Imker züchtet seine Königinnen selbst

Über die Schulter geschaut bei Imker Michael Münz

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Imker Michael Münz aus Maintal mit einer Honigwabe. Er züchtet vor allem Königinnen. Die heben sich durch ihre Größe deutlich vom Rest des Volkes ab. Außerdem werden sie marktiert.

Am Ortsrand von Bischofsheim stehen im hohen Gras acht Bienenstöcke. Schon von Weitem ist das laute Summen der Bienen deutlich zu vernehmen. Denn sie schwirren über das gesamte Grundstück des Hobbyimkers Michael Münz, der sich seinen Schützlingen ganz schutzlos nähert.

Ohne die klassische Kleidung eines Imkers, ohne Overall und Schlupfschleier über dem Kopf, sondern in einem weißen T-Shirt, kurzer Hose und offenen Sandalen. Er vertraut seinen Bienen, die er besonders sanftmütig, treu und widerstandsfähig erzogen hat.

Denn Michael Münz züchtet seine Bienenköniginnen selbst. „Das gelingt am besten in der sogenannten Schwarmzeit in den Monaten Mai und Juni, da die Bienen durch das große Nahrungsangebot die Tendenz haben, sich zu vermehren“, sagt der Hobbyimker. Wir haben ihm bei der Königinnen-Zucht über die Schulter geschaut.

Münch züchtet sanfmütige Königinnen

„Wichtig ist dabei, dass die Königin drei Eigenschaften hat, sie darf nicht aggressiv oder schwarmtriebig sein, also mit der Hälfte des Volks einfach ausfliegen, um ein neues Quartier zu suchen, und sie muss mit der Varroamilbe gut umgehen können“, sagt der 68-Jährige. Die unscheinbare rote Milbe ist nämlich der größte Feind der Honigbiene. „Der Brutparasit ist meiner Ansicht nach vielerorts für das Sterben der Honigbiene verantwortlich“, sagt Münz.

Er schult andere Imker darin, wie sie ihre Bienen am besten vor der Milbe schützen können, und hat Völker in seiner Zucht, die bereits zwei Jahre in Folge ohne die Behandlung gegen die Varroamilbe mit organischen Säuren auskommen. Als er den Bienenstock öffnet, steigt daraus ein satter Honigduft hervor. Einige Bienen fliegen raus und umschwirren uns aufgeregt, die anderen bearbeiten weiter die Wabe und klettern emsig übereinander.

Frischer Honig direkt von der Quelle

„In den beiden oberen Kästen befindet sich der Honigraum“, erklärt Münz. Mit dem Stockmeisel hebt er einen Holzrahmen heraus, in dem sich die mit Honig gefüllten Waben befinden. „Probieren Sie ruhig mal mit dem Finger“, sagt der Hobbyimker. So frisch hab ich den Honig noch nie gegessen, lecker. Dann dürfen die Bienen wieder zurück in ihren Honig-raum, den er zur Seite stellt.

In verdeckelten Zellen reifen Arbeiterinnen heran: Mit dem Stockmeisel holt Michael Münz behutsam eine Wabe aus dem Brutraum der Bienen und sucht nach Rundlarven.

Unter den beiden Honigräumen befindet sich nämlich ein Absperrgitter, das die Königin im Brutraum hält. „Die würde sonst nämlich auch im Honigraum ihre Eier legen und den Honig damit verunreinigen“, sagt Münz. Dann setzt er seine Schutzbrille auf und hebt einen Rahmen heraus: „Das hier ist ein Drohnenrahmen“, erklärt er, „hier werden die männlichen Bienen herangezogen. Das sieht man an den breiteren Waben.“

Dem Rahmen schenken wir jedoch keine weitere Bedeutung. Denn im Unterschied zur Königin und den Arbeiterinnen entwickeln sich die Drohnen aus unbefruchteten Eiern. Den Unterschied zeigt er bei einem anderen Rahmen. Mit dem Finger schiebt er die Arbeiterinnen vorsichtig zur Seite, um sich die verdeckelten Wabenzellen anzuschauen und die noch offenen, in denen die Bienen die Eier bereits mit Futtersaft zu kleinen Rundlarven herangezogen haben.

Bienen sorgen für Fitnessprogramm ihrer Königin

Und siehe da, auch die Königin lässt sich blicken und von Münz einfach auf die Hand nehmen. „Die ist so schwer, dass sie momentan gar nicht fliegen kann“, sagt Münz und lacht. „Wenn die Arbeiterinnen entscheiden, dass sie keine Eier mehr legen soll, wird sie schlechter gepflegt und ordentlich getrimmt. Die Bienen jagen sie dann so lange durch den Stock, bis sie wieder schlank ist und sie mit ihr wegfliegen könnten. Das ist ein grunddemokratischer Prozess.“

Die Königin ist um einiges größer als die anderen Bienen und trägt einen roten Punkt mit der Nummer 8. „Die Königin ist zwei Jahre alt“, sagt Münz. Das verrät nämlich die Farbe. Wenn die jungen Königinnen schlüpfen, die durch das Umlarven entstehen, bekommen sie in diesem Jahr einen blauen Punkt. „Durch das Umlarven“, erklärt Münz, „bringen wir die Bienen dazu, neue Königinnen heranzuziehen.“ 

