Corona-Pandemie

Kliniken „an der Belastungsgrenze“: Gesundheitsamt auch wegen Corona-Ausbrüchen in Pflegeheimen besorgt

Die Situation in den Kliniken wird laut Kreis angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie immer angespannter.
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Die Situation in den Kliniken wird laut Kreis angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie immer angespannter.

Der Kreis zeigt sich besorgt darüber, dass die Krankenhäuser zunehmend an ihre Belastungsgrenzen geraten, was die Versorgung von Covid-19-Patienten angeht. Das geht aus einer Mitteilung vom Mittwoch hervor. So würden in Hanau im St.-Vinzenz-Krankenhaus und im städtischen Klinikum sowie in den Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen und Schlüchtern derzeit 132 Menschen medizinisch versorgt, darunter befinden sich 106 Personen aus dem Main-Kinzig-Kreis. Auch die Situation auf den Intensiv-Stationen sei mit mittlerweile elf Menschen, die wegen einer Covid-Erkrankung auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind, „sehr angespannt“, so der Kreis.

Main-Kinzig-Kreis – Auch einige Ausbrüche in den Alten- und Pflegeeinrichtungen bereiten dem Gesundheitsamt laut Mitteilung große Sorgen. Seit Wochen gebe es trotz hoher Hygienestandards immer wieder Infektionen in den Risikogruppen der älteren Menschen. Der Kreis habe zur Unterstützung und Prävention schon im Sommer das „Team Einsatz Pflege“ organisiert, wo die Leitstelle „Leben im Alter“, die Pflegestützpunkte, das Gesundheitsamt und externe Fachleute entsprechende Schulungen und Beratungen zum Thema Hygiene organisieren. „Das Angebot wird auch derzeit wieder intensiv genutzt und wir sehen, wie wichtig es ist, die ambulante und stationäre Pflege eng zu begleiten“, berichtet Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler.

Erschwerend komme hinzu, dass manche Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung ein negatives Testergebnis erhalten hätten, dann aber im Verlauf ihres Aufenthalts bei erneuten routinemäßigen Testungen ein positiver Befund registriert worden sei. „Diese Problematik haben wir häufig dann, wenn wir Menschen testen, bei denen der PCR-Test in einem Stadium gemacht wird, in dem die Virusvermehrung nicht mehr im Nasen- und Rachenraum stattfindet, sondern in einen tieferen Bereich des Atmungsapparats, also die Lunge, vorgedrungen ist“, erläutert der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Sigfried Giernat, laut Mitteilung.

Vermehrt kommen Schnelltests zum Einsatz

Generell sei es für ein aussagekräftiges Testergebnis unabdingbar, dass der Abstrich richtig vorgenommen wird, um qualitativ aussagekräftig zu sein. Dafür müssten die Teststäbchen tief in Nase und Rachen eingeführt werden, was von den Betroffenen als unangenehm empfunden werde. Sofern die Abstriche korrekt entnommen und die Proben vorschriftsmäßig transportiert, gelagert und analysiert würden, liege die Genauigkeit der Tests bei annähernd 100 Prozent. Der PCR-Test weist direkt einzelne Gensequenzen des SarsCoV-2-Virus nach.

Vermehrt kommen laut Mitteilung auch sogenannte Schnelltests zum Einsatz. Wann welche Tests verwendet werden, werde durch die nationale Teststrategie festgelegt. Bei den Antigen-Tests würden SarsCoV-2-Eiweiße nachgewiesen. Auch hier würden die Proben im Nasenrachenraum entnommen.

Schnelltest als Ergänzung zu PCR-Tests

Die PCR-Methode gelte als die zuverlässigste Methode und werde auch vom Robert-Koch-Institut als sicher empfohlen, so der Kreis. In Ausnahmefällen – beispielsweise wenn ein Testergebnis besonders schnell vorliegen solle, etwa in Krankenhäusern oder in Alten- und Pflegeeinrichtungen – werde ein Antigen-Schnelltest vorgenommen. Diese gelten jedoch als weniger empfindlich und benötigen eine größere Virusmenge im Körper, um einen zuverlässigen Nachweis zu erbringen. Fallen diese Schnelltests positiv aus, würden sie durch einen PCR-Test zusätzlich bestätigt.

„Die Antigen-Schnelltests stellen eine sinnvolle Ergänzung zu den PCR-Tests dar, können diese aber aufgrund ihrer Funktionsweise, die weniger sensitiv ist, nicht ersetzen“, erklärt Giernat. Ein negatives Schnelltestergebnis schließe nicht aus, dass die Person sich nicht vielleicht doch mit dem SarsCoV-2-Virus infiziert hat und für andere Personen ansteckend ist. Deshalb warnt der Mediziner davor, allzu sehr auf die Schnelltests zu vertrauen, da diese ein falsches Gefühl von Sicherheit erzeugen könnten. Das sei gerade dann fatal, wenn beim Besuch von älteren und schwachen Menschen wegen eines negativen Schnelltests die Hygiene- und Abstandsregeln außer Acht gelassen werden.

101 Neuinfektionen im Kreis

„Die Schnelltests bieten keine 100-prozentige Sicherheit. Wir können deshalb auf die Mund-Nasen-Bedeckungen, den Abstand von wenigstens 1,5 Metern und das regelmäßige Lüften nicht verzichten“, verdeutlicht Giernat.

Für Dienstag meldete das Gesundheitsamt 101 neue laborbestätigte Fälle mit dem SarsCoV-2-Virus. Die Sieben-Tages-Inzidenz bewegt sich laut Mitteilung fast unverändert bei 211. Damit liegt die Gesamtzahl der Personen, die sich seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben, bei 6722. Insgesamt 4785 Menschen haben ihre akute Virusinfektion wieder überstanden, als infektiös werden aktuell 1850 Personen eingestuft. 87 Menschen aus dem Main-Kinzig-Kreis sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Die von den 101 Neuinfektionen betroffenen Menschen wohnen in: Hanau (31), Bruchköbel (13), Maintal (6), Freigericht (5), Gelnhausen (5), Schlüchtern (4), Schöneck (4), Erlensee (4), Bad Soden-Salmünster (3), Sinntal (3), Nidderau (3), Gründau (3), Biebergemünd (3), Birstein (2), Steinau (2), Wächtersbach (2), Großkrotzenburg (2) sowie je ein Fall in Bad Orb, Hammersbach, Langenselbold und Linsengericht. Zwei Fälle sind noch nicht zugeordnet.  cd

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