Selbold blüht

Bei der Aktion erhalten Bürger Blumensamen und Tipps

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Wer heute die abgeholten Samen in die Erde legt, hat gute Chancen, dass er sich im Sommer über eine solche Blumenpracht freuen kann.

Samstagmorgen in Langenselbold in Zeiten des Coronavirus. Aber im Schlosspark hat sich vor der Herrenscheune eine kleine Schlange gebildet. Etwa ein halbes Dutzend Personen steht vor einem Lastwagen und hört zwei Männern zu, die Tütchen mit Blütensamen verteilen und dazu  gärtnerische Tipps geben.

Im Rahmen der kommunalen Aktion „Selbold blüht“ geben Matthias Wissel, Biologe der Stadt Langenselbold und sein Kollege Johannes Wilbert kostenlos Blumensamen aus. Die Idee, Selbold durch Unterstützung privater Initiativen zum Blühen zu bringen, wurde nach einem gemeinsamen Antrag der SPD und CDU im Stadtparlament zur Teilnahme am Projekt „Main-Kinzig blüht“ geboren, informiert Wissel. „Aber bereits vor fünf, sechs Jahren haben wir angefangen, städtische Flächen, die nicht landwirtschaftlich verpachtet sind, in Blühflächen für Insekten umzuwandeln. 

In Kooperation mit einem Imker haben wir an der Hanauer Straße nahe der Lärmschutzwand 8000 Quadratmeter in einen Wiesenstreifen umgewandelt“, informiert der Biologe. Jetzt hofft er, dass mit ‧Unterstützung zahlreicher Hobbygärtner im Selbolder Stadtgebiet ein Netzwerk an farbenfrohen Insektentankstellen entsteht. Einige der Abnehmer haben bereits mehrere Versuche, ihren Garten naturnah zu gestalten, hinter sich. 

Ratschläge vom Fachmann und die Blumensamen gleich obendrein: Bei der Aktion „Selbold blüht“ kam jeder auf seine Kosten. Matthias Wissel (mit Kappe) steht den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite.

„Zuerst müssen Sie den Rasen abstechen und den Boden gut auflockern. Dann vermischen Sie den Samen mit Sand oder Holzspänen, damit er nicht zu dicht fällt. Wichtig ist auch, dass Sie die Samenkörner nicht mit Erde bedecken, denn es sind Lichtkeimer. Wenn die Temperaturen steigen, können Sie sie Ende März, Anfang April aussäen und gut angießen. Sind die Pflanzen gut angewurzelt, überstehen sie auch mehrere trockene Tage“, instruiert Wissel. „Wir hatten vorher nie einen Garten. Aber jetzt haben wir einen Schrebergarten angemietet und probieren das aus“, meint Rosemarie Wacker zuversichtlich. 

Päckchen Bieneweide-Saatgut reicht für etwa drei bis sechs Quadratmeter Gartenland

Mehr Erfahrung im naturnahen Gärtnern hat Familie Böhm. „Wir lieben Bienen und Vögel und haben einen naturnahen Garten. Ich bin Tagesmutter und mache mit den Kindern auch Naturprojekte. Letztes Jahr haben wir beim NABU Schmetterlingsraupen bestellt und sie mit einer Nährstofflösung aufgezogen. Es war ein Erlebnis für die Kinder, die Schmetterlinge beim Ausschlüpfen zu beobachten“, informiert Astrid Böhm. Weil Sandra Weiß nur einen Balkon zur Verfügung hat, möchte sie die Blumen in Kübel säen und hofft, dadurch Bienen anzulocken. Auch ansonsten bemüht sich die junge Frau um Natur- und Umweltschutz.

„Ich versuche Plastik zu vermeiden und lege den Schwerpunkt auf vegetarische Ernährung“, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Oliver Brambach hat in seinem Garten mehrere Insektenhotels installiert. Mit den Samen möchte er für Bienen und Käfer auch genügend Nahrung zur Verfügung stellen. Den ganzen Morgen herrscht vor der Herrenscheune ein reges Kommen und Gehen. Unermüdlich verteilen Wissel und Wilbert das Saatgut und informieren, was dabei zu beachten ist. „Wir sind hier seit halb neun, und jetzt, anderthalb Stunden später, haben wir bereits die Hälfte unserer 400 Päckchen verteilt“, so Wissel erfreut. Ein Päckchen Bieneweide-Saatgut reicht für etwa drei bis sechs Quadratmeter Gartenland. Jetzt hofft er, dass die Saat gut aufgeht und man zum Weltbienentag am 20. Mai schon erste Ergebnisse sieht.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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