Jede Biene kann theoretisch eine Königin werden

Das Potenzial, eine Königin zu werden, steckt in jedem befruchteten Ei. Ob daraus dann aber eine Arbeiterin oder eine Königin schlüpft, ist eine Frage der Ernährung, wie Hobbyimker Michael Münz erklärt. „Wenn aus den befruchteten Eiern nach drei Tagen die Maden schlüpfen, werden am Anfang alle gleich gefüttert: mit Gelée royale. Nach zwei bis drei Tagen bekommen die Arbeiterinnen dann nur noch Nektar und Pollen“, sagt Münz. „Die angehenden Königinnen werden weiter mit Gelée royale gefüttert.“

Arbeiterinnen entscheiden: Zellen, in denen Königinnen heranreifen, gibt das Volk vor. Sie müssen größer sein.

Dabei handelt es sich um einen besonderen Bienenköniginnenfuttersaft, der von den Arbeiterbienen selbst hergestellt wird. „Die Bienen haben Futtersaftdrüsen in ihrem Kopf, die bilden eigene Enzyme, die sie dem Futter beimischen.“  

Bienen brauchen immer eine Königin

Fehlt eine Königin, geraten die Bienen in eine extreme Stresssituation, denn es geht um das Überleben des Volkes. „Wenn ein Volk keine Königin mehr hat und keine nachziehen kann, versucht es auf Teufel komm raus Eier zu legen, das gelingt dann sogar einzelnen Arbeiterinnen, aber das sind dann nur unbefruchtete Eier, aus denen nur Drohnen schlüpfen können“, sagt Münz. „Das Bestreben des Bienenvolks, immer eine Königin nachzuziehen, wenn es keine mehr hat, machen wir uns zunutze.“

Dazu hat er auf einem anderen Grundstück, weit genug von den anderen Bienenvölkern entfernt, einen Sammelableger angelegt, bei dem aus jedem Brutkasten ein Wabenrahmen entnommen und in einen gemeinsamen Bienenkasten gesetzt wurde. „Das ist auch eine Möglichkeit, die anderen Völker zu entlasten“, sagt Münz, „denn dort schlüpfen jetzt bis zu 2500 Eier am Tag.“

Im Bienenstock wird Demokratie vorgelebt

Und auch hier haben die Arbeiterinnen ein Mitbestimmungsrecht. „Das Volk entscheidet eigentlich, wie viele neue Königinnen nachgezogen werden sollen, und baut dementsprechend die einzelnen Wabenzellen“, sagt Münz. Die Zellen für die Königinnen werden senkrecht, die für die Arbeiterinnen waagerecht ausgerichtet. Die Königinnenzellen werden allerdings nur gebaut, wenn die Königin mit etwa der Hälfte des Volks ausgeschwärmt ist, um ein neues zuhause zu finden, wenn die alte Königin gestorben oder zu alt ist, um befruchtete Eier zu legen.#

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Mit dem Umlarvlöffel holt der Imker vorsichtig die Rundlarven aus den Waben, um sie in einen königinnenlosen Bienenstock zu setzen.

Und auch der Imker kann mit künstlichen Wabenzellen aus Plastik zeigen, dass aus ausgewählten Larven Königinnen entstehen sollen. Dazu entnimmt Münz die Larven aus einem Schwarm, der schon das zweite Jahr in Folge ohne Behandlung mit der Varroamilbe auskommt. Die kleinen weißen Larven sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Königin geht auf Hochzeitsflug

Daher trägt der Profi eine Stirnlampe, um in die Waben zu leuchten. Dort, wo er geeignete Larven entdeckt, hebt er sie vorsichtig mit einem Umlarvlöffel heraus und setzt sie in eine. künstliche Wabenzelle aus Plastik. Ich darf sie auf den Holzrahmen stecken und schnell mit einem Tuch abdecken. „Damit die Larve nicht austrocknet“, sagt er.

Im königinnenlosen Volk würden die dann sofort aufgepäppelt und zu Regentinnen aufgezogen. „Die Larven werden dann bis zum Gehtnichtmehr gefüttert, verdeckelt und nach etwa acht Tagen schlüpft die erste Königin. Und damit diese ihre Schwestern nicht auffrisst, kommt, wenn die Waben verdeckelt wurden, ein kleiner Käfig um alle heranwachsenden Königinnen. Nach etwa einer Woche ist die Königin dann geschlechtsreif und geht auf ihren sogenannten Hochzeitsflug, wo sie von mehreren Drohnen begattet wird.

Königin verbringt fast ihr ganzes Leben im Bienenstock

„Dann verbringt die Königin eigentlich den Rest ihres Lebens im Bienenstock“, erzählt Münz. „Denn sie hat genug Erbgut gesammelt, um ihr Leben lang befruchtete und unbefruchtete Eier zu legen.“ Das könne die Königin bewusst steuern. Wie bei jeder Zucht sei auch bei den Bienen wichtig, die Väter der Nachkommen zu kennen.

Daher wird ein Teil der neuen Königinnen in diesem Jahr künstlich besamt und der andere darf in einer Belegstelle im thüringischen Gehlberg auf Hochzeitsflug gehen. „So habe ich eine große Sicherheit darüber, dass die Vaterseite nachvollziehbar ist“, sagt Münz.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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