Feriengespräche

Zwischen Konzertsaal und Stadtparlament: Gutrun Hausmann im Feriengespräch

Guntrun Hausmann im Gespräch mit Redakteur Lars-Erik Gerth
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Bewusst hat Guntrun Hausmann das Gelände am Naturfreundehaus für das Gespräch mit Redakteur Lars-Erik Gerth gewählt: Die Nähe zur Natur und deren Schutz ist der Violinistin im Frankfurter Museumsorchester, die in ihrer Freizeit für die Grünen im Stadtparlament sitzt, sehr wichtig.

Guntrun Hausmann ist Violinistin. Doch seit 2011 engagiert sie sich auch in der Kommunalpolitik für die Grünen. Wir haben sie zum Feriengespräch gebeten.

Langenselbold – Ohne die Corona-Pandemie hätten wir uns Mitte Juli wohl kaum am Naturfreundehaus auf dem Wingertskippel mit Guntrun Hausmann zum Feriengespräch treffen können. Wäre dieses Jahr nämlich so gelaufen wie geplant, dann hätte sich die Violinistin des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters zu diesem Zeitpunkt in der Schlussphase der Proben für die Bayreuther Festspiele befunden. Denn nach 2002 und 2004 hatte die in der Gründaustadt lebende Musikerin wieder eine Einladung erhalten, bei dem allein den Opern Richard Wagners gewidmeten Festival im Orchester mitzuwirken. Doch schon im Mai mussten die Festspiele, die wie immer am 25. Juli begonnen hätten, wegen der Corona-Krise abgesagt werden.

„Das ist sehr schade. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, wieder in Bayreuth dabei zu sein. Ich wäre dort von Mitte Juni bis Ende August engagiert gewesen. Aber Corona hat gerade auch uns Künstlern schwer zugesetzt. So ruht der Opernspielbetrieb in Frankfurt seit Mitte März. Wir konnten zum Ende der Spielzeit gerade einmal ein Konzertprogramm mit zwei Serenaden von Dvorák und Brahms in Kammerorchesterbesetzung mit zwei Metern Abstand zwischen den Musikern aufführen, zu dem knapp 150 Zuschauer im Opernhaus zugelassen waren, das normalerweise fast 1400 Menschen Platz bietet“, berichtet die Wahl-Langenselbolderin, die aus Weimar stammt, über die massiven coronabedingten Einschränkungen, denen Kulturinstitutionen weiterhin unterliegen.

Spielplan der Oper Frankfurt ist wegen Corona unsicher

Zwar gibt es einen mittlerweile modifizierten Spielplan mit verkürzten Fassungen der Stücke (und reduzierter Besetzung), doch in welcher Form die Saison 2020/21 an der Oper Frankfurt im September beginnt, kann aufgrund der Entwicklung der Corona-Krise derzeit niemand sicher sagen.

Dass Künstler in den vergangenen Monaten aufgrund der Pandemie öffentlich nicht auftreten konnten, traf Guntrun Hausmanns komplette Familie, denn sowohl ihr Mann Ib (Klarinette) als auch die beiden erwachsenen Kinder Ruben (Horn) und Lea (Violine) sind als professionelle Musiker tätig.

Die Corona-Zwangspause gab Guntrun Hausmann immerhin die Möglichkeit, sich mehr Zeit für die Langenselbolder Kommunalpolitik zu nehmen. Denn die 57-Jährige ist mit kurzer Unterbrechung seit 2011 Stadtverordnete, gehört der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen an. „Der Schutz unserer Umwelt, der Natur und der Tiere lag mir immer schon sehr am Herzen. Ich lebe auch seit 1994 in Langenselbold, weil wir hier die Natur direkt vor der Haustür haben. Deshalb setze ich mich auch vehement dagegen ein, dass alles zugebaut wird, ein Neubaugebiet auf das nächste folgt“, erläutert die Violinistin, warum sie sich bei den Grünen engagiert.

