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„Ein bedeutendes Ereignis“: Heimische Apfelweinkultur ist jetzt immaterielles Kulturerbe

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„Großartiger Tag für uns und die Region“: Keltermeister Jörg Stier aus Bischofsheim und Barbara Völksen, hier am größten Bembel der Welt im „Gerippten Museum“ in Hanau, waren maßgeblich an der Formulierung des Antrags beteiligt.
„Großartiger Tag für uns und die Region“: Keltermeister Jörg Stier aus Bischofsheim und Barbara Völksen, hier am größten Bembel der Welt im „Gerippten Museum“ in Hanau, waren maßgeblich an der Formulierung des Antrags beteiligt. © PM

Maintal – Der 9. März 2022 ist ein historischer Tag für das heimische „Stöffche“: Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die „Handwerkliche Apfelweinkultur“ in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gestellt wurde der Antrag bereits im Jahr 2018 von einer gleichberechtigten Trägergemeinschaft verschiedener hessischer Vereine und Organisationen, die sich rund um den Apfelwein engagieren.

Die inhaltliche Federführung hatten dabei Barbara Völksen von der Agenda-Gruppe für Landschaftsschutz und Landschaftspflege (Friedrichsdorf) und Jörg Stier, Geschäftsführer der Bischemer Familienkelterei Stier und Vorsitzender des Vereins Apfelwein-Centrum Hessen (ACH), der kürzlich das erste hessische Apfelweinmuseum in Hanau fertiggestellt hat. „Diese Nachricht macht uns überglücklich. Das ist ein bedeutendes Ereignis für alle Freunde der Apfelweinkultur“, so Stier.

In dem offiziellen Schreiben an das ACH heißt es wörtlich: „Das Expertenkomitee würdigt die regionale und partizipative Traditionspflege in der Apfelweinkultur mit ihrer lokalen identitätsstiftenden Wirkung. Die Herstellung von Apfelwein erfordert spezifisches Wissen und Können insbesondere im Handwerk und rund um die Natur.“ Im Laufe der Zeit haben sich landschaftsprägende Steuobstbestände und eine identitätsprägende Kultur entwickelt, so die Unesco weiter.

„Die handwerkliche Apfelweinkultur betreiben häufig Familien, Vereine und Keltergemeinschaften, die ihr eigenes Obst anbauen und keltern. Traditionell wird das Wissen und Können um die Herstellung des Apfelweins innerhalb der Familien und Vereine über Generationen hinweg weitergegeben. Darüber hinaus existieren viele Straußenwirtschaften und Kleinkeltereien, die ihre eigenen geschmacklichen Traditionen und Aromen entwickelt haben“, heißt es. Genau dieses große Ganze ist es, für das sich Jörg Stier seit Jahren mehr Anerkennung wünscht.

„Ob es die wunderschönen Streuobstwiesen sind oder die urigen Apfelwein-Wirtschaften mit Bembel, Deckel und Geripptem, das alles ist einmalig auf der Welt.“ Regionales Bewusstsein und heimische Kultur spielten zwar bei jüngeren Menschen eine immer größere Rolle, so Stier. Dennoch gebe es genug Menschen, die von den Schätzen vor der eigenen Haustür nichts wissen. „Vielleicht schafft es die Auszeichnung, den Blick dafür zu schärfen. Ich jedenfalls habe die Hoffnung, dass es einen Langzeiteffekt gibt.“

Insgesamt waren elf Vereine, Verbände und Privatinitiativen an der Antragsstellung beteiligt, darunter auch der Arbeitskreis Streuobst Maintal. „Mich freut diese Anerkennung sehr, weil damit auch die Grundlage für den Apfelwein, nämlich die Streuobstwiesen und ihre Pflege, wieder stärker in den Blick gerät“, so Ralf Vandamme, der Sprecher des Arbeitskreises.

Es seien die Selbstkelterer, so Vandamme, die die Streuobstwiesen pflegen, den Unterwuchs beseitigen, neue Bäume pflanzen und Interesse an den alten Sorten haben. Darüber hinaus freue er sich, dass der Blick von „bunter, schriller, süßer“ wieder auf Tradition gelenkt wird.

„Tradition ist an eine Region gebunden und daher hoffe ich, dass mit dem Engagement für den Apfelwein auch ein Engagement für die Region verbunden sein könnte“, erklärt Vandamme abschließend..  kbr

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