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SPD lässt CDU in der Gründaustadt weit hinter sich

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Von: Lars-Erik Gerth

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Gut gelaunt: Diese Wählerin trifft am Sonntag bei ihrer Stimmabgabe im Katharina-von-Bora-Haus in Langenselbold auf die lächelnden Wahlhelfer Lothar Bechtel (links) und Thorsten Fritsch.
Gut gelaunt: Diese Wählerin trifft am Sonntag bei ihrer Stimmabgabe im Katharina-von-Bora-Haus in Langenselbold auf die lächelnden Wahlhelfer Lothar Bechtel (links) und Thorsten Fritsch. © Axel Häsler

Die Sozialdemokraten haben auch bei der Bundestagswahl ihre Erfolgsserie in Langenselbold fortgesetzt. Nach der Rückeroberung des Bürgermeisteramts im Februar 2020 und dem Sieg bei der Kommunalwahl im vergangenen März konnte die SPD am Sonntag nun auch bei der Bundestagswahl nach längerer Zeit wieder Rang eins erobern. Bei den Zweitstimmen kamen die Genossen nach 24,2 Prozent vor vier Jahren diesmal auf 28,9 Prozent. Nur noch auf Platz zwei landete die CDU mit 21,1 Prozent (2017: 28,8).

Langenselbold – Auch auf Platz drei gab es einen Wechsel in der Gründuastadt, denn nun nimmt die FDP diesen Rang ein. Mit 13,5 Prozent (10,9) setzte sie sich knapp vor den Grünen mit 13,3 (7,9) Prozent durch. 2017 lag noch die AfD auf Platz drei, die damals auf 14,6 Prozent kam. Am Sonntag reichte es allerdings immer noch für 10,8 Prozent, was nicht nur die CDU-Fraktionsvorsitzende Monika Duderstadt sehr bedauerte.

Naturgemäß wenig Positives konnte sie auch dem Ergebnis ihrer Partei abgewinnen. „Das ist nach der Niederlage bei der Kommunalwahl erneut kein schöner Abend für die Langenselbolder Christdemokraten. Wir werden aber alle Anstrengungen mit unserer Politik hier vor Ort unternehmen, um wieder aus diesem Tal herauszukommen. Und ich denke, wir sind auch bereits auf einem guten Weg“, ist Duderstadt zuversichtlich. Und bezüglich der Regierungsbildung in Berlin sieht sie die CDU auch noch nicht in der Oppositionsrolle. „Eine ‘Jamaika’-Koalition ist durchaus im Bereich des Möglichen“, so die Selbolder Fraktionschefin der Christdemokraten.

Monika Duderstadt bedauert Katja Leikerts Verlust des Direktmandats

Besonders bedauerte Duderstadt den Verlust des Direktmandats für CDU-Kandidatin Katja Leikert. „Sie hat so eine engagierte Arbeit für unseren Wahlkreis geleistet. Das ist schon sehr schade. Ich hoffe, dass sie es aber über die Landesliste schaffen wird“, so Duderstadt am Sonntag im HA-Gespräch.

Bei den Erststimmen lag der SPD-Kandidat Lennard Oehl auch in Langenselbold klar vorne. Er kam auf 32,6 Prozent, womit er genau 0,1 Prozent unter dem Ergebnis von Sascha Raabe vor vier Jahren lag. Katja Leikert stürzte hingegen von 34,4 auf 25,6 Prozent ab. Eng wurde es im Rennen um Platz drei, das der Grüne Marcus Bocklet mit 11,6 Prozent knapp für sich entschied. Platz vier ging an den AfD-Bewerber Erich Willy Albrecht, der 11,0 Prozent auf sich vereinigte. Henrik Statz von der FDP wurde knapp dahinter Fünfter mit 10,5 Prozent.

