Langenselbold

Rückhaltebecken verbessert Hochwasserschutz für Langenselbold

Das Hochwasserrückhaltebecken ist in der Realisierung, auf Höhe etwa der Schlossmühle im Norden des Stadtgebiets. Foto: Habermann

Langenselbold/Gründau. Das Hochwasserrückhaltebecken II ist in der Realisierung, auf Höhe etwa der Schlossmühle im Norden der Stadt. Benjamin Bihn vom Ökobüro Gelnhausen, ist ökologischer Baubegleiter für das gesamte Vorhaben mit einer Dammlänge von stattlichen 325 Metern.

Von Rainer Habermann

Wir treffen Bihn an der bereits gerodeten Fläche nahe der Brücke über den Mühlgraben, der sich parallel zum Flüsschen Gründau hier und parallel zur L3271 zwischen Selbold und Niedergründau entlangzieht. Auch er führt Wasser, und auch er ist in den Hochwasserschutz einbezogen. Unsere Zeitung hatte kürzlich über die Planungen und Stadtverordnetenbeschlüsse berichtet, die den Ausgangspunkt für das Rückhaltebecken II (RHB II) bilden. Heute sind die ökologischen Begleitumstände dran.

Der Geograf und Planungsingenieur für Umweltverträglichkeit ist 35 Jahre alt und Vater zweier Jungs. Bihn ist von Bruchköbel, wo er auch Jugendfußballtrainer war, kürzlich ins beschaulichere Gründau umgezogen und liebt seinen Job beim Gelnhäuser Büro nicht nur: er lebt ihn auch. „Das ist ein Job, wie ich ihn mir vorstelle. Ich bin meistens in der freien Natur, kann mich um Belange des Naturschutzes kümmern und gleichzeitig auch mit den verschiedenen Baufirmen gut umgehen“, verrät er unserem Reporter.

Auch Fische sind von Maßnahmen betroffenUnd ebenso einige Details, die nicht unbedingt ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Beispielsweise, dass auch die Fische in der Gründau von den Maßnahmen betroffen sind und selbstverständlich ebenfalls Schutz genießen. Das schreibt der Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetztes unter anderem vor, ebenso wie die Belange geschützter Tierarten à la Feldhamster, Fledermaus, Haselmaus, Amphibien und so weiter.

„Wir werden demnächst den Fischbestand abfischen und umsiedeln“, schildert Bihn die Pläne, um den Bestand auch wieder zurückführen zu können, nach den Baumaßnahmen. „Wir machen das mit einer Art 'Elektrofischen', wobei die Wasserbewohner kurzzeitig betäubt werden, um sie dann lebend transportieren zu können“, sagt der Ökomann. Flussabwärts sollen sie „zwischengelagert“ werden, frei von Gewässerstörungen durch Bagger, Laster undamp; Co.

Fluss erhält im Schnittbereich eine Art SchieberDenn auch für schwere Baumaschinen müssen Zugänge geschaffen werden, und ebenfalls von der Landesstraße quer zum Flusslauf. Der rund 2,70 Meter hohe und an seiner Sohle rund 26 Meter breite Damm muss natürlich die Gründau schneiden, um wirksam zu werden. Der Fluss erhält im Schnittbereich eine Art Schieber. Die nordöstliche Region vor dem Damm wird dann bei Extremregen das RHB II bilden, das alleine hier gut 240 000 Kubikmeter Wasser fassen kann.

Zur Orientierung: Das sind mehr als 240 Millionen Liter. Und die Dammkrone ist überströmbar angelegt.Das war vor einigen Jahren noch ein Novum in Hessen und mit ein Grund für die jahrelange Verzögerung bei den gesamten Planungen.

Auch Boden wird geschütztDoch nicht nur die Pflanzen und Tiere sind ein Schutzgut, auch der Boden ist eins. „Wir haben hier teilweise wertvollen Ackerboden. Und ich muss natürlich darauf achten, dass keine Öle oder sonstigen Flüssigkeiten aus Maschinen in den Untergrund gelangen“, zeichnet Bihn ein Bild seiner baubegleitenden Tätigkeit als ökologischer Bauleiter.

Dem Gehölzschutz wird ebenfalls Rechnung getragen, die Rodungen sind nur für die unmittelbaren Bau- und Verkehrsflächen erfolgt; dies im vergangenen Winter und somit außerhalb der Brut- und Setzzeiten geschützter Wildtiere.

Rodungen müssen ausgeglichen werdenDie Rodungen müssen über Ökopunkte ausgeglichen werden. Gemäß Hessischer Kompensationsverordnung in Form einer Eingriffs-Ausgleichs-Bilanzierung. Bestehende Gehölze werden auch gegen Beschädigungen durch Bagger oder Lkw mit Bauzäunen geschützt. „Außerdem bildet die Gründau einen regelrechten Jagdkorridor für Fledermäuse. Wir haben das über Ultraschall-Detektoren festgestellt“ erläutert Bihn.

„Insekten finden sich hauptsächlich über Fluss- und Uferbereichen, Fledermäuse ersetzen so manches Insektizid“, fügt er hinzu.

Voraussichtlich im Herbst sollen die Maßnahmen für das RHB II abgeschlossen sein, dann ist ab Frühjahr 2019 das RHB III flussaufwärts dran.

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