Kuchenverkauf und mehr für Flutopfer

Zwei Selbolder Familien engagieren sich mit Spendenaktion für Betroffene in Trier-Ehrang

Die Initiatoren der Hilfs- und Spendenaktion für die Flutopfer in Ehrang (von links): Doris Kemmerer, Christine Lerch, Nadine Kemmerer, Tini Lamm, Julia Lamm, Kathrin Lamm mit Tochter Lucy sowie Oliver Weirich, der Ehemann von Kathrin Lamm.
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Die Initiatoren der Hilfs- und Spendenaktion für die Flutopfer in Ehrang (von links): Doris Kemmerer, Christine Lerch, Nadine Kemmerer, Tini Lamm, Julia Lamm, Kathrin Lamm mit Tochter Lucy sowie Oliver Weirich, der Ehemann von Kathrin Lamm.

Schnell und unbürokratisch helfen und sicher sein, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird: Jeder, der schon einmal an einer Spendenaktion teilgenommen hat, hofft, dass es so sein möge. Leider wird bei Recherchen jedoch immer wieder festgestellt, dass Gebühren für Bearbeitung, Transport und Logistik enorme Summen verschlingen.

Langenselbold – Anders verhält es sich bei einer privaten Selbolder Initiative, die von Martha Lamm und ihrer Familie sowie Christine Lerch und ihrer Tochter Nadine für Opfer der Hochwasserkatastrophe ins Leben gerufen wurde.

„Vorige Woche haben wir insgesamt 17 Elektrogroßgeräte, sprich Waschmaschinen, Trockner und Kühlschränke nach Trier-Ehrang ins Katastrophengebiet gebracht. Das waren alles Sachspenden aus Langenselbold und Umgebung“, informiert Kathrin Lamm und berichtet weiter, wie es zu dieser Initiative gekommen ist. Gemeinsam mit ihrem Mann, der in Luxemburg eine Arbeit gefunden hatte, lebte ihre Mutter Martha Lamm insgesamt 26 Jahre im Trierer Stadtteil Ehrang. Erst 2016 kehrte die Selbolderin wieder in ihre Heimat zurück. Als sie die schrecklichen Verwüstungen im Fernsehen sah, dachte Martha Lamm natürlich so-fort an ihre ehemaligen Nachbarn und Freundinnen und bot ihre Hilfe an. Unterstützt wurde sie dabei von ihren drei Töchtern nebst Schwiegersöhnen.

Fünf Besucherinnen des Blumencafés in freudiger Erwartung der Kuchen und im Bewusstsein, dass sie mit dem Kauf eine gute Sache unterstützen.

Martha Lamm lebte viele Jahre in Ehrang

„Nach der Katastrophe habe ich auf Facebook sofort einen Aufruf gestartet und gefragt: ‘Wer braucht was in Ehrang?’“, berichtet Tochter Kathrin Lamm. Der Aufruf sei eifrig geteilt geworden und es stellte sich heraus, dass Kühlschränke und Waschmaschinen am dringendsten benötigt wurden. Durch Spendenaufrufe via Facebook kamen 16 gebrauchte Elektrogroßgeräte zusammen, ein weiteres wurde durch Spenden gekauft. Für den Transport stellte die Freiwillige Feuerwehr Langenselbold einen Pritschenwagen zur Verfügung, der Rest wurde mit einem Privat-Pkw und Anhänger nach Ehrang gebracht. „Dort haben wir alles auf dem Grundstück einer ehemaligen Nachbarin abgeladen und die Betroffenen konnten sich dann die Sachen abholen.“

Leider sei diese Hilfe nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, so Lamm weiter. „Die Leute haben alles verloren und bisher nur einmal 200 Euro Soforthilfe bekommen und dafür mussten sie viele Formulare ausfüllen. Aber die Hilfsbereitschaft ist in Ehrang sehr groß. Die Leute helfen sich gegenseitig beim Wäschewaschen. Weil auch der Kindergarten komplett unter Wasser stand, wird jetzt die Kinderbetreuung ehrenamtlich organisiert“, informiert sie weiter. Aber leider sei es auch zu Plünderungen gekommen, Leute hätten die undurchsichtige Lage der Flut-Opfer ausgenutzt und beispielsweise Werkzeuge aus Garagen gestohlen. Auch von Betrug bei Beantragung der Soforthilfe sei schon aus dem Katastrophengebiet berichtet worden.

