Main-Kinzig-Kreis: Erinnerungen an den ersten Landrat

Würdige Erinnerung und Einigkeit im Kreistag

Würdiger Rahmen: In Gedenken an Ex-Landrat Hans Rüger haben sich die Mitglieder des Kreistags und des Kreisausschusses in Kondolenzbuch eingetragen.
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Würdiger Rahmen: In Gedenken an Ex-Landrat Hans Rüger haben sich die Mitglieder des Kreistags und des Kreisausschusses in Kondolenzbuch eingetragen.

Die Kommunen werden um rund 15,8 Millionen Euro entlastet. Das hat der Kreistag am Freitag mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts 2021 beschlossen. Mit der finanziellen Entlastung sollen die Auswirkungen der Corona-Pandemie aufgefangen werden. Der Beschluss fiel einstimmig.

Min-Kinzig-Kreis - „Keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen für den Zusammenhalt der kommunalen Ebene“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Schejna (Rodenbach), dass die geplanten Investitionen nicht angefasst werden. Für Michael Reul von Koalitionspartner CDU ist das veränderte Zahlenwerk auch ein Beleg, dass der Doppelhaushalt des Kreises die richtigen Akzente gesetzt hatte: „Und die Kommunen freuen sich, dass der Kreis die nötige Liquidität hat, jetzt helfen zu können.“ Reiner Bousonville (Grüne) glaubt allerdings nicht, dass derartige Entlastungen auch in Zukunft möglich sein werden. „Wir dürfen die Zukunftsinvestitionen nicht außer Acht lassen“, müsse zudem beispielsweise nach der Corona-Krise für die Schulsozialarbeit wieder mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Für ihn könnten die Erfahrungen aus den letzten Monaten auch dazu führen, dass der Kreis für seine Angestellten zukünftig weniger Bürofläche benötigt, weil diese vermehrt im Homeoffice arbeiten könnten.

Noll nach internen Streitereien nicht mehr dabei

Die letzte Haushaltsrede war es für Alexander Noll (FDP), der nach den internen Streitigkeiten bei den Liberalen nicht mehr für den Kreistag nominiert wurde. „Die Zielsetzung des ursprünglichen Haushaltes wurde nicht aus den Augen verloren“, sieht er allerdings schwierige haushaltspolitische Debatten auf den Kreistag in den nächsten Jahren zukommen. Auch Andreas Müller (Die Linke) erwartet das: „Die Gewitter sehe ich am Horizont schon aufziehen. Ich glaube nicht, dass die nächsten Diskussionen so harmonisch ablaufen“, will seine Fraktion dann unter anderem beim sozialen Wohnungsbau eine andere Richtung einschlagen. Zustimmung zum Nachtragshaushalt, aber Kritik am Doppelhaushalt gab es von der AfD. „Damit werden die Rechte des Parlaments beschnitten“, so der Fraktionsvorsitzende Dr. Wolfram Maaß. Carsten Kauck (Freie Wähler) war es vor allem wichtig, dass der Kreis seinen Verpflichtungen als Schulträger nachkommt.

Würdigung für Hans Rüger

Der Kreistag hat das Leben und Wirken des ehemaligen Landrats Hans Rüger gewürdigt. „Sein Handeln war geprägt von großer Entschlossenheit und Gestaltungskraft, er war bodenständig und pragmatisch“, so Landrat Thorsten Stolz (SPD). Hans Rüger war am 15. Januar 2021 im Alter von 95 Jahren gestorben. „Mit Hans Rüger nehmen wir Abschied vom ersten Landtag des Main-Kinzig-Kreises, sagen noch einmal Danke für alles, verneigen uns vor seiner Lebensleistung und behalten ihn in dankbarer Erinnerung“, betonte Stolz, dass ihm seine politische Arbeit Anerkennung über die Parteigrenzen hinaus eingebracht habe. Sein Name bleibe mit zahlreichen Investitionen in den Straßenbau, den Neubau von Schulen und die Erweiterung des Krankenhauses in Gelnhausen verbunden. Zudem habe er sich für den Ausbau der A66 eingesetzt, viele Investitionen seien in seiner Amtszeit auf den Weg gebracht und umgesetzt worden. „Damit legte er den Grundstein für eine erfolgreiche Entwicklung des Kreises“, so Stolz.

Mann der ersten Stunde

In die Geschichte gehe Rüger als „Mann der ersten Stunde“ des Landkreises ein und bleibe somit unvergessen. Der CDU-Politiker war nach der Gebietsreform und Neubildung des Main-Kinzig-Kreises im Jahr 1974 der Landrat. Zuvor war er Landrat des Kreises Gelnhausen. „Ihm stand keine leichte Aufgabe ins Haus: Aus den Kreisen Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern sowie der kreisfreien Stadt Hanau musste ein großer Landkreis werden“, sei es ihm laut Stolz nicht nur darum gegangen, aus den bisher eigenständigen Verwaltungseinheiten an verschiedenen Orten eine funktionsfähige Verwaltung zu schaffen, sondern auch darum, unterschiedliche Interessen und Mentalitäten zusammenzuführen. „Er war ein Mensch, dem es leicht fiel, auf andere zuzugehen und das Gespräch mit ihnen zu suchen auf Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden, auf Festen und bei ganz unterschiedlichen Anlässen“, habe er es geschafft, Menschen und ihre ganz unterschiedlichen Positionen zu verbinden. So sei Rüger auch wahrgenommen worden: „Bodenständig, nicht abgehoben, bürgernah“, erinnerte Stolz an den bekannten Humor seines Vorgängers, der noch bei seinem 90. Geburtstag erklärt habe: „Ich wusste gar nicht, was für ein guter Mensch ich bin.“ (Von Andreas Ziegert)

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