Grünen fragten bei Hausmann an

„Ich bekam mehrfach Anfragen, ob ich nicht bei den Selbolder Grünen mitmachen wolle. Schließlich entschloss ich mich vor den Kommunalwahlen 2011, auf die Liste zu gehen. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass ich dann auch ins Stadtparlament kommen würde“, erinnert sich die Stimmführerin der zweiten Violinen im Frankfurter Museumsorchester an den März vor neun Jahren.

Hausmann kandidierte damals nämlich auf Platz fünf der Grünen Liste. Und diese Position hatte zuvor nie gereicht, um den Sprung in die Selbolder Stadtverordnetenversammlung zu schaffen. 2006 gab es drei und 2001 – wie auch aktuell – nur zwei Vertreter der Grünen im Stadtparlament. Die Reaktor-Katastrophe von Fukushima sorgte dann aber für einen zuvor nicht zu erwartenden Zuspruch für die Kandidaten der Grünen in ganz Hessen. Und so erzielte auch die Liste der Grünen in der Gründaustadt mit 12,4 Prozent ein Rekordergebnis und stellte plötzlich fünf Stadtverordnete. Eine von ihnen war Guntrun Hausmann.

Hausmann musste sich erst einmal einarbeiten

„Ich nahm die Herausforderung an, musste mich natürlich erst einmal in die Arbeit einer Stadtverordneten einarbeiten. Ich finde es aber wichtig, dass man sich für seinen Ort, in dem man lebt, engagiert und auch Verantwortung übernimmt. Wobei es mir sowohl bei meiner ehrenamtlichen Arbeit als Kommunalpolitikerin als auch bei meiner Tätigkeit als Musikerin darum geht, mich in den Dienst der Sache zu stellen, gemeinsam mit meinen Mitstreitern etwas zu erreichen“, stellt Hausmann klar, dass sie mit Selbstdarstellern in Kultur und Politik nichts anfangen kann.

Dass es nicht einfach ist, ihren Beruf und ihr ehrenamtliches politisches Engagement unter einen Hut zu bringen, wird schon daraus ersichtlich, dass nicht nur politische Gremien auf kommunaler Ebene in der Regel abends tagen, sondern auch Opernaufführungen und Konzerte normalerweise nicht vor 18, 19 Uhr beginnen. „Ich konnte so in der Vergangenheit nicht an allen Stadtverordnetenversammlungen teilnehmen, weil diese an Montagabenden stattfanden, an denen ich ein Museumskonzert in der Alten Oper spielen musste. Oder ich musste manchmal ein besonders schönes Museumskonzert absagen, um bei einer wichtigen Stadtverordnetenversammlung anwesend sein zu können. Ich versuche immer, so bald die Termine feststehen und es Überschneidungen gibt, mit Kollegen Dienste zu tauschen, damit ich an den Parlamentssitzungen teilnehmen kann“, ist es der 57-Jährigen wichtig, möglichst wenige Zusammenkünfte der Stadtverordnetenversammlung zu verpassen.

Hausmann rückte ins Parlament nach

Nach der Kommunalwahl 2016, bei der die Grünen nur noch 6,4 Prozent erreichten, musste sich Guntrun Hausmann zunächst keine Gedanken mehr um Terminkollisionen machen. Erst nachdem Hans-Georg Damm, der sich mittlerweile bei den Linken engagiert, im November 2017 sein Mandat niederlegte, konnte sie nachrücken.

Seitdem kämpft sie gemeinsam mit Cornelia Hofacker darum, dass grüne Themen in Selbold nicht ins Abseits geraten. „Bei einer Großen Koalition ist das nicht einfach, werden unsere Anträge doch oft entweder abgelehnt oder in die Ausschüsse verwiesen. Dort dauert es meist sehr lange, bis sie überhaupt mal thematisiert werden. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und hoffen, dass wir im kommenden März gestärkt aus der Wahl hervorgehen werden“, blickt Guntrun Hausmann schon voraus auf 2021. Zugleich hofft sie, dass bis dahin auch wieder Theateraufführungen und Konzerte mit möglichst vielen Zuschauern und auch Interpreten möglich sein werden, und sie dann ihre kommunalpolitischen Aufgaben wieder mit ihren Opern- und Konzertterminen in Einklang bringen muss.

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