Langenselbold

Thermo Fisher: Erneuter Warnstreik vor zweiter Einigungsrunde

Durch das Spalier der sie anfeuernden Thermo-Mitarbeiter gingen die Vertreter von Betriebsrat und IG Metall gestern am frühen Nachmittag zum zweiten Termin der Einigungsstelle zur Auseinandersetzung um die geplante Verlagerung von rund 80 Arbeitsplätzen nach Ungarn und Schottland. Foto: Lars-Erik Gerth

Langenselbold. „Beim ersten Termin saßen wir viereinhalb Stunden zusammen. Diesmal denke ich, dass die Gespräche bis in den Abend hineingehen werden“, erwartete Robert Weißenbrunner gestern am frühen Nachmittag einen langen zweiten Termin der gerichtlich eingesetzten Einigungsstelle bei ThermoFisher.

Von Lars-Erik Gerth

Bis zum frühen Abend wurde dann auch zunächst nichts über den Verlauf des Treffens zwischen Thermo-Geschäftsführung und den Vertretern von Gewerkschaft und Betriebsrat bekannt.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda hatte sich zuvor gegenüber den rund 200 Thermo-Mitarbeitern, die zum dritten Warnstreik vor den Haupteingang des Selbolder Standorts gekommen waren, gewohnt kämpferisch gegeben. Allerdings ließ er durchblicken, dass er skeptisch sei, ob sich die Selbolder Thermo-Leitung nun „endlich kompromissbereit“ zeigen werde, um den Weg für eine gangbare Lösung für die rund 80 Mitarbeiter frei zu machen, die von der Arbeitsplatzverlagerung an die Standorte in Schottland und Ungarn betroffen sind.

Hoffnung auf Kompromisslösung

„Bis jetzt hat sich die Geschäftsführung keinen Millimeter bewegt. Und da sind wir jetzt langsam an dem Punkt, an dem wir mit Warnstreiks nicht weiterkommen. Da wird sich wohl erst etwas bewegen, wenn ökonomischer Druck kommt“, machte Weißenbrunner beim Warnstreik deutlich, dass er eigentlich nicht von einem Kompromiss im Rahmen der Einigungsstelle ausgeht. Und so steht weiterhin die Möglichkeit eines unbefristeten Streiks im Raum, für den zuvor jedoch erst einmal eine erfolgreiche Urabstimmung der IG-Metall-Mitglieder innerhalb der Thermo-Belegschaft nötig ist.

Je nachdem, wie die vergangene Runde der Einigungsstelle verlaufen ist, wird wohl in der kommenden Woche darüber entschieden, wie IG Metall und Thermo-Betriebsrat weiter verfahren werden. Weißenbrunner und Betriebsratsvorsitzender Walter Heidenfelder hoffen weiter auf eine Kompromisslösung ohne Eskalation. „Wenn sich die Geschäftsleitung aber wieder nicht bewegt, müssen wir darüber beraten, zu welchen Mitteln wir dann greifen werden, um den Druck deutlich zu erhöhen“, schwang auch in Heidenfelders Aussagen ein möglicher Arbeitskampf mit.

Tarifkommission soll am 10. Dezember zusammenkommen

Sicher ist, dass der Betriebsrat am kommenden Dienstag, 10. Dezember, im Rahmen der Betriebsversammlung über den Verlauf des zweiten Termins der Einigungsstelle berichten wird. Für den Tag darauf sei, so Weißenbrunner, der dritte Termin der Einigungsstelle anberaumt. Ob dieser stattfinden wird, hängt mit dem Verlauf der gestrigen Sitzung zusammen.

Die Tarifkommission von IG Metall und Betriebsrat werde nach der Betriebsversammlung ebenfalls am 10. Dezember zusammenkommen und über das weitere Vorgehen beraten, gaben Weißenbrunner und Heidenfelder den Teilnehmern am Warnstreik einen Einblick über den Fahrplan der kommenden Woche. Deutlich machte der Betriebsratsvorsitzende allerdings nochmals, dass die Geschäftsführung den Vorschlag des Betriebsrats, 63 der rund 80 betroffenen Arbeitsplätze am Selbolder Standort zu belassen, weiter kategorisch ablehne.

Weiterhin Empörung unter der Belegschaft

Zudem weigere sie sich, eine Standortgarantie abzugeben. Hinzu komme, dass Geschäftsführer Elmar Rübsam mit seinen öffentlichen Äußerungen, ein Ausbau des Standorts in Osterode und eine damit einhergehende Verlagerung von Selbold dorthin sei denkbar, bewusst Unsicherheiten innerhalb der Belegschaft schüren wolle. Dem entgegneten Heidenfelder und Weißenbrunner unisono: „Wir lassen uns nicht zermürben und spalten!“

Weiterhin für Empörung unter der Thermo-Belegschaft sorgen die sieben Banner, die am Zaun des Unternehmens angebracht sind und auf denen unter anderem die Slogans „Wir suchen Verstärkung“ und „Starte deine Ausbildung bei uns“ zu lesen sind. Bereits beim Warnstreik in der vergangenen Woche hatte Walter Heidenfelder diesbezüglich von einer „Geschmacklosigkeit der Geschäftsleitung“ gesprochen.

Dieses und sechs andere Plakate, die seit einigen Tagen am Zaun des Thermo-Areals an der Robert-Bosch-Straße hängen, stoßen der Belegschaft ausgesprochen übel auf. Foto: Lars-Erik Gerth

Quelle: Hanauer Anzeiger

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