Umfrage im Kreisgebiet

Laschet überzeugt nicht alle in der Main-Kinzig-CDU

An seiner Kandidatur scheiden sich auch im Main-Kinzig-Kreis die Geister: Manche halten ihn für das falsche Signal an die Basis, andere sind von seinem Führungsstil überzeugt.
+
An seiner Kandidatur scheiden sich auch im Main-Kinzig-Kreis die Geister: Manche halten ihn für das falsche Signal an die Basis, andere sind von seinem Führungsstil überzeugt.

Main-Kinzig-Kreis – Bei den heimischen Christdemokraten hat der Sieg von Armin Laschet nach dem tagelangen Tauziehen mit Markus Söder um die Kanzlerkandidatur geteilte Reaktionen hervorgerufen.

Die Kreisvorsitzende Katja Leikert, die als eine stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag die Auseinandersetzung zwischen Laschet und Söder hautnah miterlebt hat, drückte gestern ihre Freude über die Entscheidung für Armin Laschet aus. „Ich habe ihn als ehrlichen Vermittler, verlässlichen Teamplayer und überzeugten Pro-Europäer kennengelernt. Ich vertraue ihm.“ Aus den Diskussionen der vergangenen Tage könne man als Partei insgesamt nur lernen. Es brauche klare Entscheidungsprozesse, gerade in Konfliktsituationen, sagte Leikert. „Man kann nicht plötzlich die Regeln ändern, wenn man schon auf dem Spielfeld steht“, so die Bruchköbelerin. Sie prognostiziert einen spannenden Wahlkampf. Alle Karten lägen nun offen auf dem Tisch. „Als Union setzen wir uns für ein echtes Modernisierungsjahrzehnt ein. Die Themen Digitalisierung, Klimaschutz und ein erfolgreicher Neustart für unsere Wirtschaft nach Corona stehen dabei auf der Agenda weit oben“, so Leikert.

Kasseckert hätte lieber Söder gesehen

Der heimische Landtagsabgeordnete und frisch gewählte CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Heiko Kasseckert, hätte sich lieber Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht. „Die Werte und Haltungen der Union in eine moderne Welt zu übertragen und dazu Führung zu übernehmen – dem hätte Söder in meinen Augen eher entsprochen“, kommentierte Kasseckert auf Anfrage unserer Zeitung. Er schätze Armin Laschet aus persönlichen Begegnungen. Laschet bringe Erfahrung mit, das Wissen und die Fähigkeit zu integrieren, zuzuhören und Politik an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten. „An seiner Kompetenz habe ich keinen Zweifel. An seiner Beliebtheit müssen wir arbeiten“, meint der Langenselbolder. Insgesamt sei die Auseinandersetzung nicht gut gelaufen, weil es nur um das Stärkeverhältnis von CDU und CSU gegangen sei und nicht um die Frage, wer das bessere Zugpferd ist. „Der Streit hat uns nicht genutzt. Das haben die Grünen besser gemacht. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Das heißt nicht, dass wir einfach zur Tagesordnung übergehen können, sondern auch mit den Leuten reden müsse, die enttäuscht sind.“ Danach beginne der Wahlkampf. „Die Grünen wollen eine andere Gesellschaft, mehr Regulierung, Verbote und große Umverteilung. Die Grüne Welt wird teuer. Und dieser Plan und die Gegensätze zu Freiheit und Marktwirtschaft müssen offengelegt und diskutiert werden“, findet Kasseckert.

Schad ist erleichtert

Sein Landtagskollege Max Schad ist erleichtert, dass die K-Frage der Union jetzt entschieden ist. Beide Kandidaten hätten ihre individuellen Stärken. „Persönlich kann ich mit der Wahl von Armin Laschet gut leben, denn ich halte ihn für einen integren und anständigen Politiker, der in Nordrhein-Westfalen bewiesen hat, dass er führen kann. Armin Laschet ist ein Mann der Mitte, der seine Politik nicht nach demoskopischen Momentaufnahmen, sondern auf Grundlage eines festen Wertefundaments ausrichtet. Ich weiß, dass Markus Söder auch im Main-Kinzig-Kreis bei vielen Mitgliedern große Sympathien genießt. Dennoch bin ich mir sicher, dass wir als Union nach der nun getroffenen Entscheidung schnell zur Geschlossenheit zurückfinden“, glaubt Schad. Allen sei klar, dass es im Herbst nicht nur um die Frage Laschet oder Baerbock gehe, sondern um zwei verschiedene Gesellschaftsmodelle. Um mehr Freiheit gegenüber mehr Regulierung und Verbote. „Um einen Kurs der Mitte oder das Programm der Grünen, bei dem man am Ende des Tages eben leider nicht weiß, ob man als Kollateralschaden gerade Rot-Rot-Grün einkauft.“ Das gilt es nach Ansicht Schads zu verhindern und dieses gemeinsame Ziel werde alle in CDU und CSU fest zusammenschweißen, ist er überzeugt.

Karina Reul kritisiert Hängepartie

Karina Reul, Stadtverbandsvorsitzende der CDU in Bruchköbel und Mitglied des Kreistags, hätte die Kandidatur Söders für das Bundeskanzleramt befürwortet. Es wäre ein starkes Zeichen nach innen gewesen. „Die Basis hätte sich endlich mal wieder wahrgenommen gefühlt“, glaubt Reul. An der Basis breite sich zunehmend das Gefühl aus, dass sich Berlin für die Mitglieder nicht mehr interessiere. Dies könne verheerende Folgen für den anstehenden Bundestagswahlkampf haben. Auch in ihrem eigenen Stadtverband, der mehrheitlich schon Merz als Parteivorsitzenden befürwortet habe, merke sie eine große Verdrossenheit. „Manche haben ihre Unterstützung für die Bundestagswahl bereits gekündigt.“ Auch kritisierte Reul die Hängepartei der vergangenen Tage: „Das Management war einfach nur miserabel.“

Wacker will Laschet unterstützen

Carina Wacker, seit Kurzem Fraktionsvorsitzende der Schönecker CDU, ist nicht gerade glücklich darüber, wie die Entscheidung zur Kandidatenfrage in Berlin gelaufen ist. „Das war denkbar ungünstig. So etwas sollte man intern klären und dann mit dem Ergebnis nach außen treten“, sagt sie. Für sie sei es keine Frage gewesen, dass Armin Laschet um das Bundeskanzleramt kandidieren soll. Daher freue sie sich, dass die Sache in seinem Sinne geklärt wurde. „Wir freuen uns und unterstützen ihn“, so Wacker. Wichtig sei jetzt, dass die Partei Geschlossenheit zeige und die Vertreter vor Ort als Multiplikatoren auftreten. Für die Bundestagswahl im September ist sie zuversichtlich. „Es ist ja noch etwas Zeit bis dahin. Ich glaube nicht, dass Armin Laschets Chancen jetzt schlechter stehen“, so Wacker. (Holger Weber Und Mirjam Fritzsche)

Dr. Katja Leikert
Kreisvorsitzende und MdB

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare