Kettensägen-Kunst

Bauhofmitarbeiter Johannes Wilberg verwandelt Baumstümpfe in Skulpturen

Waldkünstler Johannes Wilberg verwandelt mit seiner Motorsäge Baumstümpfe in beeindruckende Skulpturen und Figuren.
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Der Waldkünstler Johannes Wilberg verwandelt mit seiner Motorsäge Baumstümpfe in beeindruckende Skulpturen und Figuren.

Starker Borkenkäferbefall hat vielen Bäumen am Langenselbolder Ho-Chi-Minh-Pfad den Garaus gemacht - sie mussten gefällt werden. Aber der Bauhofmitarbeiter Johannes Wilberg hat es nicht übers Herz gebracht, die Bäume restlos verschwinden zu lassen. Der Mann mit der Kettensäge hat sich darum etwas besonderes ausgedacht.

Langenselbold – Der Ho-Chi-Minh-Pfad war ein Netz von Straßen und anderen Verkehrswegen, das einst Nord- und Südvietnam über Laos und Kambodscha miteinander verband. Der Name leitete sich von Ho-Chi-Minh ab, der von 1945 bis 1969 Präsident von Vietnam gewesen ist. Das Straßennetz des Ho-Chi-Minh-Pfades führte hauptsächlich durch dichte, dunkle Wälder und war somit nicht aus der Luft zu erkennen. Wahrscheinlich waren es diese Eigenschaften, die dem Weg an der Langenselbolder Lache zwischen der Kinzigstraße in Höhe der Autobahnauffahrt nach Fulda und der Straße Auf der Sieb im Volksmund seinen Namen verliehen haben. Denn der etwa 500 Meter lange Pfad führt durch ein Waldstück, das bislang auch mit hohen Bäumen dicht bewachsen und somit auch am Tage sehr dunkel gewesen ist.

„Carving“ nennt sich der Vorgang, mit der Kettensäge Kunstwerke zu erschaffen.

Baumstümpfe wurden belassen

Durch starken Borkenkäferbefall mussten jedoch kürzlich viele der Bäume entlang des Wegs gefällt werden. Johannes Wilberg ist als Mitarbeiter des städtischen Bauhofes auch für die Baum- und Gehölzpflege zuständig. So rückte er vor einigen Wochen mit der Motorsäge an. Ihm tat es jedoch in der Seele weh, die Bäume entlang des Weges dem Erdboden gleich machen zu müssen, wie er im LZ-Gespräch berichtet. Nach Absprache mit seinem Chef entschied er sich deshalb dazu, die zu fällenden Bäume nicht in Bodenhöhe, sondern in etwa einem Meter Höhe abzusägen. Die Stümpfe, die nun aus dem Boden ragen, verwandelt er nun nach und nach in kleine und auch größere Kunstwerke.

Auch dieses Häuschen hat Johannes Wilberg aus einem Baumstumpf gezaubert.

Ein Hobby von Johannes Wilberg ist nämlich das „Carving“, bei dem mithilfe einer Kettensäge Figuren und Skulpturen aus einem Holzstamm herausgearbeitet werden. Manchmal dauert es mehrere Tage, bis ein solches neues Kunstwerk fertig ist, denn Wilberg nimmt diese Arbeit in seinen Pausen oder nach Feierabend in Angriff.

Dieses ausdrucksvolle Gesicht kann ebenfalls am Ho-Chi-Minh-Pfad bewundert werden.

Ein Dutzend Kunstwerke bereits am Wegesrand

Selbst für einen einfachen Pilz braucht er so mindestens zwei Stunden. Nach dem Sägen wird alles glatt geschliffen und abschließend geflämmt, damit es länger hält und nicht so schnell verwittert. Die Inspiration für seine Skulpturen holt sich der 43-jährige Selbolder zumeist aus dem Internet oder setzt auch eigene Ideen um. Ein Dutzend kleiner Kunstwerke ist so bereits an dem Weg an der Lache entstanden. Wenn es seine Zeit zulässt, sollen in den nächsten Wochen noch einige dazu kommen.

Am Ho-Chi-Minh-Pfad im Wald an der Lache findet man Johannes Wilbergs Kunstwerke.

Auf die Frage, ob er auch Auftragsarbeiten übernimmt, antwortet Wilberg mit einem klaren „Nein!“ Er habe Freude an seiner Arbeit beim Bauhof und das „Carving“ sei ein schönes Hobby, das es auch bleiben soll.

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