Aus dem Gericht

Doppelmordprozess in Maintal: Angeklagte sind voll schuldfähig

Der Doppelmord auf der „Main River Ranch“ in Dörnigheim im Juni 2014 war keine Tat aus dem Affekt und auch keine Notwehr. Das zumindest erklärte ein psychiatrischer Gutachter.
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Der Doppelmord auf der „Main River Ranch“ in Dörnigheim im Juni 2014 war keine Tat aus dem Affekt und auch keine Notwehr. Das zumindest erklärte ein psychiatrischer Gutachter.

Im dritten Prozess gegen Klaus-Peter B. (66) und dessen Sohn Claus Pierre B. (36) wegen Mordes sowie Totschlags an ihrem Vermieter-Ehepaar Harry und Sieglinde K. auf der „Main River Ranch“ in Maintal-Dörnigheim hat ein Gutachter ausgesagt. Er attestiert den beiden zunächst zwei mal vom Landgericht Hanau freigesprochenen Angeklagten die volle Schuldfähigkeit.

Frankfurt/Maintal – Wenn sie denn schuldig gesprochen werden sollten, diesmal von der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts unter Vorsitz von Richter Volker Kaiser-Klan.

Ein forensischer Psychiater, Professor Dr. Hartmut Berger, war von der Kammer mit einem neuen Gutachten zur Persönlichkeit der beiden Angeklagten beauftragt worden. Allerdings war er gezwungen, ohne eine sogenannte Exploration auskommen. Also ohne eine genaue psychologisch-analytische Untersuchung auf Gesprächsbasis. Denn beide Angeklagten verweigerten jede Unterhaltung mit dem Sachverständigen. Das ist ihr gutes Recht. So musste sich sein Gutachten auf Erkenntnisse aus den bisherigen rund ein dutzend Verhandlungstagen beschränken. Und auf Unterlagen aus den beiden alten Prozessen in Hanau.

Gutachter hat keine Zweifel an Schuldfähigkeit

Was die Schuldfähigkeit von Vater und Sohn anbelangt, bestanden für Berger keinerlei Zweifel: beide litten weder an einer seelischen Erkrankung noch an irgendwelchen sexuellen Funktionsstörungen, die Strafmilderungsgründe im Falle einer Verurteilung zuließen. Auch an der „Blutrausch“-Annahme hatte der Psychologe seine Zweifel.

Damit hatten die Verteidiger des jungen B. unter anderem die immerhin 17 Messerstiche erklärt, mit denen dieser seinen Vermieter tötete. Nachdem er ihm das Messer abgerungen hatte, mit dem er selbst von Harry K. angegriffen worden sei, wohlgemerkt. Notwehrexzess? Ein solcher geschehe in der Regel nur unter Drogeneinfluss. Drogen aber waren an jenem 6. Juni 2014 ziemlich sicher nicht im Spiel. Oder doch?

Keine Hinweise auf Tat aus dem Affekt

Zumindest ein abgesetztes Medikament, der Gruppe der Psychopharmaka zugeordnet, könnte Entzugserscheinungen beim jüngeren Angeklagten ausgelöst haben, monieren seine Verteidiger.

Es gebe jedoch laut Berger keine Hinweise auf das Vorliegen eines „hochgradigen Affekts“, welcher sich schuldmindernd auswirken könnte. Auch das Verhalten vor und nach der Tat sprächen nicht für einen „hochgradigen Affekt“ und gegen eine schuldmindernde Bewusstseinsstörung. Vater B. hatte Sieglinde K. mit Schüssen aus einer Pistole getötet, angeblich, weil sie mit einem Beil auf seinen Sohn losgegangen war. Nach der Tat wurden die Leichen unter einem Misthaufen verscharrt, die Pistole in den Main geworfen, Spuren wurden beseitigt. Dieses „Sicherungsverhalten“ spräche gegen eine Affekttat.

Spektakulärer Mordprozess auf der Zielgeraden

Es wird nun darauf ankommen, zu welchen Schlussfolgerungen die Kammer nach dem neuen Gutachten gelangt. Und nach den weiteren neuen Erkenntnissen, die sie unter anderem beim eigenen Ortstermin auf dem Gelände der Dörnigheimer Main-River-Ranch vor kurzem gewonnen hat.

Der Prozess läuft auf die Zielgeraden zu, Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze, der wie in Hanau auch vor der Frankfurter Schwurgerichtskammer die Anklage vertritt, und die Rechtsanwälte der Nebenkläger rechnen stündlich mit dem Ende der Beweisaufnahme und der Aufforderung durch Kaiser-Klan, ihre Plädoyers zu halten. Wobei die Verteidigung bereits beantragt hatte, das Gutachten Bergers wie auch jenes einer weiteren Sachverständigen abzulehnen, die das Verhalten der Hunde auf der Main-River-Ranch beurteilt hatte. Bergers wegen Befangenheit, das andere wegen mangelnder Wissenschaftlichkeit.

Kammer weiß Anträge der Verteidigung zurück

Beide Ansinnen wies wiederum die Kammer zurück. Das psychiatrische Gutachten sei sehr wohl verwertbar, der Sachverständige keineswegs befangen. Und ebenso bestehen an der wissenschaftlichen Qualität der zweiten neuen Gutachterin, die rund 30 Jahre lang nach eigenen Angaben im Tierschutz tätig gewesen sei, für den Vorsitzenden Richter keinerlei Zweifel. Einen Spezialisten für Verhaltensbiologie forderte dann hingegen die Verteidigung, der die Beiß- oder Nicht-Beißwut der Hunde auf der „Main River Ranch“ noch einmal völlig neu beleuchten solle. Ein Beweisantrag, den zumindest Heinze für „ins Blaue hinein gestellt“ hielt.

Es bleibt indes abzuwarten, wie die Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts die neuen Erkenntnisse bewertet. Und welche Schlüsse sie aus der nunmehr zweiten Revisionsbegründung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe zieht, der die ersten beiden Urteile jeweils wegen fehlerbehafteter Beweiswürdigung kassiert hatte.

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