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Selbolder CDU: Weg für Neuanfang ist frei

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Der Herausforderer Gerhard Mohn und spätere Sieger um das Amt des CDU-Parteichefs in Langenselbold (links) kündigt an, gegen Amtsinhaber Patrick Heck (rechts) antreten zu wollen. In der Mitte Steffi Gerk, die nach Mohns gewonnener Kampfabstimmung nicht für ein Vorstandsamt im Stadtverband zur Verfügung stehen wollte. (Foto: Kleine-Rüschkamp)
Der Herausforderer Gerhard Mohn und spätere Sieger um das Amt des CDU-Parteichefs in Langenselbold (links) kündigt an, gegen Amtsinhaber Patrick Heck (rechts) antreten zu wollen. In der Mitte Steffi Gerk, die nach Mohns gewonnener Kampfabstimmung nicht für ein Vorstandsamt im Stadtverband zur Verfügung stehen wollte. (Foto: Kleine-Rüschkamp)

Langenselbold. Eine Mehrheit der Langenselbolder CDU hat am späten Freitagabend für eine brachiale Notbremsung gesorgt. Die Bürgermeisterwahl 2020 im Blick, hat man auf Grund des Erfolgsdrucks kurzerhand und auf unsanfte Art und Weise den Stadtverbandsvorsitzenden ausgetauscht.

Von Torsten Kleine-Rüschkamp

Gerhard Mohn siegte gegen den amtierenden Patrick Heck mit 25 zu 23 Stimmen in einem zweiten Wahlgang einer Kampfabstimmung. Zunächst gibt es ein Patt von 24 zu 24 Stimmen. Doch dann ist klar: Der Weg für einen Neuanfang ist frei. Die überraschende Kampfkandidatur des CDU-Fraktionsvorsitzenden Gerhard Mohn und Revolte gegen den 29-jährigen Heck ist sorgsam vorbereitet worden. Mohn, langjähriger Vollprofi im kommunalpolitischen Geschäft, siegt auch in einem Kampf Alt gegen Jung.

„Persona non grata“ zum „Hauptbelastungszeugen“

Dass die Frustration über die Amtsführung Hecks im CDU-Stadtverband weit über die Stadtgrenzen hinaus in CDU-Kreise vorgedrungen ist, führt nun zu einem Eingreifen von außen. Dem Appell zur Veränderung folgte die Basis knapp, aber mehrheitlich. Der ehemalige Langenselbolder Bürgermeister und aktuelle CDU-Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert wirft dem jungen Stadtverbandsvorsitzenden Führungsprobleme und handwerkliche Fehler vor. Sein Appell hat seinen Ursprung in der „Sorge um die Partei“. Dass ausgerechnet eine „Persona non grata“ zum „Hauptbelastungszeugen“ gegen den Selbolder CDU-Parteichef wird, ist einem kleinen, aber äußerst wirksamen Wink Kasseckerts' zu verdanken. Der Landtagsabgeordnete kreidete Heck als Kardinalfehler an, Michael Reul, stellvertretender Kreis- und Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, nicht zur Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag der Langenselbolder CDU eingeladen zu haben.

Keine Privatveranstaltung

„Als sich Reul dennoch zum Kommen anmeldete, wurde er dann, ich glaube, von Steffi Gerk im Gespräch mit Patrick Heck, ausgeladen“, sagte Kasseckert. Er betonte, er sei mit Sicherheit der letzte, der für Reul eine Lanze brechen müsste, doch sei es nicht zu verzeihen, dass bei der akademischen Feier überhaupt keine Rede eines Vorstandsmitgliedes der CDU-Kreistagsfraktion vorgesehen gewesen sei. Heck habe Kasseckert am Veranstaltungstag gegenüber erklärt, dass Michael Reul eine „Persona non grata für die CDU Langenselbold“ sei. Heck habe ihm (Kasseckert) gesagt, „er entscheide, wen er zu seiner Feier der CDU Langenselbold einlädt oder nicht“.

