Carsharing-Projekt eingestellt

Cetiner zieht mobiliteet den Stecker

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Ein Bild aus besseren Tagen: Ahmet Cetiner (links) im Jahr 2017 bei der Installation der ersten Ladesäulen am Bahnhof Maintal-Ost in Dörnigheim. Mit dabei waren Martin Schregel (Mitte) und Stefan Schönfelder von der Maintal-Werke GmbH

Nach fast drei Jahren ist Schluss: Das Elektromobilitätskonzept mobiliteet mit einem Netz aus Ladesäulen sowie E-Carsharing wird zum 31. März eingestellt.

Es sei so gut wie unmöglich geworden, ein derartiges Angebot aufrechtzuerhalten, lässt Ahmet Cetiner über die Facebook-Seite von mobiliteet wissen. 

Wir haben mit dem Maintaler Unternehmer über die Hintergründe seines Rückzuges gesprochen. Cetiner ist in Maintal äußerst umtriebig: Unter anderem füllte er das vom Stadtparlament beschlossene Gastro-Konzept am Mainufer durch seine Main-Kultur mit Leben, gründete mit „The Roof“ einen sogenannten Co-Working-Space und stellte sich selbst als Kandidat für den Posten des Ersten Stadtrats auf. 

Das Aus für sein ambitioniertes Elektromobilitätsprojekt kommt durchaus überraschend, denn die Zahlen können sich eigentlich sehen lassen: 14 Ladesäulen betreibt mobiliteet inzwischen, rund 600 Nutzer gehören zum Portfolio. Diese Zahlen seien zwar ein Erfolg, sagt Cetiner im Gespräch mit unserer Zeitung, sie deckten jedoch nicht den Aufwand ab, der dahinterstecke. Zuletzt bestand die Fahrzeugflotte des Maintaler Kleinstunternehmens aus sechs E-Autos. Um wirtschaftlich zu sein, hätten es dreimal so viele sein müssen, sagt der 41-Jährige. 

Cetiner kritisiert die Maintaler Politik

Eine Teilschuld für das Scheitern seines E-Carsharing-Projekts gibt er aber auch der Maintaler Politik. Diese habe aktiv den weiteren Ausbau seiner Ladeinfrastruktur verhindert, „indem sie die Stadtverwaltung mit Beschlüssen dazu zwang, das E-Carsharing-Angebot europaweit auszuschreiben“. Durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Ende 2017, dass auf öffentlichen Flächen zukünftig die Maintal-Werke GmbH (MWG) E-Ladesäulen errichten, sah sich Cetiner zusätzlich ausgebremst. Und auch vom Magistrat fühlt er sich im Stich gelassen. 

Beim Start im April 2017 hatte der Unternehmer große Pläne: Bis zum Jahr 2020 sollte es nach seinen Vorstellungen 152 Ladesäulen in Maintal geben und sollten 72 Carsharing-Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Dass diese Zahlen nicht einmal annähernd erreicht wurden, liegt auch daran, dass Cetiner einige Hürden unterschätzt hatte, wie er rückblickend selber bilanziert. So seien die Leasingraten für sogenannte Selbstfahrervermietfahrzeuge – unter diese Kategorie fallen Carsharing-Autos – deutlich höher als etwa für klassische Firmenwagen, da die Leasinggeber das Risikopotenzial höher einschätzten. Ohnehin seien Elektrofahrzeuge im Leasing dreimal so teuer in der Leasingrate wie ein konventionelles Verbrennerfahrzeug.

 „Nach Ablauf unseres Förderzeitraums im Jahr 2018 war es uns auch nicht mehr möglich, weitere Fördermittel von Land und Bund zu beantragen, weil diese meist einmalige Zuschüsse sind, die nicht wiederholt beantragt werden dürfen“, schreibt Cetiner auf Facebook. Abgesehen davon sollte das Angebot nicht durch Steuergelder aufrechterhalten werden. Nachdem sich in Maintal erste Widerstände formiert hatten, plante Cetiner vor ungefähr zwei Jahren, sein E-Carsharing-Angebot in anderen Kommunen im Umkreis anzubieten. 

Verträge der bereits installierten Säulen läuft noch

Diesbezüglich hätten auch etliche Gespräche stattgefunden – allerdings ohne jegliches Ergebnis. Ein Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis habe Interesse gezeigt, mehrere Ladesäulen und E-Autos zu bestellen. Passiert sei bis heute jedoch nichts, sagt Ahmet Cetiner. Die Gründe? „Es braucht eben immer einen Topf, aus dem die Kommune das bezahlen kann.“ Was auch immer der Grund für das zögerliche Verhalten der Rathauschefs und Rathauschefinnen gewesen sein mag, das Projekt mobiliteet ist bald Geschichte. 

Die 14 bereits installierten Ladesäulen sind das noch nicht, da der Vertrag noch für einige Jahre laufe, so Cetiner. Die Säulen bleiben in Betrieb und würden sogar auf Kosten seines Unternehmens noch auf den neuesten geforderten technischen Stand – im Fachjargon eichrechtskonform – gebracht.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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