Kommunalpolitik

Das ist der neue Erste Stadtrat in Maintal - Dienstantritt zum 1. September

Karl-Heinz Kaiser in seinem Garten
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Ein waschechter Wachenbucher: Der designierte Erste Stadtrat Karl-Heinz Kaiser im Hof seines Elternhauses.

Nach fast 40 Jahren im kommunalpolitischen Ehrenamt wechselt er bald ins Hauptamt: Karl-Heinz Kaiser (SPD) wird Maintals neuer Erster Stadtrat und tritt damit am 1. September die Nachfolge von Ralf Sachtleber (parteilos) an. Bereits in der Stadtverordentenversammlung im Juni setzte sich der Kandidat der SPD gegen Martin Fischer (CDU) durch.

Maintal – Kaiser freut sich auf seine neue Aufgabe, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Aufgeregt ob der beruflichen Veränderung und der neuen Herausforderung ist der 63-Jährige aber nicht – zu lange ist er schon im kommunalpolitischen Geschäft. „Mit 16 bin ich in die SPD eingetreten“, sagt der Wachenbucher.

Denn schon als Jugendlicher wollte er etwas in seiner Heimat bewegen. „Und damals sagte man mir, dass das am besten geht, wenn man in eine Partei eintritt“, sagt der designierte Erste Stadtrat. Dass es die SPD sein sollte, sei sofort klar gewesen. „Mein Elternhaus war sozialdemokratisch geprägt“, erklärt er.

Kaiser hatte sein erstes Mandat bereits Mitte der 1980er Jahre inne

Das erste Mandat in der Stadtverordnetenversammlung folgte Mitte der 1980er Jahre, danach war er unter anderem zehn Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD und – einmal viereinhalb Jahre und jetzt wieder im zehnten Jahr – Stadtverordnetenvorsteher. All diese Erfahrungen will Kaiser auch bei seiner neuen Aufgabe im hauptamtlichen Magistrat einsetzen: „Ich kenne die Arbeit von Parteien und Fraktionen, und ich weiß, wie Stadtverordnete ticken“, erklärt er.

So wolle er „eine Brücke zwischen Haupt- und Ehrenamt sein“ – und nicht zuletzt die Kommunikation zwischen diesen beiden Ebenen verbessern.

Denn gerade diese fehlende Kommunikation mit den Stadtverordneten war es, die die Fraktionen Kaisers Vorgänger Sachtleber unter anderem vorgeworfen und eine Wiederwahl im vergangenen Herbst mehrheitlich abgelehnt hatten. Dabei ist laut Kaiser Kommunikation gerade wichtig, wenn man die besten Lösungen für die Stadt Maintal will. „Und darum geht es letztlich: Die bestmöglichen Entscheidungen für die Stadt und ihre Bürger“, so Kaiser.

Der neue Erste Stadtrat will eng mit den Fraktionen zusammenarbeiten

Um dieses Ziel zu erreichen, will er eng mit den Fraktionen zusammenarbeiten – nicht nur mit der SPD. „Aber natürlich werde ich nie meine politische Heimat verleugnen“, erklärt er. Diese enge Zusammenarbeit kennt Kaiser außerdem durch seine langjährige Tätigkeit als Stadtverordnetenvorsteher. „Da muss ich ja auch objektiv bleiben, wenn ich eine Sitzung leite.“

Dem Spagat zwischen den Vorstellungen, die seine Partei und die Fraktion hat und denen, die der Magistrat hat, stellt sich Kaiser selbstbewusst. Angst vor Gewissenskonflikten, die daraus resultieren könnten, hat er nicht, wie er sagt.

Schließlich hätten das andere vor ihm auch schon geschafft. Kaiser sieht es vielmehr als Chance, dass der Posten des Ersten Stadtrats mit ihm künftig wieder politisch besetzt sein wird. „Dadurch könnte es einfacher sein, für einige Vorlagen Mehrheiten zu finden“, sagt er.

Kaiser war erst der dritte Kandidat der Maintaler SPD

Nach der Frankfurterin Marlies von der Malsburg und dem Fraktionsvorsitzenden Sebastian Maier ist Kaiser der dritte Kandidat, den die Maintaler SPD ins Rennen um das Hauptamt geschickt hatte. Die Entscheidung, sich selbst zur Wahl zu stellen, sei bei Kaiser erst kurz vor der Wahl im Juni gereift. „Ich selbst bin nicht auf die Idee gekommen“, erklärt er. „Die Pläne von meiner Frau und mir sahen eigentlich ganz anders aus“, sagt er und lacht. Doch nach zwei geplatzten Wahlen seien Bürger auf ihn zugekommen und hätten ihn gefragt, ob er sich nicht selbst zur Wahl stellen wolle. Erst im Mai habe er sich dann mit dem Gedanken intensiver befasst und letztlich den Entschluss gefasst, zu kandidieren.

Das Amt des Ersten Stadtrats als Sprungbrett für eine Kandidatur bei den im nächsten Jahr anstehenden Bürgermeisterwahlen nutzen will er nicht. „Es macht mich stolz, in Maintal Stadtrat zu werden“, sagt er und lächelt. Auf diese Aufgabe, die er für die nächsten sechs Jahre vor sich hat, wolle er sich auch konzentrieren.

Entscheidung über Dezernate ist noch nicht gefallen

Welche Fachbereiche der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder in der Stadtverwaltung ab 1. September leiten wird, steht noch nicht fest. Die Verteilung der Dezernate obliegt nach der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos). „Zu diesem Thema haben Frau Böttcher und ich uns schon zweimal getroffen“, so Kaiser. Er rechnet mit einer Entscheidung Anfang August. „Ich bin aber für alles offen.“

Als eine der ersten Herausforderungen, die auf ihn als Teil der Verwaltungsspitze zukommen werden, sieht er, den Haushalt für das Jahr 2021 aufzustellen. „Gerade in Zeiten von Corona, wo ja vieles noch unsicher ist“, so Kaiser. „Ich möchte bei diesem Thema schon frühzeitig auf die Fraktionen zugehen.“ Sein Ziel: „Keine Grabenkämpfe zwischen den Fraktionen und auch keine Hängepartie, die sich womöglich bis nach den Kommunalwahlen hinzieht.“

Die nächste Stadtverordnetenversammlung am Montag, 24. August, wird vorerst die letzte sein, die Kaiser als Vorsteher organisiert. In dieser Sitzung soll auch sein Nachfolger gewählt werden. Traditionell stellt die stärkste Fraktion den Vorsitzenden des Stadtparlaments. Wen die SPD vorschlägt und ob es auch noch andere Kandidaturen gibt, ist bislang offen. „Zum 23. August werde ich mein Amt als Stadtverordnetenvorsteher niederlegen, mein Mandat als Stadtverordneter am 31. August“, erklärt Kaiser. Doch ganz aus dem kommunalpolitischen Ehrenamt zurückziehen will sich der 63-Jährige nicht: „Ich überlege derzeit, ob ich mich künftig im Kreistag engagieren soll“, sagt er und lächelt.

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