Große Freude bei SPD-Chef Jürgen Schonlau

Groß war die Freude bei SPD-Parteichef Jürgen Schonlau, der sich nicht nur über das gute Ergebnis der Sozialdemokraten in Langenselbold freute, sondern auch darüber, dass Lennard Oehl den Wahlkreis gewinnen konnte. „Das ist ein tolles Ergebnis für diesen jungen Mann, der so einen engagierten Wahlkampf gemacht hat. Ich finde es super, dass er den Main-Kinzig-Kreis nun in Berlin vertreten wird“, wurde Schonlaus Begeisterung über Lennard Oehls Coup im Telefonat mit dem HA mehr als deutlich.

Vom Bundesergebnis war der Selbolder SPD-Chef hingegen ein wenig enttäuscht. „Da hätte ich einen deutlicheren Abstand von drei bis vier Prozent auf die CDU erwartet. Aber ich hoffe natürlich, dass die SPD als stärkste Partei nun auch mit Olaf Scholz den Kanzler stellen wird“, gab sich Schonlau insgesamt dennoch optimistisch, was die Regierungsbildung in Berlin angeht.

Grüne hätten sich noch mehr Zustimmung gewünscht

Ein wenig mehr Prozente hatte auch Cornelia Hofacker für die Grünen in Langenselbold und ebenso bundesweit erhofft. „Wir haben aber dennoch gegenüber der Wahl von 2017 sowohl im Bund als auch in Selbold deutlich zugelegt. Schade, dass es hier bei uns knapp nicht zum dritten Platz gereicht hat. Aber wir fühlen uns durch den Zugewinn von 5,4 Prozent auch in unserer Arbeit in Langenselbold bestätigt“, fiel das Resümee der Selbolder Grünen-Fraktionschefin dann doch positiv aus. Für die neue Regierung in Berlin setzt sie auf eine „Ampel“-Koalition, da sie kaum Gemeinsamkeiten zwischen CDU/CSU und ihrer Partei sieht.

Die Tendenz des Selbolder FDP-Parteichefs Christof Sack geht hingegen in Richtung „Jamaika“-Koalition. „Wir lehnen Steuererhöhungen vehement ab und sind auch weiterhin für die komplette Abschaffung des Solis. SPD und Grüne hingegen sehen beides ganz anders. Da erkenne ich kaum Spielraum für eine Zusammenarbeit. Bei einer Koalition mit CDU und Grünen sieht dies ganz anders aus“, ist Sack überzeugt.

FDP-Mann Christof Sack für „Jamaika“

Unabhängig davon freute sich Christof Sack am Sonntag sehr über das „tolle Ergebnis der FDP hier in Langenselbold“. Dies zeige, dass die Liberalen in der Gründaustadt auch bei Kommunalwahlen noch deutliche Ressourcen haben. Am 14. März kam die FDP hier nämlich „nur“ auf 6,2 Prozent.

Nur eine Nebenrolle spielten die Freien Wähler (FW) bei der Bundestagswahl. „Wir haben Plakate für unseren Kandidaten Christian Clauß aufgehängt, sonst aber keinen größeren Wahlkampf gemacht“, so die Selbolder FW-Fraktionsvorsitzende Christiane Kapp, die sich zusammen mit ihren Selbolder Mitstreitern in erster Linie auf die Kommunalpolitik in ihrer Stadt konzentrieren möchte.

Christiane Kapp freut sich für Lennard Oehl

Als positiv empfand sie es, dass mit Lennard Oehl ein „junger und sympathischer Kandidat“ das Direktmandat im Wahlkreis 180, zu dem auch Langenselbold zählt, geholt hat. „In Langenselbold hat sich auch die Tendenz der letzten Wahlen fortgesetzt, dass nun die SPD wieder die Nase vorn hat. Das begann mit der Wahl von Timo Greuel zum Bürgermeister und setzte sich bei der Kommunalwahl im März fort“, so die Fraktionschefin der Freien Wähler im Selbolder Stadtparlament.

Mit 77,9 Prozent lag die Wahlbeteiligung nur unwesentlich unter jener von 2017. Damals betrug sie bei der Bundestagswahl in Selbold genau 78,6 Prozent.

Von Lars-Erik Gerth

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