Im zweiten Anlauf konzentriert sich Familie Lamm jetzt aufs Sammeln von Geldspenden. Die eingenommenen Gelder sollen nächste Woche persönlich nach Ehrang gebracht und dort je nach Bedürftigkeit ohne Zwischeninstanzen unbürokratisch verteilt werden. „Meine Mutter und ich haben die Firma ‘Milchlamm’ gegründet. Wir nähen und verkaufen selbst entworfene Stillshirts für junge Mütter. Jetzt wollen wir für jedes verkaufte Stillshirt zwei Euro für die Flutopfer spenden“, so Kathrin Lamm, die natürlich auch auf ihrer Facebookseite weiterhin um Spenden wirbt.

Doris Kemmerer, Christine Lerch und Nadine Kemmerer (von links) mit den leckeren Kuchen, von deren Verkauf pro Stück ein Euro der Spendenaktion zugutekam.

Eine ähnliche Idee hat auch Christine Lerch, in Selbold und darüber hinaus bestens bekannt als ein Teil der „Kinzickweiber“. „Als ich die schrecklichen Bilder im Fernsehen sah, habe ich sofort meine alte Freundin Martha Lamm angerufen und Hilfe angeboten“, berichtet Lerch. Gemeinsam mit ihrer Tochter Nadine Kemmerer beschloss sie, beim „Blumencafé“ im idyllischen Hof der Schäfergasse von jedem verkauften Stück Kuchen einen Euro den Flutopfern zugutekommen zu lassen.

Von jedem verkauften Kuchen ging ein Euro an die Spendenaktion

Das „Blumencafé“ bei „Minnis Knuddelstubb“ öffnet an einem Wochenende pro Monat seine Pforten. „Letzten Monat haben wir damit angefangen und das Café wurde sehr gut angenommen. Meine Mutter ist gelernte Konditorin und hat alle Torten selbst gebacken. Bei der heutigen Spendenaktion sind auch Kuchenspenden von anderen dabei“, berichtet Nadine Kemmerer.

„Wir sind der Geheimtipp. Die Blumen, die ich verarbeite, und auch die Topfpflanzen stammen entweder aus der Region oder aus dem Fair-Trade-Handel und einiges davon baue ich selber im Garten an“, erläutert die Floristin und klärt auf, was es mit dem ungewöhnlichen Namen „Minnis Knuddelstubb“ auf sich hat: „Der Name geht auf meine Großmutter zurück, die hier Seidenblumen hergestellt und verkauft hat, denn knuddeln bedeutet auf Selbolderisch nicht umarmen, sondern basteln.“

Erinnerung an Hochwasser in Selbold Ende Januar

Auch mit Hochwasser kennt sich Kemmerer leider aus. „Ende Januar ist die Gründau in Langenselbold über die Ufer getreten, und das Wasser stand bei uns 1,80 Meter hoch im Garten. Es hat sich auch durch die Wände meines Geschäfts gedrückt, sodass wir drei Wochen ein Trocknungsgerät laufen ließen“, erinnert sie sich. Doch verglichen mit der Situation in den überfluteten Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist sie sehr dankbar, dass hier nichts Schlimmeres passiert ist und möchte die Opfer unterstützen.

Wer sich mit einer Spende anschließen will, kann sich mit den Jungunternehmerinnen Kathrin Lamm unter z 0177 6787972 und Nadine Kemmerer unter z 0172 8722852 in Verbindung setzen. Sämtliche Spenden werden von Martha Lamm persönlich nach Trier-Ehrang gebracht und auf unbürokratischem Wege direkt an die vom Hochwasser Betroffenen verteilt.

Von Claudia Raab

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