Langenselbold

Nach Insolvenzanmeldung: Kreis bezahlt Busfirma Sprit

Dank der Tankfüllung, die der Main-Kinzig-Kreis ermöglicht hat, startet dieses Fahrzeug der Firma Dein Bus gestern am Ringcenter in Langenselbold zum Bahnhof der Gründaustadt. Foto: Axel Häsler

Langenselbold. „Wir haben der Firma Dein Bus den Sprit bezahlt, sonst hätten die Busse gar nicht fahren können“, informiert John K. Mewes, Pressesprecher des Kreises. „Das Geld holen wir uns aber wieder“, sagt Mewes bestimmt.

Von Torsten Kleinerüschkamp, Jan-Otto Weber und Lars-Erik Gerth

„In der Gemengelage ist das aber eine absolute Nebensache“, betonte er. „Dass wir den Sprit bezahlt haben, ist eine kurzfristige Intervention, aber nicht die Regel.“

Dass der Kreis in die Bresche springt und mit Geld seiner Bürger als Vorschussleistung und im Vertrauen auf das Rückzahlen Busse eines Privatunternehmens auftankt, das Insolvenz angemeldet hat, ist schon ziemlich ungewöhnlich. Mewes ist nicht müde zu betonen, dass das Tanken angesichts des finanziellen Volumens, um das es da geht, wahrlich „nur eine geringe Rolle spielt“.

„Wichtig ist es, zu schauen, wie man jetzt wieder eine Struktur hinbekommt. Wir arbeiten eng mit dem Insolvenzverwalter zusammen. Wir gehen davon aus, dass der Betrieb, wie er im Fahrplan vorgesehen ist, normal weiterläuft“, heißt es aus der Kreispressestelle weiter.

Chaotische Verhältnisse in Rheinland-Pfalz nach Insolvenz von Dein Bus

In Rheinland-Pfalz hingegen hat die drohende Insolvenz von Dein Bus zu chaotischen Verhältnissen gesorgt. So sind in der Verbandsgemeinde Kirchberg im Hunsrück in den vergangenen Tagen einige Buslinien gar nicht gefahren, warteten vor allem viele Schüler zum Schulstart Anfang der Woche vergeblich auf ihre Busverbindungen.

Dass die Situation im Main-Kinzig-Kreis besser ist als im Hunsrück liegt laut Mewes an den hiesigen Subunternehmen, insbesondere an dem Langenselbolder Busunternehmen Heuser. Dein Bus mit Sitz in Offenbach und Heuser hatten im vergangenen Jahr das Linienbündel „Sechs, Teil 2“ (Gelnhausen – Langenselbold) erhalten.

Lange Vorgeschichte

Der Konflikt hat eine längere Vorgeschichte. Das Unternehmen Viabus hatte über eine europaweite Vergabe auch die Selbolder Linie zugesprochen bekommen und sich dabei gegen Heuser durchgesetzt. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres war es im Kreis allerdings zu chaotischen Verhältnissen im Busverkehr vieler Linien gekommen, die von Viabus betrieben wurden.

Zudem hatten die im Vergabeverfahren unterlegenen Busfirmen Einspruch eingelegt, sodass Viabus nur interimsmäßig die Linien betreiben durfte. Bevor es zu einer endgültigen Entscheidung der Vergabekammer kam, hatte sich Viabus – wohl auch wegen der anhaltenden Kritik der Kunden und aus der Politik – jedoch zurückgezogen. Somit kamen Dein Bus und dessen Subunternehmen Heuser nun zum Zuge.

Hinter den Kulissen gibt es seit Montag fieberhafte Bemühungen, damit der Busverkehr weiter auf den Linien MKK 54 (Langenselbold – Hanau), 56 (Langenselbold Bahnhof–Ronneburg-Altwiedermuß Post– Langenselbold, Käthe-Kollwitz-Schule) und 57 (Langenselbold – Hammersbach-Langen-Bergheim) normal rollen kann.

Kreis versichert: Verkehr rollt normal

Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann (CDU) hat gestern offiziell erklärt: „Trotz der Insolvenz der Bietergemeinschaft VBN Verkehrsbetriebe Nagoldtal GmbH und Dein Bus Verkehrs-GmbH wird der betreffende Busverkehr zunächst in gewohnter Weise weiterlaufen können.“

Der Insolvenzverwalter habe den fortgesetzten Betrieb zugesagt. Gestern habe außerdem in den Räumen der KVG ein „Sondierungsgespräch“ mit dem Verkehrsdezernenten Ottmann, mehreren Juristen sowie Vertretern der Heuser Omnibusunternehmen GmbH undamp; Co. KG stattgefunden.

Aufrechterhaltung des Verkehrs auf den Buslinien hat oberste Prioriät

Oberste Priorität habe laut Ottmann die Aufrechterhaltung sowohl des Schülerverkehrs als auch des „Jedermannverkehrs“ auf den genannten Linien. „Nach einer ersten Einschätzung sind derzeit zwar keine Auswirkungen für die Fahrgäste zu erwarten, dennoch wurden für unterschiedliche Szenarien mögliche Lösungen besprochen, die nun geprüft werden“, hieß es.

Laut Ottmann „ist die KVG am Montag, 12. August, erstmalig für die aktuelle Woche mit einer Kautionszahlung für das Tanken der Fahrzeuge der Firma Dein Bus in Vorlage getreten und wird diesen Betrag bei der nächsten Rechnung wieder in Abzug bringen“. „Diese Maßnahme diente der Sicherstellung des Betriebes, um das weitere Betanken bei der Firma Heuser zu gewährleisten“, so Ottmann.

Das Unternehmen Heuser hat gestern auf die Bitte unserer Zeitung, eine Stellungnahme abzugeben, nicht reagiert.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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