Lange Wartelisten in Kleingärtnervereinen

Die Renaissance des Schrebergartens: Nicht nur Corona treibt die Maintaler ins Grüne

Eine grüne Oase hat sich auch Armin Schubert vom Obst- und Gartenbauverein geschaffen.
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Eine grüne Oase hat sich auch Armin Schubert vom Obst- und Gartenbauverein geschaffen.

Schule, Kitas, Spielplätze, Schwimmbäder, Indoor-Spielhallen, Sportvereine – Mitte März spitzte sich die Corona-Krise zu und alles, was dem grassierenden Virus Raum zur Verbreitung bot, wurde geschlossen. Arbeit, Homeschooling, Kinderbetreuung musste plötzlich in den eigenen vier Wänden stattfinden, die vielen Familien zu eng wurden. Zufluchtsort wurde für diejenigen, die sich glücklich schätzen dürfen, ein Stück Land am Stadtrand gepachtet zu haben, der Schrebergarten.

Maintal – Wer an den sommerlich warmen Tagen im März und April aus Maintal hinausspazierte, sah sogar in Gärten, die lange sich selbst überlassen wurden, emsige Hobbygärtner ihre Laube instand setzen. Überall wurde gemäht, gesät, geharkt, gejätet, repariert, Klettergerüste und Trampoline aufgestellt. „Für uns war unser Garten die Rettung, wir waren quasi immer hier“, erinnert sich Diana Witzmann erleichtert. Sie hat mit ihrer Familie dieses Jahr eine Parzelle in der Gartenkolonie südöstlich von Hochstadt übernommen und hier aus einem einstigen Dschungel ein Freizeitparadies für ihre beiden Jungs gemacht.

Zwar boomt der Schrebergarten nicht erst durch Corona. Seit dem Lockdown erfährt der eigene Kleingarten am Stadtrand, der lange als Rentnerhobby verpönt war, allerdings eine regelrechte Renaissance. „Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal eine Warteliste und damit mehr Interessenten als freie Gärten“, sagt Armin Schubert, Kassierer des Obst- und Gartenbauvereins Hochstadt e.V. 1903, zu dem Phänomen, das die Maintaler seit Beginn der Pandemie raus ins Grüne und die Nachfrage nach Kleingärten in die Höhe treibt.

Maintal: Kleingärtnern liegt im Trend

Damit liegt der Verein absolut im hessischen Trend, wie Reinhold Six, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen der Kleingärtner, bestätigt: „Wir bekommen Rückmeldungen aus allen Verbänden, dass die Nachfrage in diesem Jahr sehr hoch ist und die Vereine nicht nur alle Gärten loswerden, sondern Wartelisten führen.“ Armin Schubert sieht 2020 sogar als Revival des großen Schrebergarten-Booms der 60er/70er Jahre. „Damals wollte jeder selbst Obst und Gemüse anbauen“, erinnert er sich. Jetzt ziehe es verstärkt junge Familien nach draußen, die laut Schubert mehr anpflanzen und die Laube nicht nur als Freizeitfläche nutzen. Der Obst- und Kleingartenverein hat insgesamt 170 Mitglieder, das älteste ist 82, das jüngste 30.

Von wegen Rentnerhobby: Immer mehr junge Familien zieht es in den Schrebergarten. So auch Diana Witzmann mit ihren beiden Söhnen.

Schubert selbst ist seit 35 Jahren Mitglied und versucht, verstärkt Anreize für Kinder und Familien zu schaffen, um die Zukunft des Vereins zu sichern. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die jährlichen Feste wie das Kelterfest, bei dem der Obst- und Gartenbauverein jeden Herbst mit einer eigenen Kelter Apfelwein von Hand produziert.

Wissen soll an Jüngere und Kinder weitergegeben werden

„Wir wollen unser Wissen an die Jüngeren und Kinder weitergeben, damit sie lernen, woher das Obst kommt, das sie gerne essen“, erklärt Schubert, der sich freut, dass die jüngeren Mitglieder den Verein mit eigenen Ideen und großem Engagement beleben. Er betont, dass sein Verein kein Kleingärtnerverein ist und damit weniger strengen Vorschriften unterliegt. „Pools in den Gärten sind zum Beispiel erlaubt, das ist gerade im Moment für die Kinder toll“, so Armin Schubert.

Diana Witzmanns Söhne machen davon reichlich Gebrauch. „Diese Fläche nur für uns zu haben, ist toll“, sagt sie. „Die Kinder können toben, wir können hier super abschalten“. Dass so ein Garten nicht nur Spaß, sondern auch jede Menge Arbeit mit sich bringt, wusste sie schon von ihren Eltern. „Wir haben schon viel Zeit investiert, und es gibt immer viel zu tun.“ Wer davor nicht zurückschreckt, sondern sich auch eine grüne Oase zulegen will, muss zum Beispiel in den Obst- und Gartenbauverein Hochstadt eintreten, Maintaler sein und derzeit leider warten, bis ein Garten frei wird.

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