklärt Robert Weißenbrunner, erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda: „Wir hatten das Ziel mit unseren gewerkschaftlichen Aktivitäten so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Sollte es dabei dennoch zu Arbeitsplatzabbau kommen, wollten wir das für den Arbeitgeber so teuer wie möglich gestalten.“ Zwar konnten mit den vielfältigen gewerkschaftlichen Aktivitäten die vom Thermo Fisher-Konzern geplanten Verlagerungen nicht komplett verhindert werden: Die 20 erhaltenen Arbeitsplätze seien aber ein wichtiger Teilerfolg.

Dank für breite Unterstützung

Das Ziel, den Arbeitsplatzabbau für den Konzern so teuer wie möglich zu machen, sei definitiv erreicht worden. „Sicherlich waren die Erwartungen an den Erhalt von Arbeitsplätzen am Standort höher, aber die durchgesetzten Abfindungen und bezahlten Freistellungen hat es in dieser Höhe und Umfang im Thermo Fisher-Konzern bisher noch nicht gegeben.“

Der Dank gelte allen IG Metall-Mitgliedern bei Thermo Fisher in Langenselbold für die nicht alltägliche Entschlossenheit und Kraft, die sie in diese über 21-monatige Auseinandersetzung gesteckt haben. „Auch für die in dieser breiten Form beispiellosen und parteiübergreifenden Unterstützung der gewerkschaftlichen Aktivitäten aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik wollen wir uns nochmals ausdrücklich bedanken“, erklärt Robert Weißenbrunner am Schluss seiner Erklärung. fmi

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Quelle: Hanauer Anzeiger

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