Luftfilteranlagen: Parlament wieder am Zug

Bauamtsleiter stellt Bedarf und Kosten für Selbolder Kitas vor

Bauamtsleiter Thomas Wagner (Zweiter von links) informierte den Planungs-, Bau- und Sicherheitsausschuss über Bedarf und Kosten von Luftfilteranlagen für die Selbolder Kindertagesstätten.
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Bauamtsleiter Thomas Wagner (Zweiter von links) informierte den Planungs-, Bau- und Sicherheitsausschuss über Bedarf und Kosten von Luftfilteranlagen für die Selbolder Kindertagesstätten.

Der Einsatz von Luftfilteranlagen zur Beseitigung von Viren in geschlossenen Räumen sei zwar wissenschaftlich erwiesen, „aber für die Praxiserprobung gibt es noch keine entsprechenden Belege“, informierte Langenselbolds Bürgermeister Timo Greuel (SPD) in der Sitzung des Planungs-, Bau- und Sicherheitsausschuss (PBSA).

Langenselbold – Bereits in der letzten Stadtverordnetenversammlung hatten die Freien Wähler beantragt, sämtliche Selbolder Kindertagesstätten mit mobilen Luftfilteranlagen auszurüsten. Mehrheitlich angenommen wurde damals – wie berichtet – jedoch ein Antrag der CDU, dass zunächst Bedarf und Kosten im Ausschuss ermittelt werden sollten.

Das ist am Dienstagabend geschehen. Interessiert folgten die Ausschussmitglieder den Ausführungen von Bauamtsleiter Thomas Wagner. „Zunächst wurde Einsicht in die Planungsunterlagen aller Kitas genommen, um den Bedarf zu ermitteln“, so Wagner. Danach ergäben sich für die städtischen Kitas insgesamt 73 Räume. Hinzu kämen noch einmal 41 Kita-Räume der Freien Träger. Sämtliche Räume mit Luftfilteranlagen auszustatten, würde insgesamt 350 000 Euro kosten, zuzüglich jährlicher Wartungskosten in Höhe von 47 000 Euro.

Wagner bezieht sich auf Aussagen des Umweltbundesamtes

Das sei auch gar nicht notwendig, beruhigte Wagner, da das Umweltbundesamt im November 2020 in einer Stellungnahme der Kommission Innenluftraumhygiene vom Einsatz einfacher Luftfilteranlagen eher abgeraten und regelmäßiges Fensterlüften als prioritäre Maßnahme empfohlen hatte. Sollten sich Fenster nicht genügend öffnen lassen, seien diese Räume aus innenhygienischer Sicht nicht als Gruppenräume beziehungsweise Aufenthaltsräume geeignet. Sofern sie mangels Alternativen doch als solche genutzt werden, könne in Ausnahmefällen der Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte erwogen werden. In den zehn Langenselbolder Kitas sind sämtliche Gruppen- und Personalräume mit Fenstern ausgestattet. Lediglich Foyers und Spielräume sind davon ausgenommen.

Unter Berücksichtigung dieser Fakten ermittelte das Fachamt einen Bedarf von elf Luftfilteranlagen für die städtischen Kitas und acht für diejenigen in freier Trägerschaft. Um weitere Einbaukosten zu vermeiden, empfahl Wagner den Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte zum Preis von 3023,64 Euro brutto pro Stück.

Gespräche mit Freien Trägern müssen noch geführt werden

Das bedeute Anschaffungskosten von 33 260,04 Euro und jährliche Unterhaltungskostenkosten von 4345 Euro für die städtischen und 24 189,12 Euro plus 3160 Euro für die freien Kitas. Allerdings seien mit den Freien Trägern noch keine Gespräche über den Einsatz von Luftreinigungsgeräten geführt worden, räumte Wagner ein. Finanziert werden könnten die Geräte aus dem landesweiten Förderprogramm „Hessens gute Zukunft sichern“, aus dem der Main-Kinzig-Kreis den Kommunen anteilig pro Kitagruppe maximal 1727,33 Euro zur Verfügung stelle. Bei einer Anzahl von 25 städtischen Kitagruppen könne die Stadt bis zu 43 183,25 Euro erhalten. Die zur Verfügung gestellten Mittel dürften nach eigener Priorisierung für Schutzmaßnahmen verwendet werden. Der Förderantrag und die Verwendungsnachweise müssten allerdings bis zum 31. März 2021 erfolgen.

„Als langfristige und nachhaltige Verbesserungsmaßnahme schlägt das Fachamt jedoch vor, alle Kindertagesstätten mit sogenannten raumlufttechnischen (RLT)- Anlagen nachzurüsten“, so Wagner. Mobile Luftreinigungsgeräte sollten nur im absoluten Ausnahmefall als kurzfristige Maßnahme eingesetzt werden. Das nahm Patrick Heck (CDU), der in Vertretung von Roland Sahler die Sitzung leitete, zum Anlass, nachzufragen, ob denn auch RLT-Anlagen aus dem Förderprogramm finanziert würden. Prinzipiell sei das erlaubt, aufgrund der kurzfristigen Antragsstellung bis zum 31. März jedoch unrealistisch, antwortete Timo Greuel. SPD-Stadtverordneter Bernd Kaltschnee informierte, dass im neuen Haushaltsentwurf bereits 40 000 Euro für den Einbau neuer RLT-Anlagen veranschlagt seien. Das bezöge sich aber nur auf Hallen, die von Vereinen genutzt würden.

RTL-Filter würden zusätzliche 40 000 Euro kosten

„Die Nachrüstung von Kitas mit RLT-Filtern kostet zusätzlich 40 000 Euro. Da müsste entsprechend nachjustiert werden“, so Wagner. Obwohl es über den Einsatz mobiler Luftfilteranlagen noch keine gesicherten praxiserprobten Erkenntnisse gäbe, sprach sich der Bürgermeister für die, wie er betonte, kostenneutrale Lösung aus. Bernd Kaltschnee rief auf, das Gespräch mit den Trägern der freien Kitas zu suchen, ob diese den Weg mitgehen würden.

Nach Hecks Beschlussempfehlung wurde einstimmig beschlossen, den Antrag als Verweisungsantrag zurück an die Stadtverordnetenversammlung zu geben und dort als Tagesordnungspunkt auf die Einladung zu setzen.

Von Claudia Raab

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