Langenselbold

Timo Greuel (SPD) will Bürgermeister in Langenselbold werden

SPD-Bürgermeisterkandidat Timo Greuel (Zweiter von rechts) kann sich nicht nur der Unterstützung seiner Lebensgefährtin, der noch amtierenden Erdbeerkönigin Vanessa Steinbach, sicher sein, sondern ebenso der SPD-Granden aus der Nachbarschaft (von links): André Kavai, Albrecht Eitz, Christoph Degen und Andreas Hofmann. Foto: Lars-Erik Gerth

Langenselbold. Am Donnerstagabend, als Umfragen bekannt wurden, die die SPD bundesweit nur noch bei zwölf (ARD) respektive 13 Prozent (ZDF) sehen, bildete die Versammlung, die im Stucksaal des Selbolder Schlosses zusammengekommen war, durchaus einen, wenn auch kleinen Gegenpol.

Von Lars-Erik Gerth

Denn die Stimmung unter den Genossen, die sich dort zur Nominierung ihres Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in der Gründaustadt einfanden, waren guter Dinge.

Und als um 20.40 Uhr fest stand, dass Erster Stadtrat Timo Greuel einstimmig bei einer Enthaltung (er erhielt 28 von 29 abgegebenen Stimmen) ins Rennen um die Nachfolge des Christdemokraten Jörg Muth gehen kann, brandete großer Jubel auf. An Zuversicht, nach 24 Jahren den Chefsessel im Rathaus der CDU wieder zu entreißen, scheint es den Sozialdemokraten trotz des orkanartigen Gegenwinds aus Berlin nicht zu mangeln.

Für Optimismus sorgen

Zunächst war es an Kreisparteichef Christoph Degen, für Optimismus zu sorgen und dem bundesweiten Niedergang sowie den Personalquerelen um den Nahles-Rücktritt die Erfolge der SPD auf lokaler Ebene, insbesondere im Main-Kinzig-Kreis, entgegenzuhalten. So erwähnte er explizit die am Donnerstag ebenfalls anwesenden SPD-Bürgermeister Andreas Hofmann (Ronneburg) und Albrecht Eitz (Freigericht), die bewiesen hätten, dass man durch Persönlichkeit und hervorragende Sacharbeit auch weiterhin für die SPD Wahl gewinnen kann.

Wie wichtig für das Erreichen eines Wahlsiegs Geschlossenheit und Einigkeit sind, betonte nicht nur Degen, sondern ebenso die bereits erwähnten SPD-Rathauschefs aus der Nachbarschaft und der Kandidat selbst. Timo Greuel gab sich in seiner Bewerbungsrede kämpferisch. Vor allem als er die Losung bekannt gab, die er „für die kommenden Monate selbstverständlich auf die Fahnen geschrieben habe: 'Ja, ich will Bürgermeister werden!'“.

Dass es bei einer Persönlichkeitswahl in einer 14 000-Einwohner-Stadt auch darauf ankommen kann, dass ein Bewerber aus dem Ort stammt, in dem er sich zur Wahl stellt, hatte zuvor der langjährige Selbolder SPD-Fahrensmann Fritz Schüßler hervorgehoben. Er erinnerte sich unter anderem daran, dass er den „kleinen Timo“ schon seit dessen Grundschulzeit kennt. Denn Schüßler war vor rund 30 Jahren als Aushilfslehrer für einige Monate an der Weinbergschule tätig.

Hoher Bekanntheitsgrad

Es ist vor allem der hohe Bekanntheitsgrad, auf den Greuel bei der Wahl im Januar kommenden Jahres baut. Er ist immerhin schon seit fast 20 Jahren kommunalpolitisch aktiv, war unter anderem Fraktionschef der SPD im Stadtparlament. Und der seit Anfang 2018 amtierende Erste Stadtrat möchte diesen Bekanntheitsgrad noch weiter ausbauen. Unter anderem durch Hausbesuche in den Neubaugebieten, wie der 39-Jährige ankündigte. Er wolle noch mehr als jetzt bereits „Ansprechpartner, Zuhörer und Kümmerer für die Bürgerinnen und Bürger“ Langenselbolds sein.

Greuel ist davon überzeugt, dass die Wahl vor allem auch über Inhalte zu gewinnen ist. So möchte er als Bürgermeister die Steuerlast senken, in dem neue, mittelständische Unternehmen in Selbold angesiedelt werden, „die in Zukunftstechnologien investieren und hier neue Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen und kontinuierlich Gewerbesteuer zahlen“. Als ausgesprochen wichtiges Thema nannte der Diplom-Verwaltungswirt die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Wohnraum sei kommunale Verantwortung

„Menschen mit niedrigem Einkommen bis hin zu Durchschnittsverdienern sind in der Rhein-Main-Region heute kaum mehr in der Lage, sich adäquaten Wohnraum leisten zu können“, fasste er die aktuelle Situation zusammen. Seiner Meinung nach liege es in der kommunalen Verantwortung, verstärkt „preisgedämpften Wohnraum“ zu schaffen, indem kommunale Grundstücke „ohne spekulative Gewinnerwartung“ zur Verfügung gestellt werden.

Diese Grundstücke sollten dann möglichst an Baugenossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften und nicht an „private Investoren mit hohen Renditeerwartungen im bis zu zweistelligen Prozentbereich veräußert“ werden.

Auch Klimaschutz, Digitalisierung und der Ausbau der Ganztagsbetreuung (Stichwort Vereinbarkeit von Familie und Beruf) seien wichtige Themen, die Greuel in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes und dann in seine Arbeit als Bürgermeister stellen will. Die Genossen im Stucksaal des Schlosses zeigten sich am Donnerstagabend trotz der katastrophalen Umfragewerte für die SPD auf Bundesebene überzeugt davon, dass er sein Ziel erreichen wird.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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