Heimatmuseum kann Lücke in Altsteinzeit schließen

Selbolder Faustkeil mit über 500 000 Jahre alter Geschichte

Rainer Mende (Mitte) hat dem Selbolder Heimatmuseum unter anderem diesen über 500 000 Jahre alten Faustkeil übergeben. Maria Vetter und Dr. Manfred Keil freuen sich über den Zuwachs.
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Rainer Mende (Mitte) hat dem Selbolder Heimatmuseum unter anderem diesen über 500 000 Jahre alten Faustkeil übergeben. Maria Vetter und Dr. Manfred Keil freuen sich über den Zuwachs.

Das Langenselbolder Heimatmuseum hat zwar pandemiebedingt weiterhin geschlossen, aber natürlich gehen die Aktivitäten hinter den Kulissen weiter. Museumsleiterin Maria Vetter und ihr Team hoffen aber, dass diese für die Vermittlung der Selbolder Geschichte so wichtige Institution bald wieder für Besucher öffnen kann. Zuletzt musste die für 12. September geplante Museumsöffnung abgesagt werden.

Langenselbold - Dr. Manfred Keil vom Verein für Geschichte und Heimatkunde, der das Museum führt, erläuterte gegenüber dem HA die Gründe: „Wir können einfach Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen in den Museumsräumen personell nicht gewährleisten.“ Hinzu seien die wieder steigenden Corona-Inzidenzzahlen gekommen und zudem der Umstand, dass die für den 12. September geplante Veranstaltung „Kinzigtal Total“ pandemiebedingt ebenso abgesagt werden musste. In der Vergangenheit hatte das Heimatmuseum seine Öffnung im September immer mit dem publikumsträchtigen Radlersonntag gekoppelt.

Erste Führungen haben schon wieder stattgefunden

Immerhin fanden mittlerweile wieder – unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen – die ersten Führungen durch das Heimatmuseum statt. So waren im Juli 25 Fünft- und Sechstklässler der Käthe-Kollwitz-Schule zu Gast. Manfred Keil und Helmut Urban gewährten ihnen dabei spannende Einblicke in die Selbolder Geschichte.

Noch nicht bewundern konnten die jungen Besucher damals den neuesten Zuwachs an historischen Fundstücken, der eine wichtige Lücke schließt. Bisher war nämlich die Altsteinzeit (auch Paläolithikum genannt) kaum mit Selbolder Funden vertreten. Dem konnte nun durch die gute Verbindung des Vereins für Geschichte und Heimatkunde zum Gelnhäuser Archäologen Rainer Mende Abhilfe geschaffen werden.

Sammlung für erschwinglichen Preis erworben

„Wir sind Herrn Mende sehr dankbar, dass wir von ihm für einen erschwinglichen Preis die Sammlung der auf Selbolder Gemarkung gefundenen Steinartefakte aus der Altsteinzeit erwerben konnten“, dankte Dr. Keil dem Gelnhäuser Archäologen anlässlich eines Pressetermins im Heimatmuseum. Und diese Sammlung umfasst immerhin 13 Kartons mit zahlreichen Fundstücken.

Vor allem Mendes Vater Gerd war es, der in den 1960er Jahren an verschiedenen Stellen in Selbold Steinwerkzeuge und anderes fand, was seinen Ursprung im Paläolithikum hat. Zu diesen Fundorten zählten unter anderem der Weinberg, die Riedmühle, der Waldrand südlich des Rödelbergs, aber auch der Talrand zwischen Blinkenmühle und Bruderdiebacher Hof.

Bisher war die Altsteinzeit im Heimatmuseum mit nur wenigen Funden vertreten. Das wird sich durch die Sammlung von Gerd und Rainer Mende nun ändern.

Gerd Mende war damals unter anderem als ehrenamtlicher Kreispfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer im Kreis Gelnhausen tätig. Bei seinen archäologischen Begehungen wurde er auf Selbolder Gemarkung nicht zuletzt in der Grube Ravolzhausen fündig. Von dort stammt auch einer der ältesten Findlinge, den Museumsleiterin Maria Vetter nicht ohne Stolz gemeinsam mit Mende und Keil präsentierte. Der Faustkeil, der bereits Teil der Ausstellung im Heimatmuseum ist, ist zwischen 500 000 und 600 000 Jahren alt. Ein solcher Faustkeil diente bereits dem Homo erectus (dem Vorläufer des Neandertalers) als Universalgerät für viele Tätigkeiten, wie in der Vitrine zur Altsteinzeit nachzulesen ist.

Vor allem aus dem Mittelpaläolithikum (vor 300 000 bis etwa 40 000 Jahren) stammen viele Funde, da es in Selbold und Umgebung Quarzit-Vorkommen gibt und dieser der dominante Rohstoff der damaligen Zeit gewesen ist, wie Rainer Mende auch in einem Artikel über Funde in Wächtersbach ausgeführt hat. In der Nähe dieser Lagerstätten befinden sich oft noch heute Ackerflächen, auf denen sein Vater und er „tausende mittelpaläolithische Artefakte aufgelesen haben“.

Von Lars-Erik Gerth

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