Fraktionschef Peter Volk „beunruhigt über Entwicklungen bei unserem Koalitionspartner CDU“

Tobias Dillmanns Rücktritt überrascht auch SPD - Fraktionschef zeigt sich beunruhigt

Peter Volk
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Langenselbold – Die Selbstdemontage der CDU, die ihren Tiefpunkt mit dem Rücktritt ihres Stadtverbandsvorsitzenden Tobias Dillmann erreichte (siehe Bericht in der gestrigen Ausgabe), ist in der Gründaustadt Tagesgespräch. Insbesondere das Verhalten des Stadtverordneten Patrick Heck, der gegen den Willen der CDU-Mitgliederversammlung von der Fraktion trotz fehlender Qualifikationen zunächst zum Kandidaten für das Amt des Ersten Stadtrats gewählt wurde, löst großes Unverständnis aus.

Dillmann wirft seinem Parteifreund sogar Erpressung des CDU-Vorstands vor, weil er seinen Verzicht auf die Kandidatur mit „unabänderbaren“ Personalbedingungen verknüpft habe.

So soll Heck neuer Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten werden und der bisherige Amtsinhaber Gerhard Mohn als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat wechseln. Dieser Platz würde frei, wenn der neue CDU-Bewerber Gerhard Groß zum Ersten Stadtrat gewählt wird. Groß ist bisher ehrenamtliches Magistratsmitglied. Außerdem soll die CDU-Stadtverordnete Steffi Gerk, die als Intimfeindin von Bürgermeister Timo Greuel (SPD) gilt, Mohn in dessen Funktion als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses nachfolgen.

Die internen Vorgänge bei der CDU werden vom Koalitionspartner SPD mit großem Interesse und auch Besorgnis verfolgt, wie Fraktionschef Peter Volk gestern auf Nachfrage unserer Zeitung berichtete. „Ich bedauere den Schritt von Tobias Dillmann und kann seine Entscheidung aufgrund der letzten Entwicklungen um die Nominierung eines CDU-Kandidaten für die Wahl des Ersten Stadtrats nachvollziehen. Die Situation bei unserem Koalitionspartner ist schon beunruhigend“, so Volk, der betont, dass die SPD gut mit Tobias Dillmann als CDU-Parteivorsitzendem zusammengearbeitet habe.

Zudem würdigte Volk die Arbeit Dillmanns als Stadtverordnetenvorsteher. Das Amt will der zurückgetretene CDU-Vorsitzende bis zum Ende der Legislaturperiode noch ausführen, aber nicht mehr für das neue Selbolder Stadtparlament kandidieren. Dieses wird im Rahmen der hessischen Kommunalwahlen am 14. März 2021 neu gewählt.

Noch nichts wollte Volk dazu sagen, wie sich die SPD zur Kandidatur von Gerhard Groß für das Amt des Ersten Stadtrats positioniert. Darüber müsse noch beraten werden. Gestern Abend trafen sich die geschäftsführenden Vorstände von Partei und Fraktion, die sicherlich auch darüber sprachen. Ob dabei Entscheidungen über eine Wahl oder Nicht-Wahl von Groß getroffen wurden, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

SPD-Fraktionsvorsitzender

In Sachen Kandidatur von Patrick Heck hatte die SPD schon vor dessen Nominierung durch die CDU-Fraktion – gegen den Willen der Mitgliederversammlung der Christdemokraten – klar gemacht, dass sie Heck nicht mitragen werde. Als die Entscheidung der CDU-Fraktion für Heck dann feststand, kam es zu einer Abstimmung innerhalb der SPD-Fraktion, die sich einstimmig gegen die Wahl Hecks aussprach.

Besorgt hat auch Bürgermeister Timo Greuel (SPD) die Entwicklung bei der CDU zur Kenntnis genommen. „Ich habe in der Vergangenheit gut mit Tobias Dillmann zusammengearbeitet. Und auch der Bürgermeisterwahlkampf ist fair verlaufen. Ich bedauere seine Entscheidung“, so Greuel, der sich nicht näher zur Selbstdemontage der CDU und zur Person Patrick Heck einlassen wollte. Archivfotos: Mike Bender/Axel Häsler

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