Langenselbold

Nach Vorsitz-Rücktritt: Michelle Heck nennt erstmals die Gründe

Michelle Heck hat sich nun erstmals zu ihrem Rücktritt geäußert. Foto: Mike Bender

​Langenselbold. Es gab Offerten, das Mandat mitzunehmen und für eine andere Partei tätig zu werden. Michelle Heck sagte „Nein“. Ihr Rücktritt vom CDU-Fraktionsvorsitz in Langenselbold und ihr Rückzug aus der Kommunalpolitik sind definitiv. Jetzt hat sich die 24-Jährige erstmals öffentlich über ihre Beweggründe geäußert.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Über den überraschenden Rücktritt der CDU-Fraktionsvorsitzenden Michelle Heck und die Rückgabe ihres Stadtverordnetenmandats gab es bisher nur Erklärungen Dritter, aber bisher keine Stellungnahme der Betroffenen selbst. Gestern hat die Mutter zweier Kinder über ihre Motive gesprochen. Heck nannte den öffentlichen Kommentar von Bürgermeister Jörg Muth über ihren Rücktritt als nicht zutreffend. Muth hatte Verständnis geäußert, dass es schwierig sei, Politisches, Berufliches und Privates miteinander in Einklang zu bringen.

„Das ist war in meinem Fall nicht so. Es ist zwar richtig, dass mich der Beruf stark einspannt. Ich hatte aber einen guten familiären Rückhalt, weshalb die Darstellung Muths falsch ist“, sagte sie.

Nicht erfüllte Erwartungen hatten eine Rolle gespielt

„Ich habe mich stark in der Kommunalpolitik zu Hause gefühlt und war immer mit 100 Prozent dabei. Ich bin durch meinen Beruf als Geschäftsführerin eine andere Arbeitsweise gewohnt“, sagte die Christdemokratin, die aber der Partei als Mitglied die Treue halten will. Allerdings spricht sie selbst von einem „Abschied aus der Kommunalpolitik“.

„Die Art und Weise der politischen Arbeit hat nicht mehr meine Erwartungen erfüllt“, so Heck. „Ich habe mich zum Ende hin nicht mehr aufgehoben gefühlt.“ Die nicht erfüllten Erwartungen seien der Grund für den Rücktritt gewesen. „Als Geschäftsführerin hat man ein anderes Standing, Mitarbeitern kann man sehr viel mehr vorgeben. In der Politik zählt vielmehr das Miteinander, zumal die Leute ja ehrenamtlich tätig sind.“

Betroffene hatten oft private Gründe genannt

Das funktioniert in der Politik nicht so wie in der Firma. Dort kann man ja einfach einen Arbeitsauftrag XYZ zuerteilen. In der Politik sei das mehr ein gemeinsamer Prozess. „In mancherlei Hinsicht war die Bereitschaft mancher in der Fraktion zur Mitarbeit nicht mehr so gegeben“, beklagte sie.

Betroffene hätten oftmals private Gründe genannt, zum Beispiel, dass sie in der Uni stark eingebunden seien. Das Beklagen von mangelnder Bereitschaft zur Mitarbeit sei allerdings ihrer Darstellung nach ein „sehr schmaler Grat“. Selbstkritisch räumte sie ein: „Vielleicht liegt es auch an meiner Person oder an der aktuellen und angespannten Situation des Bürgermeisterwahlkampfs.“

„Das wäre auch mein Wunsch gewesen“

Ihr persönliches Fazit lautet: „Wir sind nicht so vorangekommen, wie ich mir das gerne gewünscht hätte.“ Sie selbst sei in ihren Anfangstagen anderes aus der CDU gewohnt gewesen, als alle hinter einer Person gestanden hätten. „Da ging es damals auch vorwärts.“ Sie sei damals beeindruckt gewesen von den Reden des ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Matt, des CDU-Vorsitzenden Josef Tanzer, von Bürgermeister Heiko Kasseckert (CDU) oder auch den Ansprachen von Muth. Matt habe stets überzeugend von „Legionen, die da voranmarschieren“ gesprochen.

„Das wäre auch mein Wunsch gewesen“, bedauerte sie. Allerdings versuche der CDU-Bürgermeisterkandidat Tobias Dillmann die Langenselbolder Christdemokraten zu einen. „Die entscheidende Frage ist, wie es um die Bereitschaft in den eigenen Reihen bestellt ist, Dillmann auch zu unterstützen“, sagte sie. Sie wolle das aber an dieser Stelle nicht öffentlich bewerten. „Das muss jeder für sich selbst erkennen und entscheiden“, hieß es. Anhand der Pressemeldungen der vergangenen Monate könne man sich auch ein eigenes Bild machen. Bei den Mitgliederversammlungen hat es ja gegenseitige Angriffe gegeben.

Viele Optionen für den Vorsitz gebe es nicht mehr

Michelle Heck begründete ihren jetzigen Schritt, sich erst jetzt öffentlich zu äußern, mit diesen Worten: „Ich bin kein Freund davon, in emotionalem Zustand irgendwelche Sachen zu sagen. Das war für mich auch selbst sehr schwierig, weil ich ja Kommunalpolitik eigentlich als leidenschaftliche Sache gesehen habe. Es war ein schwerer Schritt zu sagen, ich höre komplett auf. Ich wollte einfach nicht überstürzt in eine Situation reingehen und Dinge sagen, die ich nachher bereue. Ich bin kein Freund von verbrannter Erde.“

„Ich schaue mir jetzt an, wie sich die Langenselbolder CDU weiter entwickelt. Ich bin durch und durch CDUler, auch wenn der eine oder andere bei mir angeklopft und gefragt hat, ob ich nicht doch das Mandat mitnehmen und für eine Partei tätig werden möchte.“ Zur Frage, wer ihr Nachfolger an der Fraktionsspitze werden könnte, sagte sie: „Über neue Kandidaten für den CDU-Fraktionsvorsitz wird derzeit ja viel gemunkelt. Wir kennen ja auch alle über die Besetzung der Fraktion Bescheid. Wir wissen dann auch, wer da in Frage käme. Allerdings: Viele Optionen gibt's da aber nicht mehr.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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