Maintal

Mit dem Rad durch die USA - Von LA nach NY in 60 Tagen

Ein knappes Jahr nach seiner Abenteuerreise: In einem Maintaler Café sitzend erzählt Stefan Trunk von seinen Erlebnissen. Foto: Gepperth

Maintal. 5000 Kilometer, 60 Tage, zwölf Bundesstaaten und ein Mann auf einem Fahrrad. Diese Tour durch Amerika hat Stefan Trunk im vergangenen Jahr hinter sich gebracht. Wir treffen den Globetrotter in einem Café in Maintal, wo er von seinen Erfahrungen berichtet.

Von Jan Max Gepperth

Seine Tour war kein Zuckerschlecken. Allein bei der Fahrt durch die kalifornische Wüste nach dem Start in Los Angeles musste Trunk hart mit sich kämpfen. „Ich habe jeden Tag ans Aufgeben gedacht. Bereits am ersten Tag hatte ich mein Knie verdreht. Mein Hintern war entzündet. Ich schaute bereits, von wo ich wieder nach Hause fliegen kann.“ Doch jeden Abend schaute er sich die Stecke an, die er zurückgelegt hatte. Und schaute auf Facebook, wo seine Fans ihn anfeuerten. Das hat ihm wieder Motivation gegeben. „Wenn du dann bei Google Maps schaust, ganz rauszoomst und siehst, wie sich dieser kleine Punkt ein Stück weiter bewegt hat, fühlt sich das gut an.“

Radfahren war schon immer seine Passion: Bereits mit Mitte Zwanzig hat er immer wieder Rad-Touren durch Europa unternommen. Sei es eine Alpenüberquerung, durch die Berge der Kanaren oder quer durch die Türkei. Irgendwann wollte er einfach was Größeres erreichen.

Plan für Amerikatour konnte lange reifen„Mir hat schon immer eine Weltumrundung vorgeschwebt“, erinnert sich Trunk, der in Bischofsheim aufgewachsen ist und nun in Frankfurt wohnt. Damals wäre das noch was Besonderes gewesen. Er begann, eine Route durch Amerika zu planen. Seine Rechnung: Wenn er täglich ungefähr 100 Kilometer zurücklegt, bräuchte er 60 Tage, um von New York nach Los Angeles zu fahren. Doch es gab immer zwei Probleme: Zum einen war ihm klar, dass es schwer sein würde, zwei Monate am Stück Urlaub bei einem Arbeitnehmer zu bekommen. Zum anderen hatte er Angst davor, alleine zu fahren.

Das änderte sich jedoch im vergangenen Jahr. Trunk sagte sich damals: „Ich schiebe das jetzt schon fast ein Vierteljahrhundert vor mir her. Wenn ich es jetzt nicht mache, werde ich es bereuen.“ Der Wahlfrankfurter bekam zudem Unterstützung von seinem damaligen Arbeitgeber, der die Reise zeitlich ermöglichte. So flog Trunk Mitte April los. Jedoch flog er, anders als usprünglich geplant, nach Los Angeles statt nach New York. „Vor allem das Wetter war ausschlaggeben“, erklärt er. „Ich hätte sonst in New York bei ungefähr Null Grad angefangen und wäre im Juni in Los Angeles gewesen. Da hätte es dann an die 60 Grad gehabt. Andersrum war es etwas angenehmer.“

„Da wirst du mit der Zeit blöd im Kopf.“Zumindest den ersten Teil der Strecke, die Fahrt durch die Wüste, musste Trunk nicht alleine bestreiten. Um zu überleben, hatte er ein Begleitfahrzeug, das ihn über 100 Kilometer begleitete. „Ansonsten bin ich komplett allein unterwegs gewesen. Aber da wäre es ohne dieses Begleitfahrzeug tödlich gewesen.“ Vor allem dieser Streckenabschnitt war für ihn sehr zermürbend. Die ganze Zeit ging es über eine komplett gerade Straße. Allein. „Da wirst du mit der Zeit blöd im Kopf. Du führst Selbstgesprächen oder fängst laut zu singen an.“

Doch es gab auch viele schöne Momente auf der Tour. „In Texas habe ich einen religiösen Rocker-Club getroffen. Die haben mich gefragt, wo ich her komme und was ich so mache. Anschließend haben sie mich in einem großen Kreis in die Mitte genommen. Ich dachte echt erst, die fressen mich auf. Doch dann haben die ein Gebet für mich gesprochen. Da hatte ich echt Gänsehaut.“

„Da hatte ich schon kurz Tränen in den Augen.“Auch das Gefühl, das er empfand, als er sein Ziel erreichte, war für ihn unbeschreiblich. „Wenn du dann um eine Kurve fährst, und Manhattan liegt vor dir . . . da hatte ich schon kurz Tränen in den Augen.“

Seine Tour brachte ihm wertvolle Erfahrungen und Erinnerungen. Seien es die Japaner, die ihm bei Windstärke zehn geholfen haben, seinen Reifen zu flicken. Oder als er bei Regen in Nashville am Grab von Johnny Cash stand: Das alles sind Erinnerungen, die ihm keiner mehr nehmen kann.

Was kommt jetzt?Konkrete Pläne für die nächste Tour hat er nicht. Oder doch? „Es ist weniger ein Traum, als eine Spinnerei“, antwortet er. „Wenn ich mir den Globus ansehe, da fehlt mir ja noch etwas.“ Gemeint ist die Strecke von Frankfurt nach Shanghai. Die Route würde schon stehen, aber es sei noch nichts spruchreif. „Wenn ich diese Tour aber wirklich mache, dann lasse ich mir sechs bis sieben Monate Zeit.“ Zwar hätte er sich während seiner Tour durch Amerika geschworen, so etwas nie wieder zu tun. „Aber keine zwei Monate nach der Reise hatte ich schon neue Ideen, was ich machen könnte“, gibt er lachend zu. „So leicht werden gute Vorsätze manchmal über den Haufen geworfen.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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