„Ich teile diese Meinung nicht. Erstens ist das keine Privatveranstaltung der CDU Langenselbold, sondern ein Ereignis, bei dem wir den Leuten danken, die die Partei gegründet, aufgebaut, getragen und zu Mehrheiten geführt haben“, so der ehemalige Bürgermeister.

Schockiert über zerstrittene Fraktion

Weiterhin äußerte sich Kasseckert darüber befremdet, dass die CDU, die ja aus dem Nichts zur starken politischen Kraft wurde, nun zu ihrem 50. Jubiläum „kaum Gäste aus dem vorpolitschen Raum“ eingeladen hatte.

Kasseckert, der nach einem Schriftwechsel mit Heck vor geraumer Zeit zu einer gemeinsamen Fraktions- und Parteivorstandssitzung eingeladen wurde, äußert sich „erschüttert“ über seine dortiges Erlebnis. „Ich habe eine völlig zerstrittene Fraktion und Partei erlebt“, berichtet Kasseckert. Er habe der Versammlung die Frage gestellt: „Wie könnt ihr den Eindruck haben, mit diesem fehlendem Korpsgeist, dieser Rivalität, in wichtige Wahlausseindersetzungen zu gehen, darunter als wichtigste die Bürgermeisterwahl im Jahr 2020?“

"Parteivorstand ist mehr als ein Festausschuss"

Wenn es der CDU nicht gelinge, geschlossen in die Schlacht zu ziehen, sei alles verloren. Die nächsten zwei Jahre seien die entscheidenden Jahre für die Vorbereitung der Bürgermeisterwahl. „Wenn wir mit einer solchen desolaten Stimmung im Vorstand in die Schlacht ziehen, ist sie verloren“, prophezeite er.

Freilich sei Heck „extrem engagiert gewesen“ und habe „extrem viel organisiert“. „Aber ein Parteivorstand ist mehr als ein Festausschuss“, urteilt Kasseckert. Vorsitzender zu sein, bedeute, die Klammer um alles zu bilden. Der Landespolitiker sagte, er habe mehr Trennendes als Zusammengehörendes vorgefunden. „Wir brauchen eine Zäsur, wir brauchen einen Schnitt, eine Kombination von erfahrenen und jungen Leuten“.

Kandidat nicht der verlängerte Arm des Parteivorstandes

Die Auseinandendersetzung über die Personal- und Grundsatzdiskussion entbrannte vor dem Hintergrund einer breiten Diskussion um einen Antrag zu einem neuen Vorstansdsmodell. Letztlich hat auch ein großer Teil der Vorstandsmitglieder Heck die Gefolgschaft verweigert, und zwar in der Form, dass nicht wenige Vorstandssitzungen mangels Teilnehmer nicht beschlussfähig waren.

Gerhard Mohn sagte, dass bei einem Bürgermeisterwahlkampf zunächst in einem kleinen Kreis gearbeitet werde. Dann folge die Ausweitung auf eine Spirale, und am Schluss seien alle in einem Boot, um als Wahlkampfteam in die gleiche Richtung zu rudern. Bürgermeister Jörg Muth (CDU) sagte, ein Bürgermeisterkandidat müsse frei fungieren und agieren können in seinem Wahlkampf. Der Kandidat sei nicht der verlängerte Arm des Parteivorstandes. Der Vorstand habe disbezüglich keine Kontrolle auszuüben. „Da sträuben sich bei mir die Nackenhaare“, sprach Muth über Konstellationen, wie sie jetzt in der Partei entstanden seien.

Antrag auf Presseauschluss abgewiesen

Damit keine Interna aus dem derzeit exakt 117 Mitglieder zählenden Verband an die Öffentlichkeit dringen, stellte Michelle Heck, die später als neue Beisitzerin in den Vorstand gewählt wurde, den Antrag, die Presse auszuschließen. Dies scheiterte aber an einer großen Mehrheit der Parteimitglieder. Neu in den Vorstand als Beisitzer sind außerdem Tobias Dillmann und Christoph Obladen gewählt worden.

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