Gastronomie

Gelnhäuser Kult-Kneipe schließt ihre Pforten - Initiative will Lorbass retten

Das „Lordbass“ in Gelnhausen muss coronabedingt schließen.
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Das „Lordbass“ in Gelnhausen muss coronabedingt schließen.

Eine Szene-Kneipe verabschiedet sich: Das Lorbass schließt am Samstag, 12. September, für immer seine Türen. Das bestätigte Betreiber Heiner Hartmann. Vier Jahrzehnte lang war das Lorbass ein beliebter Anlaufpunkt im Gelnhäuser Nachtleben. Doch nun scheint es Hoffnung zu geben.

+++ Update Mittwoch, 2. September 2020, 11.35 Uhr: Gelnhausen – „Das Lorbass muss erhalten bleiben!“ Diese Parole kursiert derzeit in der Barbarossastadt, in der die Szenekneipe „Lorbass“ in wenigen Tagen seine Pforten schließen will. Die Corona-Pandemie hat für das Aus gesorgt – kurz vor dem 40-jährigen Bestehen.

„Das Lorbass gehört zu Gelnhausen wie die Marienkirche und wir werden alles Menschenmögliche für den Erhalt der Kultkneipe unternehmen.“ Mit dieser klaren Ansage meldet sich eine in den vergangenen Tagen entstandene Initiative zu Wort, die sich seit Bekanntgabe der vermeintlich alternativlosen Schließung des „Lorbass“ gebildet hat.

Der Initiative gehören Stammgäste, Kulturschaffende, Vertreter unterschiedlicher Parteien und die Mitarbeiter der Kultkneipe an.

Initiative hat Konzept für die Kultkneipe in Gelnhausen entwickelt

„Bereits nach dem ersten Treffen der Initiative stand zu unserer Überraschung fest, dass es sehr wohl ein tragfähiges, nachhaltiges und durchkalkuliertes Konzept zum Weiterbetrieb gibt“, berichten Alexander Schopbach und Julia Hott, Sprecher der Initiative.

Für die beiden steht nach den Gesprächen fest: „Es darf jetzt nicht darum gehen, den Abgesang auf das Lorbass anzustimmen. Vielmehr appellieren wir gemeinsam an die Stadtpolitik und die Stadtgesellschaft, alles zu unternehmen, um das Lorbass zu erhalten, einen möglichst reibungslosen Weiterbetrieb zu ermöglichen und eine Umwandlung in Büroflächen zu verhindern.“

Lorbass sei ein Standbein „des jugendkulturellen Lebens in Gelnhausen“

Das „Lorbass“ zähle zu den unverzichtbaren Standbeinen des jugendkulturellen Lebens in Gelnhausen, war und ist für viele junge Leute in Gelnhausen quasi ihr „zweites Wohnzimmer“, weist die Initiative auf die Bedeutung der Kultkneipe hin. „Das Lorbass steht heute generationsübergreifend für eine alternative Gelnhäuser Szene, mit der sich eine ganze Region identifiziert. Hier trifft man sich mit Freunden zum Feiern, zu Quiz-Abenden, zum Plaudern, erlebt großartige Livekonzerte von heimischen Nachwuchsbands und international bekannten Gruppen, hat einfach eine gute Zeit“, bringen es Hott und Schopbach auf den Punkt.

Dass all das selbst in Corona-Zeiten hygienekonform und betriebswirtschaftlich funktioniert, stehe für sie außer Frage.

Aus all diesen Gründen appelliert die Initiative an die Stadtpolitik, aktiv zu werden und sich für einen Weiterbetrieb einzusetzen. Dass es dafür baurechtliche Instrumente im Entscheidungsbereich der verantwortlichen Stadtpolitiker gibt, betonen Hott und Schopbach in diesem Zusammenhang ausdrücklich: „Eine Kneipe in Büroflächen umzuwandeln, funktioniert in diesem Fall nicht so einfach. Da bedarf es nach unserem Kenntnisstand mindestens einmal der Zustimmung des Magistrates.“ Dass es im Endeffekt vor allem auch auf die Bereitschaft des Vermieters ankommt, das Weiterbestehen des „Lorbass“ durch einen neuen Mietvertrag zu ermöglichen, ist der Initiative klar.

„Hier müssen jetzt alle an einem Strang ziehen und die Weichen auf Erhalt des Lorbass stellen. Die Option dafür liegt auf dem Tisch und sie ist weit mehr als ein bloßer Hoffnungsschimmer“, so Schopbach und Hott. thb

Lorbass in Gelnhausen muss schließen

+++Erstmeldung Freitag, 28. August 2020, 16.02 Uhr: Gelnhausen – „Bermuda Dreieck“ wird der Ort gegenüber des Bahnhofs genannt, an dem sich an den Wochenenden bis spät in die Nacht hunderte Menschen tummeln. Mittendrin das Lorbass, in den 80er Jahren zunächst der Gegenpol für den aufkommenden Disco- und Techno-Boom.

Statt stechender Elektroklänge wurde Rockmusik gespielt. Viele zogen von der Schulbank direkt auf die gemütlichen Fensterbänke im Lorbass um. Später wurde vermehrt auf Live-Musik gesetzt, Metal, Punk, Gothic oder Alternative waren die Musikrichtungen, die zu hören waren. Doch damit soll jetzt FÜR IMMER Schluss ein: „Es ist so ein bisschen, als wenn man ein Kind verliert“. Die Schließung ist laut Hartmann die einzige vernünftige Entscheidung in der aktuellen Situation.

Ursache für die Schließung der Gelnhäuser Kultkneipe: Corona

Ursache sei die Corona-Pandemie, die einen Betrieb ab den anstehenden Herbst- und Wintermonaten unmöglich mache.

Bislang hielt ein Biergarten die Szene-Kneipe einigermaßen über Wasser, außerdem wurde eine Soforthilfe in Höhe von 10 000 Euro in Anspruch genommen. „Letztlich war das aber ein Tropfen auf den heißen Stein“. Die weiterlaufenden Pacht- und Energiekosten sind laut Hartmann nur bei einem Vollbetrieb stemmbar.

Im Vergleich zur Zeit vor Corona sei zuletzt nur rund 40 bis 50 Prozent des Umsatzes erzielt worden.

Perspektive für die Kultkneipe in Gelnhausen fehle

Laut Hartmann wurde über eine Kreditaufnahme nachgedacht, allerdings fehle ihm dafür die Perspektive: „Es ist ja momentan kein Ende absehbar.“ Dann wäre das Geld irgendwann ausgegangen. Ein festangestellter Mitarbeiter ist von der Schließung betroffen, dazu 15 bis 20 Kräfte, die auf Minijob-Basis vor allem hinter der Theke aushalfen.

Während viele Servicekräfte bis zum Schluss noch an Bord sind, wurden DJs und Türsteher schon seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr gebraucht.

An ein Comeback der Gelnhäuser Kultkneipe ist zurzeit nicht zu denken

An ein Comeback des Lorbass in einer neuen Form nach der Pandemie glaubt Hartmann nicht. Der 12. September soll dann definitiv der letzte Tag in der Geschichte der Gelnhäuser Szene-Kneipe sein.

Und Heiner Hartmann weiß schon jetzt, dass er an diesen Tagen sehr wehmütig zurückblicken wird: „Im November hätten wir unser 40-jähriges Bestehen gefeiert, das ist jetzt natürlich besonders bitter.“

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