Überfall in der Spessart-Straße

„Aktenzeichen XY“ sucht Hinweise auf „Räuber mit dem Knirps-Schirm“ aus Maintal

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Tatort Spessartstraße: In dem nur wenige Meter vom Tatort entfernten Netto-Markt in Bischofsheim scheint sich der Räuber nach dem Überfall unter die Kunden gemischt zu haben. Die Polizei hätte ihn um Haaresbreite erwischt.

Es ist der Nikolaustag 2019, den der Inhaber einer Verpackungsfirma an der Spessartstraße in Bischofsheim wohl nie vergessen wird.

Auch einer Streife der Bereitschaftspolizei, die die Station in Dörnigheim an diesem Abend unterstützt, wird dieses Verbrechen in Erinnerung bleiben, denn um ein Haar hätte sie einen gefährlichen Räuber auf frischer Tat ertappt. Doch die Fahnder um Kriminaloberkommissarin Judith Johne vom Kommissariat 11 sowie Oberstaatsanwalt Dominik Mies haben noch ein Ass im Ärmel, um den Verbrecher aufzuspüren und festzunehmen: ein sehr aussagekräftiges Phantombild, das den Räuber zeigt. 

Dieses Phantombild steht am Mittwoch, 3. Juni, im Mittelpunkt eines Filmbeitrags, den die ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY“ ausstrahlen wird. Das Team um Moderator Rudi Cerne (Rodenbach) hat die Szenen nachgestellt. „Wir hoffen natürlich, dass wir durch die bundesweite Ausstrahlung die entscheidenden Hinweise bekommen“, sagt Mies, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hanau. 

Mies: Opfer habe instinktiv gehandelt

Der Fall: Am 6. Dezember vergangenen Jahres, gegen 17.10 Uhr, betritt der Täter das Büro eine Verpackungsspedition an der Spessartstraße. Er ist etwa 50 bis 55 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und hat

Phantombild: Dieser Mann ist der Räuber von Maintal-Bischofsheim.

eine Schusswaffe in der Hand. Der Firmenbesitzer, der gerade mit den letzten Büroarbeiten beschäftigt ist, wird überrumpelt, denn die Forderung des korpulenten Manns, der Deutsch mit Akzent spricht, ist eindeutig: „Geld her!“ Als das Opfer ihm rund 800 Euro aus dem Portemonnaie gibt, ist der Räuber nicht zufrieden. Er will „mehr Geld“ und bedroht den Inhaber weiter mit der Waffe. 

Doch das 48-jährige Opfer lässt sich nicht so einfach ausrauben und geht auf Konfrontationskurs. „Das Opfer hat in dieser gefährlichen Situation instinktiv reagiert“, sagt Mies zu dem von der Kripo dokumentierten weiteren Ablauf: Der Inhaber versucht, den Angreifer zu entwaffnen. Als das misslingt, wirft er mit einer Geldkassette nach ihm. Dann greift er zum Computer-Monitor, um sich zu wehren . ... doch der Unbekannte flüchtet aus der Firma in die Dunkelheit. Seltsam: Der Täter schnappt sich auf der Flucht seinen roten „Knirps-Regenschirm“, den er zuvor auf den Bürotresen gelegt hatte. 

Täter trug eine auffällig rote Kapuzenjacke

Auch die Kleidung ist sehr markant: Er trägt eine rote Jacke mit Kapuze. „Das sind alles Anhaltspunkte, die uns auf die Spur des Unbekannten bringen könnten“, hofft Mies nun. Dass der Täter nicht an Ort und Stelle verhaftet wird, liegt an dem zunächst nicht genau bekannten Tatort. Der erste Einsatzwagen, der mit Blaulicht sofort zum Tatort eilt, bekommt den Einsatzbefehl „Überfall, Spessartstraße!“ Dort befindet sich ein Netto-Markt, in den sich die Beamten sofort begeben. Sie vermuten, dort sei der Überfall verübt worden. Doch als Kassiererin und Kunden die bewaffneten Polizisten erblicken, gibt es Verblüffung auf beiden Seiten. Trotzdem werden die Gänge zwischen den Regalen abgesucht – aber keine verdächtige Person unter den Kunden gefunden. Erst wenige Minuten später werden die Polizisten informiert, dass der Tatort einige Meter entfernt liegt – versteckt in einem Hinterhof an der Spessartstraße. 

Als die konkrete Beschreibung des Verbrechers bekannt wird, ist sich einer der beiden Polizisten sicher: Einen Mann mit roter Kapuzenjacke hat er im Netto-Markt gesehen. Offenbar hat sich der Räuber unter die Kunden gemischt, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kurz darauf ist der Verdächtige wie vom Erdboden verschluckt – die Fahndung bleibt erfolglos. Wenig später wird ein Phantombild des mutmaßlichen Täters erstellt. 

Live-Sendung strahlt den Maintaler Fall aus

Sowohl das Opfer als auch einer der Polizisten sind sich einig: Das ist eindeutig der Räuber von der Spessartstraße. „Bei der Beute handelt es sich vergleichsweise um einen geringen Betrag. Aber es ist ein bewaffneter Überfall gewesen. Aus juristischer Sicht handelt es sich um eine schwere räuberische Erpressung, die vom Gesetz mit fünf bis zu 15 Jahren Haft bestraft wird“, verdeutlicht der Oberstaatsanwalt. 

Am kommenden Mittwoch wird der Filmbeitrag über den Maintaler Fall in der Livesendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt. Üblicherweise werden die Fahnder dann im ZDF-Studio in München von Cerne direkt befragt. „Durch die Corona-Pandemie ist das nicht möglich“, so Oberstaatsanwalt Mies. So ist an diesem Abend eine Live-Schalte nach Hanau vorgesehen, damit Johne und Mies dem Publikum noch weitere aktuelle Details zur Fahndung berichten können.

Informationen: Die Livesendung „Aktenzeichen XY“ wird am Mittwoch, 3. Juni, ab 20.15 Uhr im ZDF gesendet. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei bitten um sachdienliche Hinweise zum Phantombild unter  06181 100123 oder an jede anderen Polizeidienststelle. Während und nach der Sendung werden Hinweise auch unter  06181 100100 entgegengenommen.

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