Seltene Einigkeit

Bürgerhaus Bischofsheim: Richtlinien zum klimaneutralen Bau und Betrieb konkretisiert

Die Klimabilanz des bestehenden Bürgerhauses in Bischofsheim soll ermittelt werden, um Vergleiche mit den Planungen für den Neubau zu ermöglichen. Archiv
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Die Klimabilanz des bestehenden Bürgerhauses in Bischofsheim soll ermittelt werden, um Vergleiche mit den Planungen für den Neubau zu ermöglichen.

Maintal – Zu einem fast schon seltenen Schauspiel kam es am Montag in der Stavo beim Thema Bürgerhaus Bischofsheim. Bei allen Fraktionen herrschte Einigkeit im Streitthema der letzten Monate.

Während die Frage nach einem Neubau vor allem im Zuge des Wahlkampfes die Gemüter lange Zeit erhitzt hatte, arbeiteten diesmal die Fraktionen Hand in Hand. Die Grünen hatten mit einem Antrag gefordert, das neue Bürgerhaus klimaneutral zu bauen (wir berichteten).

„Bezugnehmend auf das historische Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, dass Klimaschutz ein Grundrecht ist und wir zukünftige Generationen nicht schädigen dürfen, hat die Stadt auch mit dem Bau des Bürgerhauses eine Vorbildfunktion“, heißt es darin. Die Fraktionen von CDU, SPD und FDP haben den Antrag der Grünen zum Anlass genommen, den Begriff „klimaneutral“ zu konkretisieren. „Der Begriff klimaneutral an sich ist nicht definiert“, erklärte Götz Winter (CDU).

Vom Bau bis zum Abriss klimaneutral

In dem gemeinsamen Änderungsantrag bringe man den Begriff in eine Form, die man in das Vergabeverfahren und eine sinnvolle Planung reingeben könne. Dabei habe man sich an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) orientiert. Mithilfe dieser Richtlinien könne das Bürgerhaus „von der ersten Erzeugung der Baumaterialien bis zum Abriss klimaschonend sein“, so Winter.

Selbst der Transport und die Konstruktion der einzelnen Bauteile könne man unter diesem Aspekt planen. Hinzu kommt, dass nicht nur der Bau des neuen Bürgerhauses klimaneutral sein soll, sondern auch der Betrieb. Wenn möglich sogar klimaverbessernd.

Bürgerhaus Bischofsheim soll Zertifizierung erhalten

„Das zu planende Gebäude soll gemäß DGNB-Rahmenwerk möglichst klimapositiv, im Mindestmaß aber klimaneutral betrieben werden können. Klimaneutral betreiben im Sinne dieses Antrags meint, dass für das Gebäude auf ein Jahr gerechnet eine ausgeglichene CO2-Bilanz nachgewiesen wird. Dabei werden die durch den Energieverbrauch verursachten Treibhausgasemissionen den Emissionen gegenübergestellt, die durch den Export von gebäudenah erzeugter erneuerbarer Energie vermieden wurden“, heißt es in dem Antrag. Gerechnet wird mit einem Lebenszyklus des Bürgerhauses von 50 Jahren. Auch soll eine Zertifizierung des Bürgerhauses angestrebt werden, diese könnte möglicherweise die Tür für Fördermittel öffnen.

Lob für die Initiative der Grünen und die Überarbeitung von CDU, SPD und FDP kam von allen Fraktionen. Auch Bürgermeisterin Monika Böttcher hob die Zusammenarbeit der Fraktionen hervor: „Ich finde es wichtig, wenn sich eine breite Mehrheit diesem Zukunftsthema annimmt. Wir haben die Chance und Verpflichtung, möglichst klimafreundlich zu fahren. Ich würde mich freuen, wenn wir ein gemeinsames Votum für die Zukunft treffen.“

Und tatsächlich kam es bei der Abstimmung zu in Maintal seltenen Bild, dass alle Stadtverordneten ihre Hand hoben und somit dem Änderungsantrag zustimmten.

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